Ein Magazin der

www.pta-forum.de

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

www.pta-forum.de
Ein Magazin der 
 

BERATUNGSPRAXIS

Plausibilität

Clotrimazol und Säuren in Dermatika-Verordnungen


Von Holger Reimann / Dermatologen werden im Oktoberheft 2015 der Fachzeitschrift »Der Hautarzt« lesen, in bestimmten Fällen sei die Kombination von Clotrimazol mit Salicylsäure oder anderen sauren Komponenten in Rezepturen chemisch ausreichend stabil und plausibel. Vermutlich werden danach entsprechende, nicht standardisierte Verordnungen verstärkt in den Apotheken vorkommen. Diese müssen differenziert beurteilt werden.

 

Anzeige

 


Therapeutisch plausibel ist die Kom­bination von Clotrimazol als Antimykotikum mit Zinkoxid zur Anwendung in Hautfalten, mit Glucocorticoiden bei entzündlichen und mit Harnstoff oder mit Salicylsäure bei schuppenden Mykosen. Bei der Verarbeitung problematisch können allerdings Unverträglichkeiten mit Bestandteilen der Grund­lage und pH-bedingte Zersetzungs­reaktionen werden.

Relativ unkritisch hierbei sind Clo­trimazol-Kombina­tionen mit Zinkoxid oder Harnstoff in Salbengrundlagen und annähernd pH-neutralen Creme- sowie Emulsionsgrundlagen. Wie sieht es allerdings bei den Verordnungen A bis F aus (siehe Kasten)? Kann der Hautarzt in diesen Fällen erwarten, dass die Apotheke das Rezept beliefert?


Verordnungen A - F

A. Clotrimazol, 1-prozentig zugesetzt zu Hydrophiler Prednicarbat-Creme 0,15 % nach NRF-Vorschrift 11.144.

B. Clotrimazol, 1-prozentig zugesetzt zu Hydrophiler Prednicarbat-Creme 0,15 % NRF, zusätzlich kombiniert mit 5 % Salicylsäure

C. Clotrimazol, 1-prozentig zugesetzt zu Wasserhaltiger hydrophiler Salbe DAB mit Sorbinsäure-Konservierung

D. Clotrimazol, 1-prozentig zugesetzt zu Triamcinolonacetonid-Emulsion 0,1 % nach NRF-Vorschrift 11.47.

E. Clotrimazol, 1-prozentig zugesetzt zu Triamcinolonacetonid-Emulsion 0,1 % NRF, zusätzlich kombiniert mit 5 % Salicylsäure,

F. Salicylsäure, 5-prozentig zugesetzt zu Hydrophiler Clotrimazol-Lösung 1 % nach NRF-Vorschrift 11.40.


Im Fall A sind keine Unverträglichkeiten zu erwarten. Clotrimazol ist so schlecht wasserlöslich, dass es den pH-Wert der Grundlage, der mit Propylenglycol und Wasser verdünnten Basiscreme DAC, nicht messbar erhöht. Die Zubereitung reagiert mit etwa pH 5,5 sogar noch schwach sauer. Deshalb besteht auch nicht die Gefahr der raschen basenkatalysierten Hydrolyse des Glucocorticoids. Die Haltbarkeit der Rezeptur kann mit vier Wochen angegeben werden.

Anders sieht es im Fall B aus: Bei der verdünnten Basiscreme DAC kann die Salicylsäure zu Inhomogenitäten führen, möglicherweise infolge der Wechselwirkung der phenolischen Salicylsäure mit der Macrogol-Teilstruktur des Emulgators. Deshalb sollte besser die unverdünnte Basiscreme verwendet werden. Dann liegen beide Wirkstoffe beim vorliegenden pH-Wert von 2,5 immer noch weitgehend suspendiert vor. Der gelöste Clotrimazol-Anteil hydrolysiert jedoch im stark Sauren, sodass die Aufbrauchfrist auf eine Woche bei Raumtemperatur oder auf vier Wochen bei Aufbewahrung im Kühlschrank zu begrenzen ist.

Im Fall C resultiert ein pH-Wert von etwa bis pH 4. Hier besteht bereits das Risiko einer manifesten Inkompatibi­lität zwischen dem anionischen Emulgator und dem teilweise gebildeten Clotrimazol-Kation. Diese Unverträglichkeit würde regelmäßig bei Zusatz von Salicylsäure auftreten, die den pH-Wert erniedrigt und zu stärkerer Protonierung des Clotrimazol führt. Das Risiko lässt sich verringern durch Verwendung einer nicht ganz DAB-konformen, aber ebenfalls vorgefertigt erhältlichen Wasserhaltigen hydrophilen Salbe mit Sorbinsäure-Kaliumsorbat-Konservierung. Dann hat die Zubereitung einen pH-Wert um 4,5. Zu bevorzugen sind aber die Nichtionischen hydrophilen Cremes mit Sorbinsäure-Konservierung nach DAB beziehungsweise mit Sorbinsäure-Kaliumsorbat-Konservierung. Die Aufbrauchfrist bei Raumtemperatur ist für drei Monate belegt.

Die Fälle D und E mit der Hydrophilen Basisemulsion DAC als Grundlage ähneln den Fällen A und B. Ohne Salicylsäure-Zusatz erscheint der Fall D unproblematisch, er lässt einen pH-Wert von etwa 4,5 bis 5 erwarten und die Aufbrauchfrist kann mit vier Wochen angegeben werden. Im Fall E beschädigt dagegen die Salicylsäure die galenische Beschaffenheit der nichtionischen Emulsion. Insofern stellt sich die Frage nach der Haltbarkeit nicht. Als Alternative könnten Clotrimazol und Salicylsäure in Hydrophile Triamcinolonacetonid-Creme 0,1% nach NRF-Vorschrift 11.38. eingearbeitet werden. Grundlage wäre dann keine Emulsion, sondern wiederum Basiscreme DAC.

Im Fall F dürfte der wasserfreie Hautspiritus auf der Basis von 2-Propanol und Macrogol 400 zu ähnlicher Stabilität des Cotrimazols führen wie die geprüfte analoge Grundlage auf der Basis von 2-Propanol und Propylenglycol. Belegt ist für die zweite Vorschrift eine Aufbrauchfrist von einer Woche bei Raumtemperatur, plausibel sind aber auch vier Wochen. In wasserhal­tigen Clotrimazol-Lösungen verläuft dagegen die Hydrolyse so rasch, dass die Aufbewahrung bei Raumtemperatur überhaupt nicht möglich ist. Mit 2-Propanol 70 Prozent DAC als Träger wäre aber zumindest bei Aufbewahrung im Kühlschrank die vierwöchige Aufbrauchfrist belegt.

Insgesamt bestätigt die Unter­suchung, dass Clotrimazol – wie in den »Tabellen für die Rezeptur« gelistet – bei pH-Werten zwischen pH 3,5 und 10 chemisch stabil ist. Soweit das Clotrim­azol praktisch nicht gelöst wird, sind auch noch niedrigere pH-Werte zu akzeptieren. Bei teilweiser oder vollständiger Lösung wird es dagegen im stark sauren Bereich kritisch, soweit die Zubereitung nicht wasserfrei ist. /


Der Beitrag in PZ 38, Clotrimazol und Salicylsäure: Per se instabil?, lässt in Verbindung mit relevanten DAC/NRF-online-Rezepturhinweisen (www.dac-nrf.de) zumindest plau­sible Analogieschlüsse bei Clotrim­azol-Rezepturverschreibungen zu. In der dort publizierten Untersuchung ist das ZL in Kooperation mit dem DAC/NRF den Fragen zur chemischen Stabilität nachgegangen.



Beitrag erschienen in Ausgabe 19/2015

 

Das könnte Sie auch interessieren

 


© 2017 Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH

Seiten-ID: http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=7665