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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Sägepalme

Foto: Sertürner

Kleine Palme hilft großer Prostata

von Ulrich Meyer, Berlin

Als "Fürsten des Pflanzenreiches" erschienen dem schwedischen Botaniker Carl von Linné (1707-1778) die Palmen. Meist hoch gewachsen und von stattlichen Blattschöpfen gekrönt, ist ihnen eine majestätische Wirkung wahrlich nicht abzusprechen. Zu imposanter Größe im äußerlichen Sinne vermag sich die Zwerg-Sägepalme Serenoa repens indessen nicht aufzuschwingen. Ihre "Größe" liegt auf therapeutischem Gebiet: Sie spielt heute eine führende Rolle in der Phytotherapie der Prostatahyperplasie. 

Die Sägepalme stammt aus den südatlantischen Staaten der USA. Im Unterholz küstennaher Wälder von South Carolina, Missisippi und vor allem Florida ist sie in oft großen Kolonien anzutreffen. Deshalb bildeten die Staatsmänner Floridas sogar die Sägepalme neben einer hochstämmigen Verwandten in ihrem Staatswappen ab.

Die Palme hat keinen echten Stamm, sondern basiert auf einem kriechenden Rhizom, dem 18- bis 24-fach segmentierte Blätter entspringen. Die durchaus dekorativen Sägepalm-"Büsche" wurden Anfang des 20. Jahrhunderts an der Côte d' Azur und anderen Baderegionen des Mittelmeeres kultiviert. An einem sonnigen Standort fühlen sie sich auch in Pflanzkübeln durchaus wohl. Um bei dem ungewöhnlich niedrigen Wuchs ungebetene Gäste fernhalten zu können, hat die Palme ihre Blattstängel mit zahlreichen Stacheln versehen. Darauf spielt auch der alte lateinische Name Sabal serrulata (= gesägt) an.

Homöopathen entdecken die Heilkräfte

Die Sabal-Früchte fanden schon in der indianischen Volksmedizin sporadisch Verwendung, ohne dass man ihre Wirkung bei Prostatahyperplasie entdeckt hätte. Das mag damit zusammenhängen, dass dieses typische Altersleiden des Mannes bei den Eingeborenen wohl nicht allzu häufig gewesen sein dürfte. Wahrscheinlich war ihre Lebenserwartung nicht hoch. In den Jahren nach 1890 führten dann drei US-amerikanische Homöopathen Arzneimittelprüfungen mit Sabal-Früchten durch und stellten fest, dass sich mit der Droge Miktionsbeschwerden, Restharnbildung und häufiger Harndrang bessern ließen. Fortan hatten Sabal-Urtinkturen einen festen Platz in der homöopathischen Therapie der Prostata-Hyperplasie; breitere Anerkennung fand diese Behandlung jedoch nie.

Sabalfrüchte erleichtern das Wasserlassen

Erst 1986 kam in der Bundesrepublik das erste phytotherapeutische Monopräparat aus Sabal-Früchten in den Handel. Seitdem begann in den urologischen Praxen ein wahrer "Siegeszug" der Sägepalme. Dazu lieferten Forscher etliche klinische Studien im Doppelblind-Design. Die Monographie der Kommission E nennt als Indikation: Miktionsbeschwerden bei gutartiger Prostata-Vergrößerung im Stadium I und II. Auf Fertigpräparaten findet sich deshalb auch der Hinweis: "Dieses Medikament bessert nur die Beschwerden bei einer vergrößerten Prostata, ohne die Vergrößerung zu beheben."

Die Palme vermochte sich nicht nur gegenüber anderen pflanzlichen Prostata-Mitteln wie Brennnesselwurzeln, Kürbissamen und Roggenpollen durchzusetzen, sondern konnte auch nach der Einführung der Alpha-Blocker Doxazosin, Terazosin und Alfuzosin und des Testosteron-Reduktase-Hemmers Finasterid ihren Stellenwert behaupten. Zum Einsatz kommen heute vornehmlich hochdosierte lipophile Extrakte, die reich an Fettsäuren, Fettalkoholen und Phythosterolen, zum Beispiel dem b-Sitosterol, sind. Den Inhaltsstoffen werden mehrere, sich ergänzende Wirkungen zugeschrieben: Sie hemmen die Umwandlung von Testosteron in das für das Prostata-Wachstum notwendige Dihydrotestosteron (DHT); daneben fördern sie auch den Abbau von DHT. Zudem wird die Prostata-Muskulatur relaxiert, und so der Harnfluss erleichtert. Schließlich bessern Sabal-Inhaltsstoffe über eine Hemmung von Cyclooxygenase und Lipoxygenase auch entzündlich-irritative Veränderungen des Prostata-Gewebes.

Urologische Untersuchung unumgänglich

Bei hochdosierten Extrakten erwies sich eine einmal tägliche Gabe als ausreichend, was bei den oft älteren Herren, die meist schon zahlreiche Arzneimittel einnehmen müssen, natürlich einen großen Compliance-Vorteil darstellt. Die Tageszeit der Einnahme ist gleichgültig, sie sollte jedoch regelmäßig zum einmal gewählten Termin erfolgen. Als Nebenwirkung sind selten auftretende Magenbeschwerden zu nennen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wurden bislang nicht beobachtet. Die Selbstmedikation mit Sabal erscheint somit von der rein medikamentösen Seite her als unproblematisch, doch sollte in jedem Falle eine Kontrolle durch den Urologen erfolgen. Zum einen muss ein akuter Harnstau mit Nierenschädigung vermieden werden, zum anderen ist auszuschließen, dass sich im Schatten der Hyperplasie unentdeckt ein Prostata-Karzinom entwickelt. Hier ist die sorgfältige fachärztliche Untersuchung unumgänglich!

Die Behandlung der Prostatahyperplasie mit Sabal-Extrakten findet inzwischen auch in dem Heimatland der Palme, den USA, wachsende Beachtung. Dies ist um so bemerkenswerter, als man dort der Phytotherapie noch immer sehr skeptisch begegnet. Ob sich das Florida-Staatswappen noch zum Gütesiegel für phytopharmazeutisch hochwertige Sabal-Präparate entwickelt?

Anschrift des Verfassers:
Dr. Ulrich Meyer
Hauptstraße 15
10827 Berlin



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