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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Goldrute

Foto: Sertürner

Martin Luther schätzte das Wundkraut

von Gerhard Gensthaler, München

Seit dem Mittelalter wird die Goldrute in der Volksheilkunde bei Blasen- und Nierenerkrankungen, bei Hautleiden und zur besseren Wundheilung verwandt. Inzwischen hat die Heilpflanze einen festen Platz in der Phytotherapie eingenommen.

Bereits im 13. Jahrhundert empfahl der katalanische Arzt und Theologe Arnold von Villanova (1240 bis 1311) die echte Goldrute zur Behandlung von Blasensteinen. Der englische Wundarzt und Botaniker John Gerard (1545 bis 1612) war von ihrer Heilkraft begeistert und bezeichnete sie als "Wundkraut". Selbst Martin Luther soll seine zahlreichen Gebrechen mit Goldrute behandelt haben.

Volkskundlich auch bekannt als Himmelsbrand, Goldene Jungfrau, Wundkraut, Schoßkraut und Ochsenbrot trägt sie in England den Namen "goldenrod" und in Frankreich "verge d'or". Die in Europa und Nordafrika heimische Art Solidago virgaurea L. diente in der europäischen Volksmedizin seit Jahrhunderten als Urologikum und Antiphlogistikum.

Leuchtend gelbe Blüten

Die gelben Blütenstände der Goldrute leuchten noch bis in die letzten Sommertage, was den volkstümlichen Namen "Himmelsbrand" erklärt. Die Pflanze erreicht eine Höhe von bis zu einem Meter. Ihre Stängel sind schwach gerillt, grüngelb bis rötlich, oft weißlich bereift, unten kahl und glatt und nur im oberen Teil behaart. Die Blätter sind lang zugespitzt mit scharf gesägtem Rand und besonders unterseits und auf den Nerven behaart. Die goldgelben Blütenköpfe besitzen eine dachziegelartige Hülle; sie stehen oft in zusammengesetzten, gekrümmten Trauben, die am Ende in pyramidenförmige Rispen übergehen.

Die Goldrute gehört zu der artenreichsten und entwicklungsgeschichtlich jüngsten Pflanzenfamilie der Asteraceae (Korbblütler). Neben der heimischen echten Goldrute, Solidago virgaurea L., haben sich zwei amerikanische Arten in Europa eingebürgert, die Solidago canadensis L. und die Solidago gigantea L. Beide Gewächse wurden zunächst als Zierpflanzen eingeführt, verwilderten aber rasch, so dass sie heute häufig auf Schuttplätzen, an Bahndämmen, Wegrändern und Flussufern zu finden sind. Die mehr als meterhohen Stauden treten meist in größeren Beständen auf, leuchten schon von weitem gelb und sind im Spätsommer unübersehbar, weil die kleinen Blütenköpfchen sehr dicht stehen.

Das blühende Kraut wird von August bis Oktober gesammelt und schonend getrocknet. Die den Goldruten-Arten nachgesagte diuretische Wirkung beruht auf dem Gehalt an Saponinen, Flavonoiden und Phenolglykosiden. Die Pflanzen enthalten außerdem neben Bitter- und Gerbstoffen ätherisches Öl. Die beiden amerikanischen Arten haben einen höheren Gehalt an Diurese fördernden Inhaltsstoffen als die heimische Art.



Beispiele für Fertigarzneimittel mit Goldrute

  • Cefasabal® Tabletten und Tropfen

  • Chol-Do® Gräsler Mischung

  • Cystinol long® Kapseln

  • Cysto Fink Mono® Kapseln

  • Harntee 400 Granulat

  • Harntee-Steiner®

  • Heumann Solubitrat® Tee

  • Nephrisol® mono Lösung

  • Nephro-Pasc® Pulver

  • Nieral® 100 Tabletten und Tropfen

  • Phytodolor® Tinktur

  • Prostamed® Tabletten und Tropfen

  • Solidago Steiner® Tabletten

  • Solidagoren® N Tropfen



Nicht nur als Tee

Die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes hat als unabhängiges Expertengremium die zur Selbstmedikation geeigneten Phytopharmaka auf ihre Verordnungsqualität hin untersucht. Als Mitglied dieses Gremiums empfiehlt Professor Dr. Theodor Dingermann vom Institut für Pharmazeutische Biologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main Goldrutenkraut zur Anwendung bei Patienten nach Harnsteinzertrümmerung, zur Rezidivbehandlung bei Harnsteinbildung und zur unterstützenden Behandlung bei leichten Harnwegsinfekten.

Bei Fertigarzneimitteln mit Trockenextrakten der Goldrute sollte das Verhältnis von Droge zu Wirkstoff stets 5,0 bis 7,1: 1 sein. Dabei ist zu beachten, dass nur ethanolische Extrakte verwendet werden. Da mehr als 1600 mg Trockenextrakt als wirksame Tagesdosis gelten, entspricht dies 6 bis 12 g Droge. Hier ist es wichtig, die Angaben auf der Verpackung und der Packungsbeilage genau zu lesen und den Kunden entsprechend zu beraten. Bei Fluidextrakten sollte das Verhältnis von Droge zu Extrakt stets 1:1 betragen. Als Tagesdosis rät Dingermann, mehr als 10 ml Fluidextrakt stets mit reichlich Flüssigkeit zu trinken.

Mehrmals täglich

Goldrute ist Bestandteil vieler Nieren- und Blasentees. Nach der Aufbereitungsmonographie der Kommission E werden zwei Teelöffel, etwa 2 g, feingeschnittenes Goldrutenkraut mit einer Tasse Wasser heiß überbrüht, zehn Minuten ziehen gelassen und abgeseiht. Mehrmals täglich eine Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken. Bei Blasenentzündungen soll der Patient insgesamt mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag trinken. Nach Professor Dr. Dietrich Frohne kann Goldrutenkraut auch als Infus zubereitet werden. Die Rezeptur lautet:

Virgaureae Herba 15,0 : 180,0
Menthae pip. Spirit. ad 200,0
Als Dosierung wird die viermal tägliche Gabe von einem Esslöffel empfohlen.

Empfehlenswert ist die Kombination mit anderen Blasen und Nieren anregenden Drogen wie Orthosiphon-, Bärentrauben- oder Birkenblättern. Für Teezubereitungen und Pflanzenpresssäfte wird eine Tagesdosis von 50 mg Flavonoiden entsprechend 3 bis 5 g Solidago-Droge oder 60 ml Presssaft mit 50 Milligramm-Prozent Gesamtflavonoiden als nötig angesehen.

Wirksam bei Harnwegsinfekten

Die echte Goldrute gilt als eine der effektivsten Heilpflanzen bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, solange kein Fieber auftritt. Ihre Wirksamkeit bei chronischen und akuten entzündlichen Nieren- und Harnwegserkrankungen konnte mittlerweile in mehreren klinischen Studien und Anwendungsbeobachtungen belegt werden. Seit kurzem ist bekannt, dass der Pflanzenextrakt auch bei Reizblase wirksam ist und der Bildung von Harnsteinen vorbeugt.

Goldrutenkraut verstärkt die Wasserausscheidung, ohne dabei wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente mit auszuschwemmen. Bakterielle Erreger werden mit der erhöhten Urinmenge aus der Blase entfernt. Diese Durchspülungstherapie beugt ebenfalls Harnwegsinfekten vor. Außerdem wirkt Goldrutenkraut krampflösend sowie entzündungshemmend und lindert so die wichtigsten Symptome einer chronisch wiederkehrenden Blasenentzündung.

Nebenwirkungen beziehungsweise Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind bisher nicht bekannt. Menschen mit einer Herzinsuffizienz oder einer Leberentzündung dürfen auf keinen Fall entwässernde Phytopharmaka einnehmen. Auch die Homöopathie nutzt frische Goldrutenblüten. Die Urtinktur wird bei allen Erkrankungen im Nieren- und Blasenbereich, bei Nierensteinen und Vergrößerungen der Prostata angewandt.

Nicht zur Nachahmung empfohlen verwenden sie die Indianer: Sie setzen die kanadische Art bei Klapperschlangenbissen ein. Bei Halsweh sollen die frischen Blüten gekaut werden. Zu Recht wird die Goldrute seit vielen Jahrhunderten und in ganz unterschiedlichen Kulturen als wichtige Heilpflanze geschätzt. Im deutschen Arzneimittelschatz wird sie heute hauptsächlich in verschiedenen galenischen Zubereitungen zum Einnehmen als Urologikum eingesetzt.



Wickel bei Blasenbeschwerden

Bei Blasenentzündungen rät die Volksmedizin zu Schweiß treibenden Wickeln. Dazu benötigt man eine Wolldecke, ein Badetuch sowie ein Leinentuch oder Bettlaken. Das mehrfach zusammengelegte Laken oder Tuch wird mit Wasser befeuchtet und um den Bauch gewickelt. Anschließend erst das Badetuch und dann die Decke um den Körper wickeln und eine halbe Stunde ruhen. In dieser Zeit wird das nasse Laken langsam warm. Je feuchter das Laken, desto Schweiß treibender der Wickel und umso besser die Wirkung.



Anschrift des Verfassers:
Dr. Gerhard Gensthaler
Krüner Platz 6
81377 München



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