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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Adonisröschen

Foto: Schöpke

Giftige Steppenschönheit

von Monika Schulte-Löbbert

Der Name des Frühlings-Adonisröschens verweist auf den schönen Jüngling aus der griechischen Mythologie. Als Heilpflanze wurde die sehr giftige Pflanze erst in der frühen Neuzeit bekannt. Derzeit findet sie Anwendung in einigen Herz- und Kreislaufmitteln.

Die Heimat des Frühlings-Adonisröschens ist Sibirien und das Altaigebirge in Mittelasien. Noch heute liegt sein Hauptverbreitungsgebiet in der westasiatischen, südsibirischen Steppe. In Mitteleuropa hat sich die äußerst seltene Pflanze erst nach der letzten Eiszeit ausgebreitet und zwar entlang der Flussläufe von Weichsel, Oder und Warthe. Das Frühlings-Adonisröschen liebt Trocken- und Halbtrockenrasen, sonnige Hänge und lichte Kiefernwälder mit lockerem, sandigem und kalkhaltigem Lehm- oder Lössboden. In Deutschland kommt es nur vereinzelt vor, beispielsweise in der Garchinger Heide in Oberbayern, in Thüringen und in Brandenburg. Besonders die Mergelhänge der mittleren Oder ziehen im Frühjahr tausende Naturfreunde an, die sich am Zauber der goldgelben Blüten erfreuen.

Das Frühlings-Adonisröschen, (Adonis vernalis L.), gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Um seine Entstehungsgeschichte rankt sich eine hübsche Legende: Danach verwandelte sich der auf Adonis eifersüchtige Gott der Unterwelt Ares in einen Eber und verletzte den schönen Jüngling bei der Jagd tödlich. Adonis stirbt in den Armen der geliebten Aphrodite. Der Sage nach vermischten sich die Tränen der Aphrodite mit dem Blut des Adonis und tropften auf die Erde. Genau an dieser Stelle soll das Adonisröschen gewachsen sein.

Der lateinische Artname »vernalis« des Frühlings-Adonisröschens bedeutet »im Frühling blühend« und verweist auf die Blütezeit. Andere volkstümliche Bezeichnungen sind Teufelsauge, Sonnenrös-chen, böhmische und falsche Nieswurz.

Die mehrjährige Pflanze treibt im zeitigen Frühjahr zunächst violett-grün bereifte Knospen, die im Winterlaub kaum auffallen. Mit den wärmenden Sonnenstrahlen öffnen sich oft schon Ende März die ersten Blüten. Zur Hauptblütezeit Mitte April überziehen dann die großen Blüten mit ihren 10 bis 20 sattgelben Kronblättern einzelne Bereiche der Hänge. Nur bei Sonnenschein öffnen sie sich vollständig und zeigen ihre zahlreichen gelben Staubgefäße. Unter den etwa 30 Adonis-Arten blühen wenige nicht gelb, sondern rot. Aufgrund seiner blutroten Blütenfarbe fällt das Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis) besonders auf.

Die ausdauernde krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen von nur 10 bis 40 Zentimetern. Die meist unverzweigten Stängel sind aufrecht und tragen sitzende, fein gefiederte Laubblätter. Wie bei vielen ursprünglichen Steppenpflanzen ist das Wurzelsystem des Adonisröschens weit verzweigt und reicht bis zu einem Meter in die Tiefe. Der kugelige Fruchtstand besteht aus dicht gedrängten, weiß behaarten Nüsschen, die maximal fünf Millimeter lang werden. Meist sorgen Ameisen für die Verbreitung der eiförmigen Samen. 

Die Pflanze braucht nur wenige Nährstoffe, aber sehr viel Licht. Viele ihrer Standorte wurden durch Kultivierungsmaßnahmen vernichtet, wodurch ihr Bestand in Zentraleuropa stark gefährdet ist. Deshalb stehen sowohl die ober- als auch die unterirdischen Teile von Adonis vernalis in Deutschland unter Naturschutz.

Für die Bewahrung des Naturschutzgebietes »Oderhänge Mallnow« in Brandenburg setzt sich unter anderem der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) ein. Indem der NABU die Weideflächen an Schäfer verpachtet, will er die wertvollen Blütenhänge erhalten. Da Schafe und andere Weidetiere die giftigen Adonisröschen nicht fressen, bleiben die Triebbüschel auf der beweideten Fläche stehen.

Wegen seines hübschen Aussehens unterschätzen Laien häufig die Giftigkeit von Adonis vernalis, das Toxikologen als »stark giftig« einstufen. Bereits Mengen über zwei Gramm der Blätter sind giftig. Doch die enthaltenen stark wirksamen Herzglykoside sind ausgesprochen schlecht resorbierbar. Daher sind Vergiftungen bei peroraler Aufnahme kaum zu erwarten.

Schon in der Antike bekannt

Bereits der berühmteste Arzt des Altertums Hippokrates (460 bis 370 v. Chr.) verwendete das Adonisröschen bei Wassersucht, auch der römische Gelehrte Plinius (23 bis 79 n. Chr.) erwähnt es in seinen Schriften. In Mitteleuropa entdeckte Hieronymus Bock (1498 bis 1544) im 16. Jahrhundert Adonis vernalis als Heilpflanze und setzte den Samen gegen Koliken und Steinleiden ein. Er nannte sie jedoch fälschlicherweise »Schwarz Nieswurz«. Auch die Giftwirkung war Bock damals schon bekannt: »…und so ihemandts Nieswurz zuvil gessen oder eingenommen hette/ der laß ihm auff stund ein warme Geißmilch bringen/… / damit das Gifft dieser wurzel gedempft werde/…« Der Irrtum Bocks wurde bald aufgedeckt, und der italienische Arzt und Botaniker Pietro Andrea Mattioli (1501 bis 1577) bezeichnete die Pflanze als Pseudo-Helleborus. Erst der schwedische Naturforscher und Arzt Carl von Linné (1707 bis 1778) ordnete das Frühlings-Adonisröschen richtig in die Familie der Hahnenfußgewächse ein.

In der Volksmedizin galt das Adonisröschen als Heilmittel gegen Gicht, Wassersucht, Stein- und Nierenleiden. Die Wirkung auf das Herz wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts erkannt. Im 20. Jahrhundert analysierten Wissenschaftler schließlich die Inhaltsstoffe und identifizierten sie als herzwirksame Glykoside.

Adonis vernalis enthält als Hauptkomponente 0,2 bis 0,8 Prozent herzwirksame Glykoside vom Typ der Cardenolide, insgesamt mindestens 27 verschiedene Glykoside. Das Hauptglykosid Adonitoxin ist isomer mit Convallatoxin, ferner K-Strophantin und Strophantidin. Daneben ist das Cymarin als Leitglykosid bedeutungsvoll. Außerdem enthält die Droge etwa 1 Prozent Flavonoide. Die Aglykone der Cardenolide sind strukturell mit den Strophanthinen verwandt. Deshalb entspricht die Wirksamkeit des Adoniskrauts am ehesten Strophantus, das heißt, die Resorptionsquote und die Gefahr der Kumulation der Glykoside ist gering.

Das Deutsche Arzneibuch (DAB 2008) führt neben der Monographie »Adoniskraut – Adonidis herba« noch die Monographie »Eingestelltes Adonispulver – Adonidis pulvis normatus«. Die Droge sind die zur Blütezeit gesammelten, oberirdischen Teilen von Adonis vernalis L. Das Erntegut stammt aus Wildbeständen südosteuropäischer Länder, deren Wirkstoffzusammensetzung allerdings starken Schwankungen unterliegt. Eingestelltes Adonispulver besteht aus pulverisiertem Adoniskraut mit etwa 0,25 Prozent Cardenolidglykosiden, die auf ein Äquivalent von 0,2 Prozent Cymarin eingestellt werden. Falls nötig, wird der vom Arzneibuch geforderte Prozentgehalt des Pulvers durch Verschneiden mit Adoniskraut von niedrigerem oder höherem Wirkwert erreicht.

Empfohlene Dosis beachten

Verschreibt ein Arzt Adoniskraut, müssen PTA oder Apotheker, wenn aus der Verordnung nichts anderes hervorgeht, Eingestelltes Adonispulver verwenden. Die höchste Tagesdosis beträgt 3 g, die höchste Einzelgabe 1 g Eingestelltes Pulver. Die Reindroge sowie das Eingestellte Adonispulver des DAB 8 werden praktisch nicht mehr verwendet. Die in der Droge enthaltenen herzwirksamen Cardenolidglykoside wirken positiv inotrop und im Tierversuch auch venentonisierend. Sie verstärken die Kontraktionskraft des Herzmuskels, ohne die Pulsfrequenz zu steigern.

Die Kommission E bewertete Adonis vernalis in ihrer Monographie aus dem Jahr 1988 mit Berichtigung von 1990 positiv. Sie empfahl die Anwendung der Droge bei leicht eingeschränkter Herzleistung, besonders bei nervöser Begleitsymptomatik. Adonis vernalis kann damit bei Herzinsuffizienz leichten Grades und bei nervösen Unruhezuständen durch funktionelle Herzbeschwerden verwendet werden. Zur Pharmakokinetik der Droge und ihrer Inhaltsstoffe liegen bislang keine verlässlichen Daten vor. Außerdem ist die therapeutische Breite der Herzglykoside so gering, dass Überdosierungen schnell zu Vergiftungen führen können.

Bei bestimmungsgemäßer Anwendung sind keine Nebenwirkungen bekannt. Die gleichzeitige Behandlung mit Medikamenten, die den Elektrolythaushalt beeinflussen, kann zu gefährlichen Wechselwirkungen führen. Überdosierungen äußern sich zunächst in Übelkeit, Durchfall, Schwindel, Störungen des Farbensehens und raschem Puls. Schwere Vergiftungen führen nach anfänglicher Blutdrucksteigerung zum Blutdruckabfall und dann zu Herzrhythmusstörungen. Der Tod tritt schließlich durch Kammerflimmern ein.

Schwangere, Stillende und Kinder, ebenso Patienten, die Arzneimittel mit Herzglykosiden einnehmen, dürfen keine Präparate mit Adonis nehmen. Auch bei Patienten mit Hypercalcämie und Hypokaliämie ist Adonis kontraindiziert.

Mit dem Arzt sprechen

Da auch die leichte Herzinsuffizienz eine ernste Erkrankung ist, sollte vor einer Selbstmedikation mit Adonis unbedingt ein Arzt die Beschwerden abklären. Als Einzeldroge wird Adonis vernalis nicht in rezeptfreien Phytopharmaka eingesetzt. Das einzige Kombinationpräparat Miroton® ist inzwischen außer Vertrieb.

Die Homöopathen verwenden allerdings noch die frischen, zur Blütezeit geernteten, oberirdischen Teile von Adonis vernalis L.. Wie in der Allopathie gelten Herzschwäche und nervöses Herz als Anwendungsgebiete. Die homöopathischen Kombinationspräparate Angioton® H, Convallocor Herztropfen N und Truw® Gold Herztabletten enthalten Adonis vernalis in verschiedenen Potenzen und kombiniert mit zum Beispiel Urtinktur oder Potenzen aus Weißdorn, Maiglöckchen oder Meerzwiebel. Die Verwendung des im HAB aufgeführten »Adonis vernalis ferm 33d« erfolgt in der anthroposophischen Medizin mit den gleichen Indikationen wie Adonis vernalis, zum Beispiel Scilla comp.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
schulte-loebbert(at)t-online.de



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