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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Königskerze

Balsam für die Atemwege


Von Monika Schulte-Löbbert / Die Königskerze sollte früher als magische Pflanze Haus und Hof vor Unheil schützen. Zudem schätzen die Menschen sie seit der Antike als Heilpflanze. Heute werden ihre getrockneten Blüten bei Katarrhen der Atemwege eingesetzt. Als Bestandteil von Tees lindern sie Hustenreiz und lösen Schleim.

 

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Die Königskerze, mit lateinischem ­Namen Verbascum, gehört zur Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae). Bis auf den kühlen Norden ist sie in ganz Europa, in Kleinasien und Nord­afrika verbreitet. Als Standorte bevorzugt sie sonnige Böschungen, Bahndämme und Schuttplätze mit nährstoffreichen Böden und ist auch ­in Bauern- und Klostergärten zu bewundern.



Die zweijährige Staude bildet im ersten Jahr eine grundständige Rosette aus großen filzig-behaarten Blättern. Erst im nächsten Frühjahr wächst daraus die bis zu zwei Meter hohe Blütenkerze empor. Der wollig behaarte Stängel trägt bei Verbascum phlomoides, der Filz-Königskerze, wechselständige ganz­randige und bei Verbascum densiflorum, der Großblütigen Königskerze, gekerbte ebenfalls weich behaarte Blätter. Von Juni bis September erstrahlen die zahlreichen leuchtend gelben Blüten in ährigen oder traubigen Blütenständen. Die Knospen öffnen sich nacheinander: zunächst am kräftigen Hauptstängel spiralförmig von unten nach oben. Je weiter der Sommer fortschreitet, desto mehr Seitentriebe entstehen. Auch hier öffnen sich die Blüten von der Basis bis zur Spitze. Eine einzige Königskerze kann bis zu tausend Einzelblüten bilden. Obwohl die Pflanze kaum Nektar anbietet, werden ihre Blüten von zahlreichen Insekten besucht. Diese lockt sie mit einem überreichen Pollenangebot an, das sie auch besonders fruchtbar macht. So bildet jede ­Pflanze im Herbst etwa 700 000 Samen.

Als Fackel genutzt

Wie für viele heimische Heilpflanzen beziehen sich auch bei der Königskerze zahlreiche volkstümliche Namen auf ihre äußere Erscheinung oder ihre Verwendung. Wegen ihres dichten Haarfilzes heißt sie »Wollblume« und auch der Gattungsname »Verbascum« (lateinisch barba = der Bart) nimmt Bezug auf die Wollhaare der Pflanze. Der deutsche Name »Königskerze« leitet sich vermutlich davon ab, dass die in Teer oder Harz getauchten Stängel der Pflanze angezündet als Fackel oder Kerze dienten.



Deshalb heißt sie im Volksmund auch Fackelkraut, Brennkraut oder Himmelsbrand. Auf eine mystische Vergangenheit weisen Namen wie »Wetterkerze« oder »Blitz- und Donnerkerze« hin. Während des Mittelalters diente sie als Wetterorakel – und manchen Bergbauern noch heute. Aus dem Blütenstand zu Maria Himmelfahrt, am 15. August, lasen die Menschen ab, wann im folgenden Winter Schnee fiel. Sammelten sich viele Blüten am unteren Ende, war schon im Spätherbst mit einem frühen Wintereinbruch zu rechnen. Blüten in der Mitte bedeuteten Schnee um die Weihnachtszeit. Blüten an der Spitze signalisierten noch Schnee im Frühjahr. Pflanzen, die in Hausnähe wuchsen, sollten vor Blitzschlag und Unwettern schützen. Aristoteles (384–322 v. Chr.) riet den alten Griechen, Königskerzensamen in Fischgewässer zu streuen. Die in den Samen enthaltenen Saponine sollten die Fische betäuben und so den Fang erleichtern.

Jenseits allen Aberglaubens waren die Heilkräfte der Königskerze schon im Altertum bekannt. So verordnete der berühmte griechische Arzt Hippokrates (460–370 v. Chr.) Verbascum-Arten zur Wundbehandlung. Der in römischen Diensten stehende Dioscurides (um 50 n. Chr.) setzte sie bei chronischem Husten ein. Jahrhunderte später empfahl Pfarrer Sebastian Kneipp (1821–1897) chronisch verschnupften Patienten, mit Königskerzentee die Nase zu spülen, um wieder frei durchatmen zu können. In der modernen Phytotherapie dient der Tee aus den Blüten der Königskerze zur Linderung von Hustenreiz und zur Unterstützung der Schleimlösung im Bereich der Atemwege.




Als Arzneidroge erlaubt:Verbascum phlomoides, Verbascum densiflorum, Verbascum thapsus (von links)

Fotos: Thomas Schöpke


Luftdicht aufbewahren

Medizinisch verwendet werden die zur Blütenkrone verwachsenen, getrockneten Blütenblätter mit ihren anhaftenden Staubblättern. Die feine Behaarung der Blütenblätter und die auffallende Behaarung der drei kurz gestielten Staubblätter geben der Droge »Verbasci flos« ein wolliges Aussehen. Die Droge wird überwiegend aus Kul­turen in Ägypten, Bulgarien und Tschechien importiert. Während der Monate Juli bis August werden die Blüten an sonnigen Tagen von den Stängeln gezupft und schnell, aber schonend getrocknet. Anschließend müssen sie in luftdicht geschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden, da sie Wasser anziehen. Eine Schicht aus ungelöschtem Kalk am Boden des Aufbewahrungs­glases nimmt die Luftfeuchtigkeit auf und verhindert, dass sich die empfindlichen Blüten braun färben. Braune Blüten müssen entfernt werden. Die Droge riecht leicht nach Honig und schmeckt schleimig. Zu den Hauptinhaltsstoffen zählen Triterpensaponine und Schleimstoffe, ferner Iridoidglykoside, Flavonoide sowie verschiedene Phenolcarbonsäuren.

Die Qualität der Königskerzenblüten – Wollblumen (Verbasci flos) ist im Europäischen Arzneibuch (Ph.Eur.) festgelegt. Neben der Großblütigen Königskerze (Verbascum densiflorum) dürfen laut Arzneibuch auch die Blüten der Filzigen Königskerze oder Windblumen-Königskerze (Verbascum phlomoides) und der Echten oder Kleinblütigen Königskerze (Verbascum thapsus L.) verwendet werden. Das Arzneibuch fordert etwa 3 Prozent Schleimstoffe, die Quellungszahl soll nach Ph.Eur. mindestens 9 betragen.

Mildes Expektoranz

Für die Wirkung der Wollblumen sind vor allem die Schleimstoffe und die Saponine verantwortlich. Die Schleimstoffe legen sich wie ein schützender Film auf die Schleimhaut in Mund und Rachen. Dadurch beruhigen sie diese und lindern Halsschmerzen ebenso wie trockenen Reizhusten. Die Saponine wirken dagegen sekretolytisch und expektorierend, sie lösen zähes Sekret und erleichtern das Abhusten.




Jede einzelne der Filzigen Königskerzen bildet im Herbst etwa 700 000 Samen, sodass sie sich auf der Wiese schnell ausbreiten.Fotos: Thomas Schöpke

Königskerzenblüten (Wollblumen) werden als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Unterstützung der Schleimlösung im Bereich der Atemwege eingestuft. Auch die Kommission E empfahl sie als mildes Expektorans bei Katarrhen des Respirationstraktes. Die Droge wird überwiegend als Teeaufguss angewendet. Dazu werden etwa 2 Gramm zerschnittene Droge mit 150 ml kochendem Wasser übergossen und nach 10 bis 15 Minuten abgeseiht. Patienten mit Husten oder Bronchitis sollen drei- bis viermal täglich eine Tasse des frisch ­bereiteten Tees trinken. Als wirksame Tagesdosis gelten 3 bis 4 Gramm Droge.Um den Schleim der Droge besser zu nutzen, ist es auch sinnvoll, den Aufguss mit kaltem Wasser anzusetzen, nach zwei Stunden abzuseihen und kurz aufzukochen.

Königskerzenblüten sind gut verträglich. Wegen fehlender Untersuchungen zur Unbedenklichkeit sollten Schwangere und Stillende die Droge nicht anwenden. Auch von der Anwendung gegen Husten bei Kindern unter zwölf Jahren ist abzuraten, da Kinder grundsätzlich in ärztliche Behandlung gehören.




Verbascum thapsus




Verbascum densiflorum




Verbascum phlomoides


Königskerzenblüten sind in einigen wenigen Hustenteemischungen enthalten, zum Beispiel in »Species pectorales (Brusttee)« aus dem DAB 6. Sie werden auch gerne manchen Tees nur als Schmuckdroge beigemischt. Einige Hustensäfte enthalten unter anderem Wollblumenextrakte oder homöopathische Verdünnungen der Droge.

In der Volksheilkunde werden Königskerzenblüten außer als Expektoranz auch als Diuretikum bei Blasen- und Nierenerkrankungen, als Antirheumatikum sowie äußerlich zu Umschlägen bei schlecht heilenden Wunden eingesetzt. /


Der Stimmkräutertrank

In Sänger- und Schauspielerkreisen ist der sogenannte »Stimmkräutertrank« bekannt. Der Trank enthält Königskerze, Fenchel und Biowein nach einer Originalrezeptur der Hildegard von Bingen. Mehrmals am Tag ein Likörglas leicht erwärmt getrunken soll der Kräutertrank der Stimmpflege bei Heiserkeit dienen. Er ist als Fertigpräparat im Handel.



 

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