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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Salbei


Klassiker unter den Heilpflanzen

von Ursula Sellerberg, Berlin

"Unter allen Stauden ist kaum ein Gewächs über den Salbei erhaben, denn er dient dem Arzte, dem Koch, Armen und Reichen", schrieb der deutsche Botaniker Hieronymus Bock im Jahr 1539. Auch die moderne Arzneitherapie schätzt Salbei bei Entzündungen im Mund, Verdauungsbeschwerden und übermäßigem Schwitzen.

Salbei gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Arzneilich verwendet werden zwei Salbeiarten: der Echte, Königs- oder Edelsalbei (Salvia officinalis) und der Griechische oder Dreilappige Salbei (Salvia fruticosa oder Salvia triloba). Beide Arten sind ausdauernde Halbsträucher und typische Mittelmeerpflanzen, die sich sehr ähneln. Unterscheiden lassen sie sich am Wuchs, der Behaarung und am Geruch: Griechischer Salbei ist stärker behaart als der Echte und an seinem Blattgrund befinden sich häufig zwei seitliche Lappen. Der Echte Salbei wird bis zu 70 Zentimeter hoch, der Griechische bis zu 120 Zentimeter. Beide Arten blühen blauviolett, die Blüten stehen in lockeren Ähren. Die grau-grünen Blätter sind filzig behaart und werden 3 bis 10 Zentimeter lang. Der Geruch des Griechischen Salbeis erinnert an Eukalyptus, während der Echte Salbei typisch "salbeiartig" riecht.

Zur Gewinnung von Duftstoffen wird der so genannte Muskateller-Salbei (Salvia sclarea) verwendet, dessen ätherisches Öl muskatartig riecht. Sein ananasähnlicher Geruch stand Pate bei der Namensgebung des Ananas-Salbeis (Salvia elegans), der vor allem zum Aromatisieren von Süßspeisen und Fruchtsäften dient. Der Mexikanische Salbei (Salvia divinorum) enthält halluzinogene Substanzen, so dass ihn die europäischen Drogenkonsumenten kennen und schätzen. Alle drei genannten Salbeiarten sowie der in Mitteleuropa wild wachsende Wiesensalbei (Salvia pratensis) sind für die Pharmazie ohne Bedeutung.

Vor 8000 Jahren erwähnt

Salbei hat eine lange Geschichte: Bereits vor etwa 8000 Jahren widmeten die Ägypter der Pflanze ein eigenes Schriftzeichen. Der Name Salvia leitet sich von dem lateinischen salvare = heilen ab. In der Antike waren die Blätter des Salbeis Sinnbild des ewigen Lebens und galten als "Wundermittel" gegen fast alle Krankheiten und Beschwerden: Asthma, Gebärmuttererkrankungen, Zahnschmerzen, Blähungen, Husten und Verletzungen.

Auch in den europäischen Klostergärten des Mittelalters hatte Salbei einen festen Platz, dort gehörte er zu den 24 ausgewählten Heilpflanzen. Später pflanzten die Bauern ihn in ihren Hausgärten als Lockmittel für Bienen und als Gewürz an. Die moderne Medizin verwendet die getrockneten Blätter des Echten und des Griechischen Salbeis (Salviae officinalis folium oder Salviae trilobae folium) und das ätherische Öl. Beide Drogen stammen derzeit vor allem aus Südosteuropa.

Thujon typisch für Echten Salbei

Salbei ist reich an ätherischem Öl, das in den Drüsenschuppen und -haaren der Blätter enthalten ist. Als Mindestgehalt an ätherischem Öl fordert das Arzneibuch 1,5 Prozent bei Echtem und 1,8 Prozent bei Griechischem Salbei. Allerdings ist die Zusammensetzung der beiden Öle sehr verschieden: Das ätherische Öl des Echten Salbeis enthält als charakteristischen Inhaltsstoff das Thujon mit einem Anteil von 20 bis 60 Prozent, Griechischer Salbei enthält nur etwa 5 Prozent Thujon, jedoch bis zu 60 Prozent Eucalyptol (1,8-Cineol). Das verleiht ihm den typischen eukalyptusartigen Geruch. Salbeiblätter müssen vor Licht geschützt und dürfen nicht länger als zwei Jahre gelagert werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich das Thujon im Laufe der Zeit abbaut.

Salbeiblätter enthalten außerdem Rosmarinsäure, auch Lamiaceaen-Gerbstoff genannt, und schmecken daher zusammenziehend. Die Blätter des Echten Salbeis sind meist rosmarinsäurehaltiger als die des Griechischen. Zu den vielen weiteren Inhaltsstoffen gehören der Bitterstoff Carnosol und die Ursolsäure.

 An der entzündungshemmenden Wirkung der Salbeiblätter sind verschiedene Inhaltstoffe beteiligt. So soll beispielsweise die Rosmarinsäure Enzyme hemmen, die an Entzündungsreaktionen beteiligt sind, und das Thujon die Schmerzwahrnehmung herabsetzen. Noch im 19. Jahrhundert diente die so genannte Arkebusade, ein alkoholischer Extrakt aus Salbei und anderen Heilpflanzen, als Verbandwasser bei Schusswunden, Verbrennungen oder Blutungen.

Heute setzen Ärzte Salbei vor allem bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum ein. Erstens reizt Salbei die Schleimhaut und verbessert dadurch die Durchblutung, zweitens wirkt die Rosmarinsäure zusammenziehend, dichtet die obersten Zellschichten ab und vermindert so die Sekretion des entzündeten Gewebes, und drittens hemmt das ätherische Öl Viren, Bakterien und Pilze.

Bei Entzündungen des Zahnfleischs, der Mundschleimhaut oder des Kehlkopfs können Patienten Salbeiblätter abkochen und mit dem Aufguss gurgeln oder alkoholische Auszüge direkt auf die erkrankte Schleimhaut pinseln, beispielsweise das Fertigarzneimittel Salviathymol® N. Auch bei Prothesendruckstellen kann Salbei helfen. Als Gurgellösung eignen sich entweder zwei bis drei Tropfen des ätherischen Öls auf 100 ml Wasser, ein Tee aus knapp zwei Teelöffeln (2,5 g) Droge pro 100 ml Wasser oder 5 g eines alkoholischen Auszugs.

Hemmt den Schweiß

Übermäßiges Schwitzen an Händen, Füßen, unter den Achseln oder am ganzen Körper kann die Betroffenen sehr belasten. Über plötzliche Schweißausbrüche klagen auch häufig Frauen in den Wechseljahren. In diesen Fällen können PTA und Apotheker Salbeitee empfehlen, dessen Schweiß hemmende Wirkung bereits im 17. Jahrhundert bekannt war und heute wissenschaftlich belegt ist. Bei längerer Anwendung normalisieren die Wirkstoffe des Salbeis die übermäßige Funktion der Schweißdrüsen. So konnte Salbeitee im Experiment die Schweißbildung bei Probanden deutlich reduzieren, deren Parasympathikusaktivität durch Pilocarpin verstärkt worden war.

Für die Zubereitung eines Tees werden pro Tasse Wasser ein Teelöffel (1,5 g) der Droge verwendet. Im Unterschied zu anderen Arzneitees sollten die Patienten den Teeansatz mit Salbeiblättern erst dann abseihen, wenn er erkaltet ist. Zur kurmäßigen Anwendung eignen sich drei bis vier Tassen täglich. Menschen mit einem empfindlichen Magen vertragen den relativ starken und bitteren Tee oft schlecht. Eine gute Alternative sind in solchen Fällen Fertigarzneimittel wie Sweatosan® N.

Salbeitee hilft außerdem bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen, entzündeter Darmschleimhaut und Durchfall. Nach neueren Untersuchungen kommt diese Wirkung nicht durch das ätherische Öl zustande, sondern durch die Ursolsäure.

Auch Salbeiblüten werden medizinisch verwendet. Das seit 1983 erhältliche Fertigarzneimittel Arhama-Terno® enthält einen wässrig-alkoholischen Extrakt aus frischen Salbeiblüten mit Rosmarinsäure, anderen Labiaten-Gerbstoffen und Flavonoiden, jedoch ohne ätherisches Öl. Somit unterscheidet er sich deutlich von Zubereitungen aus Salbeiblättern. Das Phytopharmakon eignet sich zur Behandlung von Erschöpfungszuständen, Appetitlosigkeit und Eisenmangelanämien. Die Wirkmechanismen des Extrakts sind bislang nicht vollständig erforscht.

Nichts für Schwangere

Der Genuss von zwei bis drei Tassen Salbeitee täglich wird als unproblematisch angesehen; als bedenklich gelten allerdings mehr als 15 Gramm Droge pro Tag. Der Verzehr eines Kopfsalats mit reichlich frischen Salbeiblättern führte beispielsweise zu vorübergehenden Seh- und Empfindungsstörungen. Verursacher der Vergiftung ist vermutlich Thujon. Dieses Keton wirkt zentral erregend. Das reine ätherische Öl oder auch alkoholische Salbeiextrakte können bei länger dauernder Einnahme zu epilepsieähnlichen Krämpfe führen. Weitere Nebenwirkungen des Thujons sind Herzrasen, Hitzegefühl oder Schwindel. Daher sollten Kinder, Epileptiker und Schwangere das ätherische Öl und alkoholische Salbeiextrakte nicht einnehmen.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
u.sellerberg(at)abda.aponet.de



 
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