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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Thymian

Foto: Sertürner

Ein schlauer Fuchs kannte viele Kräuter

von Ulrich Meyer, Berlin

Der Tübinger Medizin-Professor Leonhart Fuchs (1501 bis 1566) hatte bereits 1543 klare Vorstellungen von der "Krafft und wirckung" des Thymians. Sein "New Kreüterbuch" wurde wegen der einzigartigen Illustrationen berühmt. Dort schrieb er: "Der Thym mit honig gesotten und getruncken ist bequem unnd nützlich denen so keichen unnd einen schweren athemb haben."

In die Sprache seiner Zeit kleidete Fuchs damit die Indikationen, bei denen die beiden nach Arzneibuch zulässigen Arten Thymus vulgaris und Thymus zygis - der weißblühende Spanische Thymian - bis heute verwendet werden. Laut Monographie der für die Phytotherapie zuständigen Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes ist der Einsatz bei Symptomen der Bronchitis und des Keuchhustens sowie Katarrhen der oberen Luftwege indiziert. Die empfohlene Einzeldosis beträgt 1 bis 2 Gramm Droge. Verwendet werden die oberirdischen Pflanzenteile.

Thymian wirkt expektorierend und gilt als ausgezeichnet verträglich, Gegenanzeigen sowie Neben- und Wechselwirkungen sind bislang nicht bekannt geworden. Thymiankraut lässt sich gut als Tee zubereiten: Ein Teelöffel mit 1 bis 2 Gramm Droge pro Tasse gibt ein aromatisches Getränk. Der Tee kann und sollte mehrmals täglich getrunken werden, denn bekanntlich wird die Wirkung aller Expektorantien durch reichliche Flüssigkeitszufuhr unterstützt. Ein dünnflüssiger Schleim lässt sich so leichter abhusten.

Thymianöl konservierte einst Mumien

Thymian-haltige Fertigarzneimittel sind kritisch daraufhin zu überprüfen, ob die von der Kommission E genannte Drogenmenge für die Einzel-Dosis von 1 bis 2 Gramm Droge in den Zubereitungen erreicht wird. In unterdosierten Präparaten dient der Thymianzusatz eher als Geruchs- und Geschmackskorrigens. Thymian hat bekanntlich ein ganz charakteristisches Aroma, das im wesentlichen durch die im ätherischen Öl enthaltenen Phenole Thymol und Carvacrol bedingt ist.

Die Phenole gelten auch als wirksamkeitsbestimmend, so dass das Arzneibuch die Qualität der Droge durch eine Bestimmung des Gehaltes an ätherischem Öl und an Phenolen prüfen lässt. Thymol hat - wie viele Phenole - eine ausgesprochen starke antibakterielle Aktivität. Das macht auch den im alten Ägypten praktizierten Einsatz der Droge zur Einbalsamierung von Toten verständlich. Bis heute findet das ätherische Thymianöl wegen seiner antiseptischen Wirkung gerne in Mund- und Gurgelwässern Verwendung.

Thymian kann laut E-Monographie mit anderen expektorierend wirkenden Drogen kombiniert werden, so zum Beispiel mit dem Weißen Seifenkraut, einer saponinhaltigen Heilpflanze. Weil das ätherische Thymianöl auch über die Haut und Lunge resorbiert wird, sind ebenfalls Bäder mit Thymian-Zubereitungen möglich. Die für die Balneologie zuständige Kommission B 6 des BGAs empfahl pro Vollbad 150 g Thymianextrakt mit mindestens 0,5 Prozent ätherischem Öl.

Der Halbstrauch gedeiht auf sonnigem Steinboden

Thymus vulgaris ist ein bis zu 30 Zentimeter hoher Halbstrauch mit schmalen Blättern und blassvioletten Blüten, die Bienen gerne besuchen. Wie viele Lippenblütler (Lamiaceae, früher Labiatae) ist die Pflanze eigentlich im Mittelmeerraum heimisch. Fuchs sprach deshalb von "welschem" - also französischem - Quendel, um ihn von der bei uns heimischen Art abzugrenzen. Die etwas frostempfindliche Pflanze bevorzugt auch in Deutschland karge, aber lichte und warme Standorte, was schon Fuchs zutreffend bemerkte. In dem Abschnitt "Statt seiner wachsung" schrieb er: "Der welsch Quendel ist nit lang in unseren Landen gewesen / sondern wie andere frembde gewechs / von vleissigen gartnern erstmals aufkomen unnd gepflanzt worden. Wechst gern an magern un steinigen orte / so vil sonen haben." 

Verwandter Quendel hilft auch gegen Husten

Benediktiner-Mönche brachten den Thymus vulgaris über die Alpen und führten ihn auch hierzulande ein. Die volkstümliche Bezeichnung "Welsch Quendel" deutet darauf hin, dass man schon frühzeitig die Verwandtschaft des Krautes mit dem heimischen Quendel, also Thymus pulegioides (früher serpyllum) geahnt hat. Der "echte" Quendel weist indes einen geringeren Gehalt an ätherischen Ölen auf, wobei neben den phenolischen Körpern zitronenartig riechende Monoterpene wie Linalool in größeren Anteilen enthalten sein können.

Trotz ihrer anderen phytochemischen Zusammensetzung erhielt auch der Thymus pulegioides eine Positiv-Monographie der Kommission E zur Behandlung von Katarrhen der oberen Luftwege. Er gilt jedoch als schwächer wirksam und hat in der Phytotherapie nur eine geringe Bedeutung. Seine Tagesdosis beträgt 4 bis 6 Gramm Droge.

Anschrift des Verfassers:
Dr. Ulrich Meyer
Hauptstraße 15
10827 Berlin



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