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BERATUNGSPRAXIS

Selbsttests

Labor für zu Hause


Von Verena Arzbach / Mit einem Selbsttest aus der Apotheke kann man längst nicht mehr nur den Blutzucker messen oder eine Schwangerschaft feststellen, sondern sich selbst auf eine ganze Reihe von Erkrankungen testen. Oft kann eine solche Anwendung sinnvoll sein – aber auch für Verunsicherung sorgen.

 

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Mit Selbsttests aus der Apotheke können Anwender mittlerweile verschiedenste Laboruntersuchungen zu Hause im Wohnzimmer durchführen. Es gibt zum Beispiel Tests auf Glutenunverträglichkeit, auf Eisenmangel, Wechseljahre oder das Bakterium Helicobacter pylori, das Magen-Darm-Beschwerden auslösen kann.




Fast ein Kinderspiel: Auf verschiedenste Erkrankungen kann man sich inzwischen selbst zu Hause testen.

Foto: dpa


Der Markt mit den diagnostischen Selbsttests wächst: Neben Stada Diagnostik, die fünf verschiedene Tests anbieten, hat zum Beispiel auch das Nachrichtenmagazin »Focus« gemeinsam mit zwei Diagnostika-­Herstellern vor drei Jahren eine Reihe verschiedener Selbsttests auf den Markt gebracht. Mit diesen kann man unter anderem prüfen, ob man an ­Diabetes, Grippe oder Blasenentzündung leidet.

Heimtest für HIV

In Frankreich und Großbritannien kann man sich seit dem vergangenen Jahr – in den USA schon seit 2012 – sogar selbst auf HIV testen. Der erste zugelassene, in den USA erhältliche OraQuick® In-Home HIV-Test weist Antikörper gegen das HI-Virus im Speichel des Anwenders nach. Mit einem Teststäbchen wird dazu etwas Speichel aufgenommen und anschließend in ein Teströhrchen mit einer Testlösung gesteckt. Nach einer halben Stunde Wartezeit zeigt der Test – ähnlich wie ein Schwangerschaftstest – an, ob man mit dem Virus infiziert ist. Die anderen HIV-Schnelltests für den Hausgebrauch arbeiten ähnlich, bei manchen wird statt Speichel ein Tropfen Blut benötigt.




Der in den USA erhältliche HIV-Test für den Hausgebrauch zeigt nach einer halben Stunde, ob man sich mit dem Virus infiziert hat.

Foto: dpa


Anwender sollten beachten, dass ein solcher Test im Allgemeinen erst etwa drei Monate nach der Infektion anspricht. Dann bieten die Speichel-Tests allerdings eine recht hohe Sicherheit: Die Sensitivität, also die richtig positive Rate des OraQuick-Tests, beträgt laut der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA 92 Prozent. Das heißt, bei 92 von 100 HIV-Infizierten fällt der Test auch positiv aus. Die Spezifität bezeichnet die richtig negative Rate eines Tests. Sie liegt beim OraQuick In-Home HIV-Test bei 99,98 Prozent, unter 5000 Tests bei nichtinfizierten Menschen wäre also ein Ergebnis falsch ­positiv. Im Fall eines positiven Testergebnisses sollten die Betroffenen in ­jedem Fall ihren Arzt aufsuchen und dort einen weiteren Test durchführen lassen, darauf weist die FDA hin.

In Deutschland sind solche HIV-Heimtests bisher nicht auf dem Markt. Nur Ärzte, ambulante und stationäre Einrichtungen im Gesundheitswesen sowie medizinisch betreute Aidshilfen und Gesundheitsbehörden können HIV-Tests beziehen. Laut der Medizinprodukte-Abgabeverordnung dürfen diese nicht an Privatpersonen abgegeben werden. In Deutschland ist der Nutzen solcher Heimtests umstritten. Befürworter glauben, man könne mit den freiverkäuflichen Test-Kits vor allem die Menschen erreichen, die bisher nicht die konventionellen Testangebote in Anspruch nehmen, zum Beispiel aufgrund von Zeitmangel oder Abneigung gegenüber einem Arztbesuch.


Proben richtig gewinnen

Bei der Anwendung aller Selbsttests ist es wichtig, dass das Proben­material – in der Regel Urin oder Blut – richtig gewonnen wird. Für eine Blut­probe sollte der Anwender zunächst die Hände waschen und gründlich trocknen. Dann sollte er am besten seitlich in das äußerste Fingerglied stechen. Am Finger herumzudrücken, damit sich schneller ein Tropfen bildet, sollte möglichst vermieden werden, denn so kann Gewebswasser in den Blutstropfen gelangen und das Blut so verdünnen.

Soll der Urin untersucht werden, verwendet man am besten den »Mittelstrahl-Harn«. Der erste Teil des ­Urinstrahls wird verworfen und nur der mittlere Anteil in einem Becher aufgefangen. So soll die Verunreinigung der Harnprobe mit Blut oder Bakterien vermieden werden.


Dann ist zu Hause zu testen besser, als gar nicht zu testen, so ihre Argumentation. Denn HIV-positive Menschen, die nichts von ihrer Infektion wissen, geben das Virus womöglich unbewusst weiter. Gegner kritisieren dagegen, dass es während und nach der Durchführung an ärztlicher Beratung fehle. Durch Anwendungsfehler könne es zu Fehldiagnosen kommen, und bei einem positiven Ergebnis muss sich der Anwender mit der Diagnose allein auseinadersetzen.




Nach dem Test zum Arzt: Die Selbsttests liefern Anhaltspunkte, eine Diagnose sollte aber immer der Arzt stellen.

Foto: Your Photo Today


Verunsicherung können allerdings auch eine Reihe anderer Selbsttests fördern, die dem Anwender Hinweise auf schwerwiegende Diagnosen liefern können. Ein Beispiel sind Selbsttests auf okkultes Blut im Stuhl, die bei einem positiven Ergebnis einen mög­lichen frühen Hinweis auf Darmkrebs beziehungsweise seine Vorstufen liefern. Hier gibt es zwei Varianten: Der Guaiak-Test weist Blut in einer Stuhlprobe enzymatisch nach.

Neuere Tests verwenden monoklonale Antikörper, um selektiv den roten Blutfarbstoff Hämoglobin nachzuweisen. Die Kosten eines jährlichen Guajak-Tests werden ab dem 50. Lebensjahr von den Krankenkassen erstattet, die Kosten für den neueren immuno­logischen Test trägt die Kasse (noch) nicht. Dabei sind letztere Studien zufolge empfindl­icher und erkennen Darmkrebsvor­stufen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit. Bei beiden Tests muss bei ­einem positiven Ergebnis anschließend eine Darmspiegelung folgen.

Mit dem Arzt klären

Die Selbsttests können die ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen in keinem Fall ersetzen, darauf weisen Hersteller und verschiedene Fachgesellschaften hin. Die Messwerte könnten aber dabei helfen, mögliche Krankheitsrisiken zu erkennen, heißt es in einer Pressemitteilung der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Aber nicht jeder Test eigne sich für den Einsatz ohne ärztlichen Rat, weil die Interpretation der Testergebnisse für Patienten schwierig ist. Auch bei der Handhabung kann es zu Problemen kommen – hier sollten PTA und Apotheker Kunden Hilfestellung geben (siehe auch Kasten).


Darmkrebsmonat März

Seit 2002 initiiert die Felix-Burda-Stiftung jährlich den bundesweiten Darmkrebsmonat im März. Nach vier Jahren erhält der diesjährige Aktionsmonat ein neues Motto: »Ausreden können tödlich sein«. Hierzu gibt es verschiedene Anzeigen-Motive, Radio-Spots und einen TV-Spot. Neu ist, dass die Stiftung erstmals keine prominenten Testimonials einsetzt, um auf die Darmkrebsvorsorge aufmerksam zu machen. Mehr Infor­mationen sowie Faltblätter und Plakate auf www.felix-burda-stiftung.de.


Die Sicherheit von Selbsttests werde oft überschätzt. »Ist ein Test ­zu 99 Prozent sicher, bedeutet das ­um­gekehrt, dass bei einer von 100 Testpersonen ein falsches Ergebnis angezeigt wird,« heißt es weiter in der ABDA-Presse­meldung. Die Deutsche Zöliakie-­Gesell­schaft (DZG) etwa warnt vor Gluten-Selbsttests für den Haus­gebrauch, die die für Zöliakie typischen Trans­glu­ta­minase-IgA Antikörper nach­weisen sollen. Die Tests könnten zu falsch positiven wie negativen Ergebnissen führen. Die DZG empfiehlt ­daher, bei Verdacht auf eine Glutenunverträglichkeit direkt einen Arzt aufzusuchen.

Nichtsdestotrotz, beim Thema Darm­­krebs können solche Selbsttests einen wichtigen Beitrag zur Vorsorge leisten. Denn Darmkrebs gehört unverändert zu den häufigsten tödlich verlaufenden Krebserkrankungen in Europa. In Deutschland sind jährlich mehr als 70 000 Menschen betroffen. Bei früher Diagnose ist ein Großteil der Darmkrebs-Fälle jedoch heilbar. Darmkrebsvorstufen (Polypen) können im Rahmen einer Darmspiegelung häufig so rechtzeitig entfernt werden, dass die Entstehung von Dickdarm- oder Mastdarmkrebs verhindert wird. Hier ist es ist es also besonders sinnvoll, frühzeitig in puncto Vorsorge aktiv zu werden. /



 

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