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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Die Geschichte der Rose

Foto: Mies

Bezaubernde Blume mit heilender Kraft

von Annette van Gessel, Vaals

Die Rose ist die Königin unter den Blumen und gilt in vielen Ländern als Symbol der Liebe. Die Menschen sind nicht nur fasziniert von ihrem betörenden Duft, sondern nutzen sie bereits seit alters her wegen der medizinischen Wirkung der getrockneten Blütenblätter und des ätherischen Öls.

Vor allem rote Rosen stehen in der Blumensprache fast aller Kulturen als Zeichen für eine glutvolle Liebe, weiße Rosen hingegen für Reinheit und Unschuld. Das Überreichen einer roten Rose kommt einer Liebeserklärung gleich. "Nur eine einzige Sprache auf der Welt kennt kein Wort für Rose - die Sprache der Eskimos", berichtet Professor Dr. Dr. Dietrich Wabner von der Natural Oils Research Association in München. Wabner gilt als der deutsche Rosenexperte, denn er widmet einen Großteil seiner Arbeit der Bedeutung der Rose in Kultur, Kunst, Magie, Religion und Medizin.

Doch Rosen standen nicht nur für Liebe und Zärtlichkeit, sondern auch für Verderben und Vergänglichkeit. In vielen Sagen und Legenden symbolisieren weiße Rosen den Tod. So trugen die Griechen während der Trauer um Verstorbene Rosen als Symbol der kurzen Dauer des Lebens, das ebenso rasch vergeht, wie eine Rose dahinwelkt.

Rosenkranz und Rosarium

 In vielen Religionen der Welt nimmt die Rose eine Sonderstellung ein. Rosen sollen der Legende zufolge aus den Schweißtropfen Mohammeds entstanden sein. Ein sehr bekanntes christliches Symbol ist der Rosenkranz. "Sein Name stammt aus der Zeit, als die einzelnen Kügelchen noch aus Rosen hergestellt wurden", erklärt Wabner. Dazu wurden die Blütenblätter in einem Mörser zu Brei vermahlen und in getrocknetem Zustand zu Perlen geformt. Diese Perlen wurden anschließend zu einem Kranz aufgereiht. Noch immer dient der Rosenkranz frommen Christen als Gebetshilfe.

In den christlichen Kirchen kommen Rosen auf zahlreichen Gemälden vor, die Maler des Mittelalters schmückten das Haupt der Engel mit Rosenkränzen, da sie damals als Symbol himmlischer Freude galten.

In den Klostergärten des Mittelalters hieß der Teil, der den Rosen gewidmet war, Rosengarten oder Rosarium. Manchmal bezeichnete der Name Rosarium aber auch geheime Sitzungszimmer, in denen Angelegenheiten besprochen wurden, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht waren. So wird auch verständlich, dass verschiedene Geheimbünde aus dem 17. und 18. Jahrhundert wie die Rosenkreuzer ihren Namen und ihre Symbole von der Rose ableiten.

In der bildenden Kunst, der Malerei, der Bildhauerei und auch der Architektur ist die Rose bis heute weltweit unübersehbar vertreten. Die älteste gemalte Darstellung einer Rose befindet sich auf einem Fresco auf der griechischen Insel Kreta im Palast von Knossos, sie stammt etwa aus dem Jahr 4000 v. Chr.

Rosenwasser als Parfüm

"Die Anwendung der Rose in der Schönheitspflege hat ihren Ursprung in der Götterverehrung alter Völker", so Wabner. "Bereits in der Ebus-Schriftrolle aus dem Jahr 1600 v. Chr. sind Duftstoffe aus den getrockneten Blütenblättern der Rose erwähnt." Im indischen und arabischen Raum wurden Rosenprodukte viel häufiger als Duftstoffe und zur Erhaltung der Schönheit eingesetzt als in den westlichen Ländern. Rosenwasser ist eines der frühesten aus Rosen gewonnenen Schönheitsmittel, da es leicht herzustellen war. Man warf die Blütenblätter in von der Sonne erwärmtes Wasser und beließ sie so lange darin, bis das Wasser aromatisch duftete. Ein Bad in Rosenwasser galt als Mittel gegen starkes Schwitzen und garantierte kühle glatte Haut und Schönheit. Außerdem war es schon sehr früh üblich, sich mit Rosenwasser zu parfümieren. Die 6. Ausgabe des Deutschen Arzneibuchs (DAB 6) enthält eine Monographie für Rosenwasser.

Seit über 6000 Jahren nutzen Inder das Parfüm der Himalaja-Rose. Sie destillieren die Rosen mit Wasserdampf und fangen das Destillat in Sandelholzöl auf. Durch starkes Schütteln lösen sie anschließend die Inhaltsstoffe des Hydrolats im Sandelholzöl. Die Ayurveda nutzt dieses "Attar" noch heute als Mittel gegen Melancholie und Depressionen.

Doch auch die Europäer kannten die medizinischen Wirkungen der Rose schon sehr früh. Bereits der römische Schriftsteller Plinius der Ältere (23 bis 79 n. Chr.) schrieb getrockneten Rosensamen Linderung bei Zahnschmerzen und eine harntreibende Wirkung zu. Plinius stellte eine Liste von ungefähr 30 Arzneimitteln zusammen, die aus der Rose gewonnen werden können.

Der griechische Arzt Galen (5. Jahrhundert n. Chr.) empfahl aus der Rose gewonnene Salben gegen Flecken während der Pubertät und Rosenwasser zum Lindern von Schnitten und Verletzungen. Bei den Frauen des nahen Ostens war die Rosensalbe Galens als Gesichts- und Handcreme sehr beliebt. Im 17. Jahrhundert enthielt jede dritte Medizin einen Teil der Rose als Grundstoff, entweder die Blütenblätter, die Rinde, das Holz, die Wurzeln, die gesamten Blütenstände, die Schalen oder die Kerne der Früchte.

Heimat Nordhalbkugel

"Rosen lieben Länder mit gemäßigtem Klima, dort entwickeln sie ihre ganze Pracht", schwärmt Wabner. "Die über hundert Wildrosenarten sind in der nördlichen Hemisphäre seit Jahrtausenden, wenn nicht Jahrmillionen heimisch." Sie wachsen in Grönland und Sibirien, bis hinunter zum Golf von Mexiko, in Burma und China. Auf der südlichen Erdhalbkugel kommen Rosen nur dort vor, wo Menschen sie angepflanzt haben.

Rosa gallica L. ist vermutlich die älteste Rose. Vieles deutet darauf hin, dass sie wie viele andere Kulturpflanzen Europas ursprünglich aus Asien stammt. Diese Wildrose ist ein niedriger buschiger Strauch, die derben dunkelgräulich-grünen Blätter sind meist fünfzählig, die rosaroten bis karmesinroten Blüten werden zwischen 5 und 7 cm groß und sitzen auf langen, dicht drüsigen Stielen, die Kelchblätter sind gefiedert. Die Hauptblütezeit ist der Juni. Ihre reifen Früchte sind kugelig und braunrot. Die Pflanze kommt in lichten, trockenen Wäldern und an Waldrändern in Süd- und im südlichen Mitteleuropa vor.

Wegen ihres außergewöhnlich aromatischen Duftes und ihrer Schönheit wird sie bereits von den Römern gepriesen. Ihren zweiten Namen Apothekerrose verdankt sie der Tatsache, dass sie im Mittelalter von den Apothekern sehr geschätzt wurde. Im Mittelalter wurde die Apothekerrose gegen Kopfschmerzen, Erbrechen, Ruhr und Fieber sowie zur Wundheilung, als Stärkungs- und mildes Abführmittel eingesetzt. Verwendet wurden nicht nur die Blüten und die Früchte, sondern auch die Blätter, das Holz, die Rinde und sogar die Wurzeln.

Rose mit hundert Blättern

Rosa x centifolia L., die hundertblättrige Rose, ist eine Hybride von Rosa gallica. Sie wird seit dem 17. Jahrhundert kultiviert und auch Provence-Rose genannt. Rosa centifolia ist ein niedriger Strauch mit weiten Ausläufern. Die oberirdischen, verzweigtenTriebe wachsen aufrecht und werden etwa 0,5 m, selten bis zu 1 m hoch. Die Laubblätter sind meist fünf-, selten dreizählig. Die Blüten stehen meist einzeln, seltener zu zweit oder zu dritt auf 2 bis 3 cm langen, dicht-drüsigen Blütenstielen. Die rosa bis purpurfarbenen, samtigen Kronblätter sind etwa 2 bis 3 cm lang und ebenso breit. Die reifen Früchte sind braunrot gefärbt. Die Pflanze stammt wahrscheinlich aus dem Iran und wird weltweit kultiviert. Der Anbau erfolgt heute hauptsächlich in Frankreich, Italien und Marokko.

Zwei Arten liefern Arzneidroge

Die Rosenblütenblätter (Rosae flos) der Monographie des Deutschen Arzneimittel Codex (DAC) bestehen aus den vor dem völligen Aufblühen gesammelten, getrockneten, ganzen oder geschnitter Rosa centifolia L.. Die frischen Blütenblätter enthalten etwa 0,2 Prozent ätherisches Öl, dessen Hauptkomponenten das Citronellol mit 20 bis 55 Prozent ist, das Geraniol ist zu 15 bis 40 Prozent enthalten, das Nerol zu 5 bis 7 Prozent, Phenylethanol zu 1 bis 15 Prozent, weiterhin unter anderem Linalool und Citral, außerdem 10 bis 25 Prozent Gerbstoffe und oligomere Proanthocyanidine. Geruchsbestimmend sind die in Spuren enthaltenen Rosenketone.

Die Kommission E bewertete die therapeutische Anwendung der Droge bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut als positiv. Die der Droge zugeschriebene adstringierende Wirkung könnte durch den Gerbstoffgehalt erklärt werden. Untersuchungen hierzu liegen jedoch nicht vor. Risiken bei der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge und Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

Adstringierende Wirkung nutzen

Zubereitungen aus Rosenblüten eignen sich nicht nur zur Behandlung von leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, auf Grund ihrer adstringierenden Wirkung sollen sie auch bei unkomplizierten Wunden, Entzündungen der Augenlider und vermehrter Schweißneigung helfen. Für einen Tee werden 1 bis 2 Gramm Blütenblätter mit 200 Milliliter Wasser aufgegossen und täglich bis zu drei Tassen getrunken. Dieser Aufguss eignet sich auch für Spülungen und Waschungen.

Die Volksmedizin verwendet Rosenblüten innerlich bei Durchfall, Lungentuberkulose, Lungenkatarrhen und Asthma, bei Blutungen und Weißfluss. Äußerlich bei Mund- und Rachenschleimhautentzündungen, schwammigen Wunden, Lidrandentzündungen und Aphten.

Balkanländer als Hauptlieferanten

Die Erfindung der Wasserdampfdestillation zur Gewinnung des Rosenöls aus den Blütenblättern förderte den Rosenanbau. Im 17. Jahrhundert legten die Türken in den Balkanländern große Rosengärten an. Ätherisches Öl höchster Qualität wird aus Rosa damascena und Rosa x centifolia gewonnen. Auch die Damaszener Rose, Rosa x damascena Mill., stammt von der Rosa gallica ab. Um ein Öl besonders hoher Güte zu erhalten, werden ihre roséfarbenen Blütenblätter von Mai bis Ende Juni frühmorgens per Hand geerntet. Die Damaszener Rose wird hauptsächlich in Bulgarien und der Türkei angebaut.

Für die Gewinnung des ätherischen Öls werden Rosen mit buschigem Wuchs und kleinen, rosafarbenen Blüten bevorzugt. Die Ausbeute ist äußerst gering. Für 1 kg Rosenöl werden je nach Anbauland zwischen 3000 und 5000 kg Rosenblüten benötigt, die in etwa 800 Stunden geerntet werden. Da der Preis sehr hoch ist, sind Verfälschungen mit billigem Geranienöl nicht selten.

Öl als Geschmackskorrigens

 Rosenöl (Rosae aetheroleum) wirkt entzündungshemmend und bakterizid. Eine Monographie für Rosenöl enthält die sechste Ausgabe des deutschen Arzneibuchs (DAB 6). Rosenöl wird heute vor allem als Geruchs- und Geschmackskorrigenz für Arzneimittel, in Backwaren sowie in der Parfüm- und Kosmetikindustrie gebraucht.

"Kein einziges Parfüm enthält heute nicht mindestens einen kleinen Anteil an Rosenöl, das seinen Duft verstärkt", so Wabner. Ein für Frankfurt am Main typisches Gebäck sind Bethmännchen, die ihr feines Aroma dem Zusatz von Rosenwasser verdanken. Ihre Entstehungsgeschichte und das Rezept enthält der Kasten.



Frankfurter Bethmännchen

Bethmännchen sind eine süße Weihnachtszeit-Spezialität aus Frankfurt am Main. Die Pralinen bestehen aus Marzipankugeln, an die drei Mandelhälften gedrückt werden. Nach dem Backen kommt eine Zuckerglasur mit Rosenwasser darüber. Bethmännchen wurden nach einem Rezept der Familie Bethmann aus Frankfurt benannt. Vater war der Frankfurter Stadtrat Simon Moritz von Bethmann. Die Mutter drückte für jeden der vier Söhne eine Mandelhälfte in die Teigkugeln. 1845 starb ein Sohn. Danach wurden die Bethmännchen nur noch mit drei Mandelhälften verziert.

 

Rezept für 30 Pralinen


Marzipanteig:
250 g Marzipanrohmasse, 60 g Puderzucker, ein Eiweiß, 30 g Mehl, circa 45 Stück (50 g) geschälte ganze Mandeln, die halbiert werden müssen.


Glasur: 3 Esslöffel Zucker, 3 Esslöffel Rosenwasser


Zubereitung: Marzipanrohmasse, Puderzucker, Eiweiß und Mehl verkneten. Eine Rolle formen und in circa 30 Stücke teilen. Mit feuchten Händen die Stücke zu Kugeln rollen. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech setzen. Mandeln halbieren und drei halbe Mandeln seitlich an die Kugeln andrücken. Im vorgeheizten Backofen bei 150 Grad (normal), 130 Grad (Umluft) oder Stufe 1 (Gas) circa 20 Minuten backen. Zucker mit dem Rosenwasser aufkochen und die Bethmännchen sofort nach dem Backen damit bepinseln.

 



Das Anwendungsspektrum der Rose in der Aromatherapie ist sehr breit gefächert. Ihr Hauptcharakteristikum ist jedoch ihre harmonisierende Wirkung auf die Seele. "Rosenduft setzt im limbischen System körpereigene Opiate fürs Wohlfühlen frei", erklärt Wabner. In der Aromatherapie wird Rosenöl daher unter anderem wegen seiner beruhigenden, antidepressiven und entzündungshemmenden Wirkungen genutzt. Kosmetika mit Rosenöl in Verdünnung mit fettem Öl eignen sich für alle Hauttypen, besonders aber bei spröder und zu Entzündung neigender Haut.



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