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BERATUNGSPRAXIS

Wechselwirkungen mit Phenolen

Clioquinol in Basiscreme


Von Andreas Melhorn / Nicht immer gelingt es schnell, Unverträglichkeiten zwischen einzelnen Inhaltsstoffen eines Rezeptur­arzneimittels zu beurteilen. Manchmal weicht die Theorie von der Praxis ab und erst ein zweiter Blick auf verfügbare Informationen ermöglicht die fundierte Beurteilung. So sind beispielsweise Stoffe mit Phenol-Gruppen häufig problematisch, lassen sich in vielen Fällen aber dennoch verarbeiten.

 

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Als die PTA das hier abgebildete Rezept bearbeiten soll, erinnert sie sich an eine Liste, in der Wechselwirkungen zwischen Stoffen mit phenolischen Gruppen und Basiscreme DAC aufgeführt waren, unter anderem auch Clioquinol. Doch welche Liste das war, noch woher sie diese damals hatte, weiß sie nicht mehr. Daher beschließt sie, bei der Plausibilitätsprüfung genau auf mög­liche Wechselwirkungen zu achten. Auf der Webseite des DAC/NRF findet sie zu jeder der drei Substanzen einen Rezepturhinweis.




In der verordneten Rezeptur hat die PTA nur mit dem Clioquinol wenig Erfahrung. Also forscht sie dazu gründlicher nach.

Foto: PZ/Archiv



Basiscreme DAC

Basiscreme DAC ist eine Standardgrundlage, die die PTA schon häufig verarbeitet hat. Sie ist eine nichtionische, hydrophile Creme mit hohem Emulgatoranteil und mit Propylenglycol in der üblichen Konzentration von 20 Prozent bezogen auf die Wasserphase konserviert. Aufgrund ihres amphi­philen Charakters können also sowohl fettige Stoffe eingearbeitet werden als auch Wasser oder wässrige Lösungen. Beim Verdünnen mit Wasser muss aber daran gedacht werden, das Wasser ebenfalls mit 20 Prozent Propylenglycol zu versetzen, damit die Konservierung aufrechterhalten bleibt.

Basiscreme DAC ist inkompatibel mit bestimmten phenolischen Stoffen. Da dazu auch Clioquinol zählt, könnte das bedeuten, dass die PTA die Substanz nicht in dieser Grundlage verarbeiten darf. Selbst wenn sich die Grund­lage bei der Herstellung nicht sichtbar verändert, heißt das nicht automatisch, dass die Creme stabil ist. Zum Teil werden die Unverträglichkeiten erst später oder nur bei Verdünnung der Creme offenkundig.

Triamcinolonacetonid

Triamcinolonacetonid kennt die PTA genauso gut wie Basiscreme DAC, und sie sieht keine Probleme, die Substanz in der vorliegenden Rezeptur zu ver­arbeiten. Der Stoff ist ein lokal wirk­sames Glucocorticoid, das Hautärzte sehr häufig in Rezepturen einsetzen. Hätte der Arzt jedoch statt des Acetonid das reine Triamcinolon verordnet, müsste die PTA mit ihm Rücksprache halten, denn Triamcinolon auf der Haut anzuwenden, ist in der Regel nicht sinnvoll. Üblicherweise kann Triamcinolonacetonid im pH-Bereich von 2 bis 9 verarbeitet werden.

Die vom Arzt gewünschte Konzentration von 0,1 % ist plausibel. Auch das DAC/NRF enthält eine Rezepturvorschrift mit 0,1 % Triamcinolonacetonid in Basiscreme: Hydrophile Triamcino­lonacetonid-Creme 0,025 % / 0,05 % / 0,1 % (NRF 11.38.)

Clioquinol

Mit Clioquinol hat die PTA noch nicht so häufig gearbeitet. Also forscht sie etwas gründlicher nach und findet in der Literatur, dass das Lokalantiseptikum Clioquinol in Konzentrationen von bis zu 10 Prozent eingesetzt werden kann, am gebräuchlichsten sind 2 bis 3 Prozent. Außerdem liest die PTA im Rezepturhinweis, dass es neurotoxische Wirkung entfalten kann, wenn es zu stark resorbiert wird. Darüber hinaus können Hautreizungen bis hin zu Nekrosen auftreten. Aus diesen Gründen wird Clioquinol kleinflächig und bevorzugt in niedrigen Konzentrationen eingesetzt. Wegen der recht hohen Resorp­tion werden Wunden nicht mehr mit Clioquinol behandelt.

Clioquinol ist in vielen verschiedenen Cremes enthalten, häufig in Kombination mit Glucocorticoiden. Der Patient hatte der PTA im Gespräch berichtet, dass der Arzt ihm die Creme gegen einen unangenehmen Hautauschlag am Oberarm verschrieben hat. Die Kombination der Wirkstoffe passt also und die Anwendung geschieht klein­flächig. Unter diesem Aspekt spricht nichts gegen eine Herstellung.

Die Substanz ist in Wasser praktisch nicht löslich, aber in Propylenglycol. Da Basiscreme DAC Propylenglycol als Kon­servierungsmittel enthält, wird der Wirkstoff also nur teilweise gelöst vorliegen. Dennoch beschließt die PTA die Rezeptursubstanz mit Angabe des Zerkleinerungsgrads neu zu bestellen. Generell sollte die Partikelgröße der in Rezepturen zu verarbeitenden Substanzen möglichst klein sein. Sie kann schwer einschätzen, wie die Wirkung des Clioquinols beeinflusst wird, wenn nur ein Teil gelöst ist. Laut Rezeptur­hinweis ist die Verarbeitung ansonsten meist unproblematisch.

Clioquinol färbt die Haut gelb und hinterlässt Flecken in der Kleidung –diese unangenehme Eigenschaft notiert die PTA auf einem Zettel und legt ihn der Bestellung bei. So wird sie daran erinnert, es auf dem Etikett zu vermerken und damit der Patient diesen Hinweis bei der Abgabe der Rezeptur erhält.

Leider findet die PTA bei ihrer Recherche keine eindeutige Aussage darüber, ob Clioquinol in Basiscreme DAC eingearbeitet werden kann oder nicht. Theoretisch könnte es zu Wechselwirkungen zwischen dem phenolischen Clioquinol und bestimmten hydrophilen, nichtionischen Tensiden kommen, wie sie auch in der Basiscreme enthalten sind. Jedoch existiert kein Bericht, der dies bestätigt, eventuell weil der gelöste Anteil von Clioquinol zu gering ist. In der Basiscreme DAC ist dessen Löslichkeit aber durch das enthaltene Propylenglycol etwas höher.




Ob Fertigarzneimittel oder Individual-Rezeptur: Zum Beratungsgespräch gehört neben den Hinweisen zur korrekten Anwendung des Arzneimittels die Frage nach der Indikation. Bei Rezepturen muss die PTA diese Frage noch vor der Anfertigung stellen.

Foto: Superbild


Zum Glück findet die PTA ein Beispiel, das ihr weiterhilft: eine Creme mit Clioquinol und Zinkoxid in Basiscreme DAC als Beispiel für eine Wirkstoffkombination. Wenn das DAC/NRF eine entsprechende Zusammensetzung vorschlägt, sollte die Creme also problemlos herzustellen sein.

Die PTA gibt daraufhin die Begriffe »Clioquinol« und »Basiscreme« in die Suchmaske der DAC/NRF-Webseite ein und schaut schnell die Ergebnisse durch. Eine passende Standardrezeptur im NRF existiert leider nicht. Im Rezepturenfinder entdeckt sie aber dann ein Beispiel mit genau derselben Zusammensetzung wie in der verordneten Rezeptur. Dort ist angegeben, dass die Wirkstoffe kombiniert werden können und die Creme über sechs Monate stabil ist.

Damit sind alle Zweifel ausgeräumt. Die PTA schließt die Plausibi­litätsprüfung ab, erstellt die Herstellungsanweisung und legt sie der Apothekerin zur Freigabe vor. Kurze Zeit später steht die Creme abholbereit im Regal. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 13/2015

 

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