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BERATUNGSPRAXIS

Plausibilitätscheck

Ciclopirox-Clobetasol­-propionat-Lösung


Von Andreas Melhorn / Zur Hilfestellung im Apothekenalltag bieten verschiedene Tabellenwerke praxisrelevante Daten für die Rezeptur. Dort steht zum Beispiel, in welchen pH-Bereichen und mit welchen Konservierungsmitteln bestimmte Wirkstoffe verarbeitet werden können. Manchmal ist allerdings ein zweiter Blick nötig, um endgültig entscheiden zu können, ob eine verordnete Rezeptur plausibel ist oder nicht.

 

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Als die PTA ein Rezept mit folgender Rezepturformel entgegennimmt (siehe Abbildung), erinnert sie sich, dass der rezeptierbare pH-Bereich für Clobetasol-17-propionat zwischen 2 und 5 liegt. Da Ciclopirox-Olamin nicht häufig in Rezepturarzneimitteln verordnet wird, hat sie noch keine Erfahrung mit dessen Verarbeitung. Daher kann sie nicht auf Anhieb sagen, ob das Antimyko­tikum in einem ähnlichen pH-Bereich stabil ist. Also nimmt sie sich zunächst einmal Zeit, um darüber verlässliche Informationen zu erhalten.

Ciclopirox-Olamin

Ciclopirox ist ein Breitspektrumantimykotikum, das sowohl auf der Haut als auch gegen Nagelpilz und bei Vaginalmykosen eingesetzt wird. Des Weiteren wirkt es gegen Bakterien und hemmt Entzündungen. Es wird kaum durch die Haut resorbiert und ist im Allgemeinen gut verträglich.



Bei Hautmykosen, die durch Bakterien superinfiziert wurden, bei seborrhoischem Ekzem und sogar bei rein bakteriellen Hautentzündungen hat sich das Ciclopirox bewährt. Es ist also kein Wunder, dass die Palette an Fertigarzneimitteln mit diesem Wirkstoff breit ist. In Individualrezepturen wird das Antimykotikum am ehesten in Kombi­na­tion mit anderen Wirkstoffen verarbeitet.

Ciclopirox-Olamin reagiert als Salz in Wasser deutlich basisch. Es ist in Wasser zwar wenig löslich, aber besser löslich als Ciclopirox. Beide Substanzen sind lichtempfindlich, Metallionen fördern ihre Zersetzung. Aus diesem Grund sollten die Substanzen bei der Verarbeitung möglichst nicht mit Metallgegenständen in Kontakt kommen, und das fertige Rezepturarzneimittel sollte in lichtgeschützten Verpackungen abgegeben werden. Bei Lösungen bieten sich zum Beispiel Flaschen aus Braunglas an.

Die übliche Wirkstoffkonzentration liegt bei 1 %. Da die Konzentration im vorliegenden Rezept nur 0,5 % beträgt, macht sich die PTA eine Notiz, diesbezüglich beim Arzt nachzufragen. Mehr Sorgen bereitet ihr allerdings die basische Reaktion von Ciclopirox-Olamin in Wasser. Die Kompatibilität zum verordneten Glucocorticoid scheint nicht gegeben zu sein.

Clobetasol-17-propionat

Clobetasol-17-propionat (oder einfach Clobetasolpropionat) ist ein sehr stark wirksames Corticoid für die dermale Anwendung. Es ist der Klasse IV, also den am stärksten wirksamen Glucocorticosteroiden zugeordnet. Aufgrund der starken Wirkung in Salben oder Cremes soll es nur in Ausnahmefällen und nur kurzzeitig angewendet werden. Im Unterschied zum Propionat ist Clobetasol auf der Haut praktisch unwirksam.

In den »Tabellen für die Rezeptur« des DAC/NRF findet die PTA den erwarteten Eintrag, dass Clobetasolpropionat nur in einem pH-Bereich von 2 bis 5 verarbeitet werden kann. In basischem Milieu würde sich das Glucocorticoid zersetzen. Der Eintrag in den »Tabellen« verweist auf die NRF-Rezeptur 11.76: »Hydrophile Clobetasolpropionat-Creme 0,05 %«. Diese Creme wird mit Zitronensäure angesäuert, um den angestrebten pH-Wert zu erreichen. Im Rezepturhinweis »Clobetasolpropionat« von der Webseite des DAC/NRF steht, wie gut sich das Corticoid in unterschiedlichen Lösungsmitteln löst. In der vorliegenden Rezeptur sollte die Löslichkeit ausreichen. Zumindest unter diesem Aspekt sind keine Probleme zu erwarten. Auch die Konzentration von 0,05 % ist plausibel.




Die Plausibilitätsprüfung einer bisher unbekannten Individualrezeptur ist manchmal zeitaufwendig. Auch hier hat sich das »Vier-Augen-Prinzip« bewährt.

Foto: ABDA


Doch immer noch bleibt das Problem mit der basischen Reaktion des Antimykotikums bestehen. Bei ihrer weiteren Recherche findet die PTA den Rezepturhinweis »Ciclopirox-Olamin«, in dem auch der für die Verarbeitung geeignete pH-Wert erwähnt wird. In wasserhaltigen Fertigarzneimitteln – aber ohne Alkoholzusatz – wird das Ciclopirox-Olamin gezielt angesäuert, sodass es als schwer lösliches Ciclopirox ausfällt. Das Rezepturarzneimittel anzusäuern, wäre auch im vorliegenden Fall eine Lösung. Bei entsprechend eingestelltem pH-Wert wäre das Clobetasolpropionat ausreichend stabil. Die Löslichkeit der Wirkstoffe sollte in 70-prozentigem Isopropanol ebenfalls ausreichend hoch sein, sodass das Ciclopirox im vorliegenden Fall in Lösung bleibt. Die PTA überprüft die Angaben für Ciclopirox und findet ihre Vermutung bestätigt. Beide Stoffe lägen also gelöst vor, was die Herstellung erlauben würde. Jeder Hautspiritus sollte möglichst nur gelöste Wirkstoffe enthalten.

Optimaler pH-Wert

Als nächstes stellt sich die Frage, welche Säure die PTA für die vorliegende Rezeptur verwenden kann. Salzsäure ist ungeeignet, weil im erwünschten pH-Bereich bereits kleine Konzentra­tionsänderungen große pH-Wert-Änderungen nach sich ziehen. Essigsäure hätte den Geruch nach Essig zur Folge, wenn der pH-Wert unter 4,5 sinkt. Diesen Geruch könnte der Patient als unangenehm empfinden oder fälsch­licherweise glauben, die Lösung wäre verdorben. Zitronensäure hingegen wäre geeignet und die PTA findet sogar genaue Angaben, mit welchen Mengen bestimmte pH-Werte eingestellt werden können. Für den pH-Wert von 4 ist ein Faktor von 0,6 angegeben. Das bedeutet: Bei 500 mg verarbeitetem Ciclopirox-Olamin müssen 300 mg Zitronensäure zugesetzt werden. Milchsäure wäre laut Rezepturhinweis ebenfalls geeignet. Da die Substanz jedoch extra bestellt werden müsste, beschließt die PTA, diese dem Arzt gar nicht erst vorzuschlagen.

Zur Herstellung notiert sich die PTA, dass sie den Kontakt mit Metallgegenständen vermeiden muss. Sie entscheidet sich also für Becherglas und Glasstab. Sie muss die Zitronensäure in das Lösungsmittel geben, bevor sie die Wirkstoffe hinzufügt. Der Rezepturhinweis rät außerdem, erst das Ciclopirox-Olamin zu lösen und danach das Clo­betasolpropionat hinzu zu geben.

Schriftlicher Weg

Jetzt wendet sich die PTA an den anwesenden Apotheker, um ihm die Ergebnisse ihrer Prüfung mitzuteilen und mit ihm ihre Änderungsvorschläge zu besprechen. Aus Erfahrung wissen beide, dass sich der verschreibende Derma­tologe in der Vergangenheit wenig kooperativ gezeigt hat. Nicht immer verliefen die Telefon­gespräche angenehm. Da der Patient das Arzneimittel erst in drei Tagen abholen möchte, entscheiden sich PTA und Apotheker für den schriftlichen Weg.

In einem kurzen Brief erläutern sie, dass die Normkonzentration für Ciclopirox-Olamin bei 1 % statt bei 0,5 % liegt. Wie immer schreiben sie den Lösungsvorschlag gleich mit dazu, bitten also um Erhöhung der Antimykotikummenge auf 1 Gramm. Obwohl sie die Ansäuerung nicht unbedingt absprechen müssten, erwähnen sie diese Änderung ebenfalls. Sie faxen den Brief in die Praxis und erhalten am nächsten Tag die Erlaubnis für die Änderungen. Das neue Rezept wird in der Praxis abgeholt und die Herstellung kann wie geplant stattfinden. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 21/2015

 

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