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BERATUNGSPRAXIS

DAC/NRF-Ergänzung 2016/1

Von Cannabis bis Sotalol


Von Antje Lein / Neben neuen DAC-Monographien enthält die DAC/NRF-Ergänzungslieferung Verfahren zur Herstellung und Prüfung eines bekannten Kapselfüllmittels in geänderter Zusammensetzung und eine neue Rezepturvorschrift für die Pädiatrie. Zudem wurden die Tabellen für die Rezeptur optisch wie inhaltlich überarbeitet.

 

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Qualitätsgesicherter Wandel – ja, selbstverständlich! Mit dieser Aussage bezieht sich das Vorwort zur DAC/NRF-Ergänzung 2016/1 vor allem auf die Veränderungen im Umgang mit der therapeutischen Anwendung des Medizinalhanfs, für die es gilt, Qua­litätsnormen für die Ausgangsstoffe und Zubereitungen festzulegen. Die neue DAC-Monographie Cannabis­blüten (C-053) bildet hierfür die Basis. Ergänzt wird sie durch eine Prüfanweisung zur Alternativen Identifizierung. Eine weitere Prüfmonographie ist für Octenidindihydrochlorid (O-003) veröffentlicht. Das moderne Antiseptikum ist beispielsweise eine geeignete Alternative für das besonders in der Kinderdermatologie problematische Triclosan. Ein Blick lohnt sich auch in die Allgemeinen Vorschriften, vor allem auf die Begriffsdefinitionen, etwa im Zusammenhang mit dem richtigen Einsatz des Wasserbades bei der Prüfung und Arzneimittelherstellung.




Ausgewählte Ganz- und Schnittdrogenteile der Cannabisblüte: Rispenstücke (A), Trägerblätter (B), Blütenstandstücke (C), Blütenstandstiele (D), Blüten (E) und Griffel mit Narbenästen (F)

Kapseln sind die bevorzugte Arzneiform für Wirkstoffe in niedriger Dosis, die Säuglinge, Kleinkinder und Kinder erhalten sollen. Da diese Patienten die Kapseln nicht im Ganzen schlucken, handelt es sich im strengen Sinn um abgeteilte Pulver, deren Inhalt vor der Gabe ausgefüllt wird. Die Herstellung solcher niedrig dosierter Pulver ist im Hinblick auf Mischungsgüte und Wirkstoffgehalt eine Herausforderung. Vor allem die etablierten volumenbasierten Verfahren gelten als verlustan­fällig. Verluste zu minimieren, kann mit einer massenbasierten Herstellungsmethode gelingen, deren Standardisierung in der nächsten Zeit bei DAC/NRF im Mittelpunkt stehen wird. Die Grundlage dieses Verfahrens bildet ein standardisiertes Kapselfüllmittel mit weitgehend unveränderlicher Schüttdichte. Das gibt es im Prinzip schon. Es besteht aus Mannitol und dem Hochdispersen Siliciumdioxid als Fließregulierungsmittel. In der NRF-Stammzubereitung S.38. war es bisher mit einem nur mäßig fein gepulverten Mannitol beschrieben. Die geforderte niedrige und konstante Schüttdichte war nur durch aufwändige Verreibung zu erreichen. Die aktuelle Vorschrift weist ein Mannitol geringer Teilchengröße aus, mit der die geforderte Schüttdichte sofort erreicht wird. Es muss nur noch mit dem Hochdispersen Siliciumdioxid gemischt werden. Zur Kontrolle ist die Bestimmung der Schüttdichte des Füllmittels nach der neuen DAC-Probe 21 »Prozessbegleitende Bestimmung der Schüttdichte D« als Inprozess-Prüfung vorgeschrieben. Das gleichlautende Verfahren ist auch als Alternative Identifizierungsmethode für den geeigneten Mannitol-Typ angegeben.



Als Arzneiform für Kinder kommen vielfach auch orale Liquida infrage. Deren Handhabung ist unkompliziert, weil sie mit volumenbasierten Dosierhilfen leicht zu entnehmen sind und im Regelfall direkt appliziert werden können. Die Sotalolhydrochlorid-Lösung 20 mg/ml (NRF 10.4.) zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen bei Kindern ist eine in der klinischen Praxis erprobte und bewährte Zubereitung, die in der Apotheke des Klinikums Erfurt im Rahmen einer Diplomarbeit analytisch untersucht wurde.




Füllstoff Mannitol 35 und Füllmittel NRF S.38. werden mit dem Nominalwert der Schüttdichte gekennzeichnet.

Fotos: DAC/NRF


Diese zweite standardisierte Vorschrift wurde dem DAC/NRF-Team freundlicherweise von Dr. Dominic Fenske und seinen Mitarbeitern zur Veröffentlichung überlassen. Neu sind außerdem ein Verfahren zur Alternativen Identifizierung von Omeprazol und die Erweiterung des Farbteils um Cannabisblüten und Drogen und deren Auszüge mit dem Buchstaben R.

Herstellungsanweisungen

In den zahlreichen überarbeiteten Rezepturvorschriften sind vor allem die Änderungen in den Herstellungsanweisungen hervorzuheben. Zum Teil gehen sie auf Hinweise aus PTA-Schulen und Apotheken zurück wie bei der Harnstoff-Stammverreibung 50 % (NRF S.8.), der Edetathaltigen Benzalkoniumchlorid-Stammlösung 0,1 % (S.18.) und den Cremes und Linimenten (NRF S.26., S.27., S.39., S.40.). Der sehr hohe Verdunstungsverlust bei der Herstellung der Dermatikagrundlagen wird in den aktualisierten Vorschriften durch einen Wasserüberschuss ausgeglichen.

Die Harnstoff-Stammverreibung ist in der Zusammensetzung geändert. Da sich die alleinige Mischung mit Vaselin als zu fest erwiesen hat, sorgt nun zusätzlich Dickflüssiges Paraffin für eine weichere Konsistenz. Außerdem ist die mehrfache Bearbeitung bei abnehmendem Walzenabstand auf der Salbenmühle deutlicher beschrieben.

In Zukunft entfällt bei der Benzalkoniumchlorid-Stammlösung die müh­selige Berechnung des Mischungs­verhältnisses der Bestandteile. Die Einwaagekorrektur bei Benzalkoniumchlorid-Lösung (500 g/l) als Ausgangsstoff, eine Empfehlung zur Mindestansatzgröße, die manuelle Steuerung der Substanzeinwaage mit dem Glasstab und geeignete Inprozess-Prüfungen stellen sicher, dass es keine inakzeptablen Abweichungen gibt. Die Zusammensetzung der Hydrophilen Triclosan-Creme (NRF 11.135.) ist zugunsten besserer Löslichkeit geringfügig geändert und die Hartfettgrundlage der Ammonium­bituminosulfonat-Zäpfchen (NRF 25.6.) setzt sich anders zusammen, da der ursprünglich enthaltene Hartfett-Typ nicht mehr in Kleinmengen erhältlich ist. Außerdem wurden die Packmittel für die Lipophile Steinkohlenteer-Salbe (NRF 11.46.) und die Lipophile Polidocanol-Creme (NRF 11.119.) geändert.




Ausgewählte Ganzdrogenteile der Ringelblumenblüten: Hüllkelchblätter (A), einzelne und gebündelte (1) Zungenblüten (B), einzelne und gebündelte (1) Röhrenblüten (C) und Früchte (D)

Einen Überblick über alle neuen, über­arbeiteten und gestrichenen Texte gibt das Vorwort zur Ergänzungslieferung. Die Fuchsin-Lösung (NRF 11.26.) und die Mercap­tamin­hydro­chlorid-haltigen Zubereitungen (NRF 15.17., 15.18. und 30.1.) wurden gestrichen, da die Wirkstoffe nicht mehr in pharmazeu­tischer Qualität mit Prüfzertifikat zur Verfügung stehen.

Schnelle Übersicht

Die Tabellen für die Rezeptur haben sich als kompaktes Nach­schlage­werk für die Plausibilitätsprüfung etabliert. Regelmäßige Überarbeitungen sichern die Aktualität der Inhalte. Die neunte Auflage ist optisch leicht verändert: Die bewährten Übersichten zu Wirkstoffkonzentra­tionen und -eigenschaften, Grundlagen und Hilfsstoffen wie Gelbildnern, Tensiden und Konservierungsmitteln sind weiterhin enthalten. Die Liste der von der Arzneimittelkommission als bedenklich eingestuften Stoffe steht nun in den Tabellen für die Rezeptur.

Mit der neuen Ergänzungslieferung erhalten Abonnenten auch einen neuen Zugangscode für die Serviceangebote auf www.dac-nrf.de, den sie am besten bei Erhalt der Lieferung unter »Mein Konto > Zugangscodes verwalten« eintragen. So haben sie ohne Unterbrechung Zugriff auf die aktuellsten Informationen aus dem DAC/NRF- Labor. Über die Inhalte des Internetauftrittes und die Nutzungsmöglichkeiten für die Eigenrecherche informiert der »Wegweiser durch das Rezepturportal«, der dem Loseblattwerk als Broschüre beiliegt und auf der Startseite der DAC/NRF-DVD als PDF-Dokument zu finden ist. /


Wichtiger Hinweis

Die Excel-Wirkstoffdatenbank zur Errechnung der Einwaagekorrekturfaktoren bei den »DAC/NRF-Tools« enthält in der Version auf DVD-ROM beziehungs­weise CD-ROM bedauer­licherweise einen Fehler in der stöchio­metrischen Umrechnung von der Wirkstoff-Base auf Amfetaminsulfat- beziehungsweise auf Morphinsulfat-Rezeptursubstanz. Die Online-Version ist korrekt.

In der Monographie Octenidin­dihydrochlorid DAC (O-003) wird unter Prüfung auf Identität in beiden Reihen auf die Prüfung C verwiesen. Diese gibt es nicht. In der 1. Reihe gilt nur Prüfung A, in der 2. Reihe nur Prüfung B.



Beitrag erschienen in Ausgabe 13/2016

 

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