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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Kolanuss

Foto: Schöpke

Vom Friedenssymbol zum Kultgetränk

von Edith Schettler

Schon vor Jahrhunderten erkannten die Einwohner Westafrikas die anregende Wirkung der Kolanuss. Sie war fester Bestandteil zahlreicher Riten und Zeremonien. Von ihrer leistungssteigernden Wirkung profitieren auch heute noch stressgeplagte Menschen.

Der Kolabaum gehört zu den Stinkbaumgewächsen, den Sterculiaceae, einer Unterfamilie der Malvaceae. Der Name Kola ist vermutlich eine Abwandlung der afrikanischen Bezeichnung »Goro« oder »Guru« für die Früchte. Außer »Kola« nennen die Einheimischen den Baum auch Nangoné, Kokkoruku, Makatso oder Gonja. Zurzeit sind etwa 50 Spezies bekannt, manche Quellen sprechen sogar von 125 Unterarten. 

Ursprüngliche Heimat dieser Pflanzen ist der tropische Regenwald Westafrikas zwischen dem Äquator und dem 9. Breitengrad. Dort erreichen sie eine Höhe von bis zu 20 Metern. Die Blätter des immergrünen Baumes stehen wechselständig. Sie sind ledrig glänzend, elliptisch bis eiförmig und werden etwa 10 cm breit und 20 cm lang. Wie viele tropische Gewächse trägt auch der Kolabaum das ganze Jahr über Blüten und Früchte. Die Blüten sind weißlich-gelb und bilden Trugdolden. Die Früchte sind holzige Sammelbalgfrüchte aus je fünf Balgkapseln. Jede Balgkapsel enthält im Inneren einen Embryo mit zwei bis sechs Keimblättern. Diese Keimblätter sind die eigentlichen »Kolanüsse«, obwohl sie im botanischen Sinn keine Nüsse, sondern Samenkerne sind. Insgesamt erntet man mit einer Frucht also durchschnittlich zehn Kolanüsse. Die Samen-kerne enthalten bis zu 3,5 Prozent Coffein, bis 0,1 Prozent Theobromin, Theophyllin, Catechine, etwa 40 Prozent Stärke und 4 Prozent Gerbstoffe, außerdem Eiweiße, Zucker, Fette und Mineralstoffe.

Stimulierende Wirkung der Samen

Mit mehr als 3 Prozent enthält der Samen des Kolabaumes mehr Coffein als Kaffeebohnen, die es nur auf durchschnittlich 1,2 Prozent bringen. Daher wirken der Samen und seine Extrakte sehr anregend auf Körper und Geist. Manche Menschen dürfen keinen Kaffee trinken, weil er ihre Herzfrequenz zu stark erhöht. Für diese sind Kola-haltige Getränke eine Alternative, denn in den Kolasamen liegt das Coffein an Catechingerbstoffe gebunden vor. Dieses sogenannte Colamin wirkt ebenso stark zentral stimulierend wie Coffein, beschleunigt den Herzschlag jedoch nicht so heftig, erhöht den Blutdruck nicht so stark und wirkt weniger diuretisch.

Alle anderen Nebenwirkungen des Colamins ähneln denen des Coffeins: Es kann zu Einschlafstörungen, nervösen Unruhezuständen und Magenbeschwerden führen. Vergiftungserscheinungen nach dem Konsum von Kola-haltigen Getränken oder Extrakten sind so gut wie unmöglich, da die aufgenommenen Mengen hierzu nicht ausreichen.

Alltagsdroge Kola

In ihrer Heimat erfreut sich die Kolanuss seit Jahrhunderten großer Beliebtheit, erscheint das Leben nach ihrem Genuss doch leichter und erträglicher. Beim Kauen setzen die Samenkerne ihre Purinalkaloide Coffein und Theobromin frei und entfalten ihre berauschende Wirkung. Hunger- und Durstgefühle verschwinden, und der Konsument fühlt sich den harten klimatischen Bedingungen der tropischen Regenwälder oder Savannen besser gewachsen. Bei vielen traditionellen Riten der Westafrikaner war daher die Kolanuss von großer Bedeutung. Das gemeinsame Kauen von Kolasamen lässt sich mit dem Rauchen der Friedenspfeife bei indianischen Völkern vergleichen, es galt als Symbol der Verbundenheit. Mit ihrer Hilfe sagten Schamanen die Zukunft voraus, Gastgeber überreichten sie ihren Gästen als Symbol der Gastfreundschaft, mit Kolanüssen zahlte der Ehemann den Preis für seine zukünftige Braut (50 Stück genügten, um eine Frau zu kaufen!). Auch zum Überbringen von Botschaften benutzten die Westafrikaner Kolanüsse: Eine rote Nuss galt als Zusage, eine weiße kam einer Absage gleich.

Obwohl für viele Westafrikaner das Kauen von Kolasamen zum täglichen Leben gehört, ist es wohl eher eine Angewohnheit als eine Sucht, etwa vergleichbar mit dem täglichen Kaffeegenuss. Ein Abhängigkeitspotenzial ist jedenfalls nicht nachgewiesen.

Siegeszug rund um die Welt

Das erste schriftliche Zeugnis in Europa stammt aus dem Jahr 1591: Antonio Pigafetta, der Chronist des portugiesischen Weltumseglers Ferdinand Magellan, erwähnte die Kolanuss in seinem Aufsatz »Über das Königreich Congo«. Der französische Naturforscher Jean-Baptiste de Lamarck (1744 bis 1829) berichtete, dass die Eingeborenen von Sierra Leone Kolanüsse als Münzen und auch als Geschenke verwendeten.

Als Sklavenhändler viele Westafrikaner nach Südamerika oder auf die karibischen Inseln verschleppten, nahmen sie auf ihren Schiffen auch Jungpflanzen des Kolabaumes mit. So gelangte diese Pflanze in andere tropische Regionen. Der Anbau gelang, wenn der Baum Bedingungen vorfand, die seiner natürlichen Umgebung am Heimatort entsprachen, das heißt ausreichende Wassermengen und Temperaturen zwischen 23 und 28 °C.

Als im Jahr 1886 John Pemberton, ein experimentierfreudiger Arzt und Apotheker, im US-Staat Atlanta eine neue Limonade auf den Markt brachte, konnte er noch nicht ahnen, dass sein Kolagetränk einmal in der ganzen Welt begehrt sein sollte. Pemberton hatte seine Fachkenntnisse genutzt, um ein anregendes und erfrischendes Produkt zu kreieren. Nach den passenden Zutaten suchte er auf Gewürzschiffen und experimentierte in seinem Labor auch erfolgreich mit den Samen des Kolabaumes.

Zunächst apothekenexklusiv

Aufgrund einer weiteren Zutat, des Extraktes des Koka-Strauches, erhielt das Erfrischungsgetränk den Namen »Coca-Cola«. Den Fitmacher gab es zunächst in Apotheken als Sirup zum Verdünnen mit Sodawasser zu kaufen. Cocain ist heute nicht mehr enthalten. Trotz strenger Geheimhaltung der genauen Rezeptur wird hinter vorgehaltener Hand erzählt, dass auch der Kola-Extrakt inzwischen durch das billigere Coffein, das beim Entkoffeinieren von Kaffee abfällt, ersetzt worden sein soll. Und der Geschmack soll von künstlichen Aromen stammen.

Die erfolgreiche Vermarktungsstrategie der Coca-Cola®-Company und die Tatsache, dass der Islam zwar den Alkoholkonsum verbietet, nicht aber den von Kola-haltigen Getränken, hat zu einer erhöhten Nachfrage nach den Samenkernen geführt. Das Sammeln der Früchte wild wachsender Bäume reichte bald nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken.

Heute werden zwei von sieben genießbaren Unterarten des Kolabaumes (Cola nitida und Cola acuminata) auf speziellen Plantagen in Westafrika, vor allem im Sudan und in Nigeria, aber auch in Brasilien und Asien gezüchtet. Durch gezielte vegetative Vermehrung sind außerdem Sorten entstanden, die fünffach höhere Erträge als die Wildform liefern.

Kola als Arzneipflanze

Das Wirkprofil der Kolasamen hat die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitamtes im Jahr 1991 dazu bewogen, Colae Semen eine Positiv-Monographie zu erteilen. Sie empfiehlt den therapeutischen Einsatz der Droge bei Erschöpfungszuständen sowie körperlicher und geistiger Ermüdung. Die Anwendung sollte sich auf Personen beschränken, die nicht unter Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren leiden, weil Colamin die Magensäureproduktion anregt. Für Schwangere und Kinder, vor allemKleinkinder, sind Kolasamen oder größere Mengen Kola-haltiger Getränke nicht geeignet.

Das Europäische Arzneibuch führt als Monographie Colae Semen. Die Droge besteht aus den von der Samenschale befreiten, getrockneten Samenkernen. Beim Trocknen verfärben sich diese rotbraun. Handelsübliche Zubereitungen sind zudem das gemahlene Pulver, Extrakte und Tinkturen. Neben der anregenden Wirkung sagt die Volksmedizin den Kolasamen noch weitere Effekte nach: Sie sollen gegen Migräne, Schwangerschaftserbrechen, Durchfälle und Entzündungen helfen sowie das Hunger- und Durstgefühl dämpfen.

Obwohl die in den Samen enthaltenen Gerbstoffe den Einsatz bei Diarrhö rechtfertigen könnten, wird andererseits die Darmperistaltik angeregt, eine Nebenwirkung des Coffeins an der Darmmuskulatur. Auch die Anwendung gegen Migräne geht auf volksmedizinische Erfahrungen zurück; wissenschaftlich belegt und positiv monographiert ist allein die Verwendung bei mentaler und physischer Ermüdung.

Homöopatisch gegen Heißhunger

Etliche Internetapotheken bieten Kolasamen zum Verkauf an und loben sie als appetitdämpfendes und anregendes Mittel zur Schlankheitsdiät (vergleichbar dem Mate-Tee), als Psychostimulans und als Aphrodisiakum. Auch Homöopathen verordnen Kola in verschiedenen Zubereitungen bei Patienten mit hyperaktivem Syndrom (ADHS), bei ADS, Schlafstörungen, Migräne und für Menschen mit ständigem Heißhunger und Hungerattacken.

Wer die Droge einmal selbst probieren möchte: Kolasamen werden aufgebrochen, in Stücke zerteilt, etwa eine Stunde lang gekaut und anschließend ausgespuckt. Sie schmecken bitter-erdig und zum Schluss leicht süßlich, wenn das Coffein fast vollständig extrahiert ist. Die Tagesdosis sollte zwei bis sechs Gramm Kolasamen nicht überschreiten. Und wem diese Prozedur zu mühselig ist, der kann auf Fertigprodukte mit Kola-Extrakt wie Scho-Ka-Kola® zurückgreifen.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
e_schettler(at)freenet.de



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