Ein Magazin der

www.pta-forum.de

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

www.pta-forum.de
Ein Magazin der 
 

BERATUNGSPRAXIS

Trichloressigsäure

Echt ätzend!


Von Sandra Braun / In der Fachzeitschrift »Der Hautarzt« erschien soeben ein Beitrag über Trichloressigsäure zur Haut- und Schleimhautbehandlung, den vermutlich zahlreiche Dermatologen lesen werden. Daher können in der Apotheke entsprechende, nicht immer standardisierte Verordnungen verstärkt vorkommen und müssen dann differenziert beurteilt werden.

 

Anzeige

 


Trichloressigsäure wirkt eiweißfällend, keratolytisch und ätzend. Als Wirkstoff ist sie in keinem Fertigarzneimittel enthalten, in kosmetischen Mitteln ist ihr Zusatz sogar EU-weit gesetzlich verboten. Will ein Dermatologe die Substanz bei einer bestimmten Indikation einsetzen, wird er in Rezepturen konzentrierte Trichloressigsäure- Lösungen zur lokalen Anwendung verordnen.

Konzentration plausibel?

Erste Missverständnisse können aufgrund der spezifischen Zusammensetzung entstehen. So werden vor allem in US-amerikanischen Publikationen Konzentrationen häufig in Gramm pro 100 Milliliter (Prozent m/V) angegeben und meist noch zur wissenschaftlich nicht ganz korrekten Angabe »%« verkürzt. Solche Angaben werden in Europäischen Ländern dagegen üblicherweise als Massenprozente, also »Prozent (m/m)«, verstanden. Dies führt bei steigenden Trichloressigsäure-Konzentrationen und entsprechend hohen Dichten zu erheblichen Unterschieden. Darüber hinaus sind zahlreiche Lösungen mit unterschiedlichen Konzentrationen im Handel, sodass sich Ärzte und Apotheker auch darüber verständigen müssen.




Die Herstellung von Rezepturen aus ätzenden Ausgangssubstanzen – wie Trichloressigsäure – erfordert besondere Sicherheitsmaßnahmen.

Foto: Boehringer Ingelheim


Das Team des NRF hat Trichloressig­säure-Lösungen auf wässriger Basis bereits über einen weiten Konzentra­tionsbereich standardisiert (siehe Tabelle 1). Für bestimmte Indikationen werden jedoch noch höhere Konzentrationen benötigt, sodass sich die Frage nach der Plausibilität und eventuellen Missverständnissen über die Stärke ergibt. In vielen Beiträgen werden zwar oft »Alkoholische« Trichloressigsäure-Lösungen genannt, aber nicht genau beschrieben, siehe dazu zwei praktikable Vorschläge in Tabelle 1.


Tabelle 1

Trichloressigsäure-Lösung 10 % / 20 % / 35 % / 50 % / 65 % (NRF 11.133.)   
Lösungsmittel: Wasser   
Trichloressigsäure-Lösung 1000 mg/ml   
Trichloressigsäure 70,3g 100,0 g 
Gereinigtes Wasser zu 100,0 g zu 100,0 ml 
Lösungsmittel: Ethanol   
Trichloressigsäure-Lösung 800 mg/ml   
Trichloressigsäure 65,1 g 80,0 g 
Ethanol 90 % (V/V) zu 100,0 g zu 100,0 ml 
Trichloressigsäure-Lösung 900 mg/ml   
Trichloressigsäure 70,8 g 90,0 g 
Ethanol 90 % (V/V) zu 100,0 g zu 100,0 ml 

Bei Vorlage einer Rezeptur mit Trichloressigsäure-Lösung muss also zunächst eindeutig geklärt werden, ob mit »prozentig« eine Konzentration im Sinne der Massenprozente (m/m), wie im DAC/NRF verwendet, oder im Sinne von »Gramm pro 100 Milliliter«, also m/V gemeint ist.




Grafik: Mathias Wosczyna


Die kristalline Trichloressigsäure ist hygroskopisch und zerfließt sehr leicht an der Luft. Sie ist eine starke Säure und in Wasser und Ethanol-Wasser-Gemischen sehr leicht löslich. Der pH-Wert von Trichloressigsäure-Lösungen liegt deshalb nahe bei 0, bei längerem Kontakt wirken die Lösungen korrosiv gegenüber Metallen. Da bei Trichlor­essigsäure-Lösungen etwa bei 81 % (das entspricht 1220 mg/ml) eine Sättigung erreicht ist, gibt es keine »Trichlor­essigsäure-Lösung 100 %«. In Publika­tionen meinen die Autoren damit die etwa 70,3-prozentige Trichloressigsäure-Lösung 1000 mg/ml. Die Aufbrauchfrist aller Trichloressigsäure-Lösungen, egal ob wässrig oder ethanolisch, beträgt 6 Monate. Aufgrund der hohen Azidität und der koagulierenden Wirkung der Trichloressigsäure sind ihre konzentrierten Lösungen nicht mikrobiologisch anfällig und müssen daher auch nicht konserviert werden.

Salicylsäurecollodium

Gegen Hautwarzen soll ein mit Trichlor­essigsäure verstärktes Salicylcollodium helfen. In der in Tabelle 2 genannten Zusammensetzung ergibt sich für das Salicylcollodium forte plus eine Dichte von ungefähr 1,00 g/ml, sodass Masse = Volumen ist. Bei der Herstellung sollte versucht werden, vor Zugabe des Collodiums alle Bestandteile zu einem hohen Anteil zu lösen. /


Tabelle 2

Trichloressigsäure-Salicylsäure-Milchsäure-Collodium  
Trichloressigsäure 20,0 g 
Salicylsäure 20,0 g 
Milchsäure (90 %) 11,1 g 
Raffiniertes Rizinusöl 1,5 g 
Collodium zu 100,0 l 
Aufbrauchfrist: 3 Monate  

Weitere Hinweise


Alles Wissenswerte für PTA und Apotheker steht in den DAC/NRF-Online-Rezepturhinweisen, im DAC/NRF- Rezepturenfinder, in NRF 11.133. sowie im Anhang zu DAC-Anlage J.



Beitrag erschienen in Ausgabe 07/2016

 

Das könnte Sie auch interessieren

 


© 2017 Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH

Seiten-ID: http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=8625