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MEDIZIN UND ERNÄHRUNG

Prävention

HPV-Impfung für alle?


Von Annette Immel-Sehr / Mit der Impfung gegen Humane Papillom­viren (HPV) lässt sich das Erkrankungsrisiko für einige Krebsarten erheblich senken. An erster Stelle steht dabei Gebärmutterhalskrebs, doch auch andere bösartige Erkrankungen werden durch HPV ausgelöst. Die Frage ist daher, ob auch Jungen von einer Impfung profitieren würden.

 

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Von den zahlreichen HPV-Typen, die mittlerweile bekannt sind, besitzen einige eine krebsauslösende Wirkung. Insbesondere HPV 16 und 18 sind häufig an der Entstehung von Krebs im Genitalbereich beteiligt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass mehr als 70 Prozent der bösartigen Tumoren des Gebärmutterhalses von HPV 16 oder 18 verursacht wurden. Die Übertragung der Viren erfolgt in erster Linie über sexuellen Kontakt. Schätzungen zufolge infizieren sich etwa 80 Prozent der sexuell aktiven Frauen im Laufe ihres Lebens mit HPV. Welche Faktoren schließlich dazu führen, dass sich aus einer Infektion viele Jahre später tatsächlich eine Krebserkrankung entwickelt, ist bislang nicht geklärt.




Ob eine Impfung gegen HP-Viren auch bei Jungen sinnvoll ist, wird derzeit diskutiert.

Foto: Shutterstock/Africa Studio


Die seit 2007 als Standardimpfung für junge Mädchen empfohlene HPV-Impfung ist mittlerweile gut etabliert, auch wenn die Durchimpfungsrate noch nicht so hoch ist, wie sich die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) dies wünschen würde. Manche Eltern haben grundsätzliche Vorbehalte gegen die Impfung. Andere vergessen, die Impfungen durchführen zu lassen, weil sie mit ihren Töchtern nicht mehr regelmäßig beim Kinderarzt sind.

Effektiver bei Jüngeren

Der Nutzen der Impfung ist am größten, wenn sie vor dem ersten Geschlechtsverkehr und somit vor dem ersten möglichen Kontakt mit den HP-Viren 16 und 18 stattfindet. Derzeit sind zwei HPV-Impfstoffe zugelassen: Ceravix® und Gardasil®. Letzterer ist nicht nur gegen HPV 16 und 18, sondern auch gegen die HPV-Typen 6 und 11 gerichtet, die für die Entwicklung von Genitalwarzen verantwortlich sind. Vermutlich wird die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) in nächster Zeit darüber hinaus einen Impfstoff zulassen, der vor neun potenziell kanzerogenen HPV-Subtypen schützt.

Die STIKO passt ihre Impfempfehlungen immer wieder dem Stand der Forschung an. So änderte sie im August vergangenen Jahres die empfohlene Altersspanne für die HPV-Impfung. Statt wie bisher zwischen 12 und 17 Jahren sollen Mädchen jetzt zwischen 9 bis 14 Jahren geimpft werden. Der Grund: Je früher geimpft wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Mädchen noch nicht mit den Viren infiziert hat. Hinzu kommt, dass jüngere Mädchen offenbar stärker auf die Impfung reagieren, das heißt mehr Antikörper bilden. Somit sind im jüngeren Alter nur zwei statt bisher drei Impfungen erforderlich. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Impfung in fast allen Fällen zu einem wirksamen und lang­anhaltenden Schutz führt. Dennoch sollten geimpfte Frauen nicht auf die jährliche Krebsfrüherkennungs-Untersuchung beim Frauenarzt verzichten. Denn neben den durch den Impfstoff abgedeckten HPV-Typen existieren noch weitere Virentypen, die ebenfalls Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Deswegen sind beide Vorsorgemaßnahmen – die Impfung und die regel­mäßigen Untersuchungen – dringend zu empfehlen. Auch erwachsene Frauen können sich noch gegen HPV impfen lassen, falls sie die Impfung als Kind verpasst haben. Sie profitieren von der Impfung, wenn sie noch nicht mit den Viren infiziert sind.

HPV und seltene Krebsarten

HP-Viren sind nicht nur an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, sondern auch von anderen bösartigen Erkrankungen beteiligt. So ist bekannt, dass HP-Viren seltene Krebsarten verursachen können – im Mundrachenraum, an Scheide und Schamlippen, am Penis und im Analkanal. So stehen beispielsweise 85 Prozent der neu diagnostizierten Fälle des Analkarzinoms in Zusammenhang mit einer HPV-Infektion.

In randomisierten kontrollierten Studien konnte die Wirksamkeit eines Impfstoffs gegen Genitalwarzen und Vorstufen des Analkarzinoms bei Jungen und jungen Männern gezeigt werden gegen. Aus diesem Grund diskutieren Experten über die breite Einführung einer HPV-Impfung für Jungen. Gegenargument ist jedoch vielfach, dass die betreffenden Krebsarten so selten sind. In Deutschland ist zumindest der Impfstoff Gardasil auch für Jungen und Männer zugelassen. Eine Impfempfehlung der STIKO für Männer gibt es nicht, wohl aber empfiehlt eine neue S3-Leitlinie, die federführend von einer Arbeitsgruppe der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e. V. erstellt wurde, alle Jungen ab dem 9. Lebensjahr möglichst frühzeitig gegen HPV zu impfen, um HPV-verursachte Gewebeneubildungen zu verhindern. Ungeachtet dessen müssen Jungen und Männer sowie erwachsene Frauen die Kosten für die Impfung in der Regel selbst tragen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 11/2015

 

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