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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Mutterkorn



Foto: Schöpke

Als das Antonius-Feuer brannte

von Ernst-Albert Meyer

Das Mutterkorn wächst bei regnerischem Wetter in den Ähren von Roggen und anderen Getreidearten. Es ist die Dauerform des Pilzes Claviceps purpurea und enthält eine Reihe toxischer Alkaloide. Vor allem im Mittelalter erkrankten oder starben hunderttausende Menschen nach dem Verzehr mutterkornhaltigen Roggens.

Im Jahre 857 verwandelte eine verheerende Krankheit die Stadt Xanten am Niederrhein in eine trostlose Stätte: Menschen hasteten mit Anzeichen plötzlichen Wahnsinns durch die engen Gassen. Andere wälzten sich auf dem Boden, schrien: »Feuer – ich verbrenne!« und flehten um Wasser. Bei vielen war die Krankheit schon so weit fortgeschritten, dass sie nur noch kraftlos dalagen. Ihre Körper waren aufgedunsen, Blasen bedeckten die fahle Haut. Die Gliedmaßen, vor allem die Hände und Füße, färbten sich schwärzlich und fielen nach wenigen Stunden ab. Gassen und Plätze waren übersät mit Toten und Sterbenden. Ein widerlicher Fäulnisgeruch erfüllte die Luft. Die Überlebenden waren ratlos. Sie konnten nicht wissen, dass die Ursache des Leidens mit Mutterkorn verseuchtes Roggenmehl war. Sie glaubten, das Fegefeuer zu erleben, mit dem Gott die Sünder strafte. 

Diese Geschehnisse von Xanten, überliefert in den »Annales Xantenses« gelten als der erste sichere Bericht über eine Massenerkrankung durch mutterkornhaltige Roggenmehl-Zubereitungen. Die Verfasser der Klosterchronik von Xanten gaben der neuen Seuche den Namen Heiliges Feuer. Der Volksmund nannte sie auch Höllenfeuer, Brandseuche, Kribbelkrankheit oder Bauernkrankheit. Im 12. Jahrhundert setzte sich der Name Antonius-Feuer durch. Die Chronisten unterschieden beim Antonius-Feuer zwei Krankheitsbilder: die »Brandseuche« und die »Krampfseuche«. 

Bei der Brandseuche stellen sich als erste Beschwerden Taubheitsgefühle in Fingern und Zehen ein, denen heftiges Brennen in Händen und Armen, Füßen und Beinen folgt. Dann überzieht sich die Haut mit Blasen. Schließlich lassen die Schmerzen nach, die erkrankten Gliedmaßen werden gefühllos, sterben langsam ab, trocknen ein und fallen ohne Blutverlust vom Körper ab. Begleitet war dieser Krankheitsprozess oft von Wahnvorstellungen. Die Brandseuche endete häufig tödlich, in leichten Fällen hinterließ sie körperliche Behinderungen. Ursache für die Symptome ist die Dauerkontraktion der peripheren Blutgefäße durch die Inhaltsstoffe des Mutterkorns. Das Gewebe wird nicht mehr mit Blut versorgt und stirbt ab.

Die Krampfseuche beginnt mit einem Kribbeln der Haut. Dann folgen starke Halluzinationen und epileptische Anfälle mit Bewusstseinsverlust. Während der sehr schmerzhaften Kontraktion sind die Muskeln bretthart gespannt, so dass die betroffenen Körperteile bewegungslos in abnormen Stellungen verharren. Diese Anfälle konnten bis zu einigen Stunden andauern, täglich auftreten und führten vor allem bei Kindern häufig zum Tod. Überlebende trugen meist psychische Störungen davon.

Tödliches Getreide

In Mitteleuropa erkrankten während des Mittelalters viele Menschen und Tiere an Mutterkorn-Vergiftungen (Ergotismus), weil nur Roggen als Getreide angebaut wurde. Die Kartoffel war noch nicht bekannt. Zwischen 850 und 1200 wütete das Antonius-Feuer besonders heftig in Frankreich. Im Jahr 943 forderte es in der Gegend von Limoges etwa 40 000 Opfer. Notgedrungen wurden sogar die Kirchen als Spitäler zweckentfremdet. Weitere Vergiftungswellen mit schrecklichen Ausmaßen folgten. In ganz Europa trat im Winter der Jahre 1596/97 eine große Hungersnot auf, die von Massenvergiftungen begleitet war. Der Überlieferung nach musste der russische Zar Peter der Große (1672 bis 1725) auf einen Feldzug gegen das Osmanische Reich verzichten, weil die meisten Pferde seiner Armee an mit Mutterkorn verseuchten Futtermitteln gestorben waren.

Bis ins 20. Jahrhundert rissen die Massenvergiftungen nicht ab, obwohl der Zusammenhang zwischen dem Mutterkorn-Pilz auf dem Roggen und den Vergiftungserscheinungen längst bekannt war. Insgesamt verloren im Verlauf von vier Jahrhunderten durch Mutterkornvergiftungen schätzungsweise 200 000 Menschen ihr Leben. Unzählige erlitten dauerhafte körperliche Schäden. Inzwischen weiß man, dass das Roggenmehl in vergangenen Zeiten oft bis zu einem Drittel aus gemahlenem Mutterkorn bestand. Nur ein Mutterkornanteil unter 1 Prozent ist unbedenklich, 8 Prozent sind bereits lebensgefährlich. Heute wird der Roggen vor dem Mahlen vom Mutterkorn gereinigt.

Bruderschaft vom heiligen Antonius

Der Name »Antonius-Feuer« geht auf den heiligen Antonius zurück, dessen Gebeine um das Jahr 1000 in der Kirche von St. Didier-de-la-Motte in Südfrankreich eine neue Ruhestätte erhielten. Schon bald entwickelte sich diese Kirche zu einem stark besuchten Wallfahrtsort für Kranke, und es entstand ein Spital für kranke Pilger. Als der Stifter des Spitals, ein französischer Edelmann, am Heiligen Feuer erkrankte, legte sein Vater Gaston Guerin dem heiligen Antonius ein Gelübde ab: Sollte sein Sohn genesen, würden beide ihr Leben und ihr ganzes Vermögen in den Dienst der Pflege von Opfern des Heiligen Feuers stellen. Der Sohn wurde überraschend gesund, und Gaston Guerin gründete zusammen mit anderen Edelleuten im Jahr 1089 die »Hospitalbruderschaft zum Heiligen Antonius zur Pflege der am Heiligen Feuer Erkrankten«.

Die Antoniter trugen schwarze Kutten, auf die ein blaues T-förmiges Kreuz, das sogenannte Tau-Kreuz, aufgenäht war. Dieses Zeichen sollte die Mönche wahrscheinlich vor der gefürchteten Krankheit schützen. 

Spitale für die Kranken

Große Unterstützung erhielt der Antoniterorden von Anfang an sowohl von der weltlichen als auch von der kirchlichen Obrigkeit. Dies zeigt, wie groß das Ausmaß des Elends war und wie sehr die Notwendigkeit bestand, die vielen Erkrankten zu betreuen. Der neue Orden verbreitete sich rasch. Um 1500 gab es nicht weniger als 369 Niederlassungen in Europa und im vorderen Orient, zu denen meist von Ärzten geleitete Spitale gehörten. 

Adlige und reiche Bürger vermachten dem Orden Liegenschaften, Erbschaften und wertvolle Geld- und Sachgeschenke als Dank für die Pflege ihrer kranken Angehörigen in den Spitälern. Nachdem im 17. Jahrhundert der Zusammenhang zwischen dem Mutterkorn und dem Antonius-Feuer aufgeklärt war und die Vergiftungsfälle zurückgingen, verlor der Antoniterorden seine dominierende Stellung. 1781 schlossen sich die Mönche dem Johanniterorden an.

Arzneien oder Skalpell 

In den Ordensspitälern wurden die Ergotismus-Invaliden lebenslang betreut. So versorgten die Mönche die Behinderten mit einheitlicher Kleidung, Speisen und Getränken. Frisch Erkrankte erhielten von den Spitalärzten und Ordensbrüdern chirurgische und medikamentöse Hilfe. Besondere Bedeutung hatten ein Heiltrank der Antoniter, der Saint Vinage, und der Antonius-Balsam. 

Den Heiltrank bereiteten die Brüder am Himmelfahrtstag eines jeden Jahres neu zu. Dazu benetzten sie die Gebeine des heiligen Antonius mit Weinessig, fingen die ablaufende Flüssigkeit auf und gaben sie den Kranken tropfenweise ein. Die in den Spitälern erzielten Heilwirkungen dürften jedoch weniger auf diesen Trank zurückzuführen sein, sondern auf die Tatsache, dass die Kranken kräftigende Nahrung erhielten. Die Zusammensetzung des Antonius-Balsams blieb streng geheim und ging leider verloren. Vermutlich enthielt er Spitz- und Breitwegerich, Taubnessel, Klatschmohn und Eisenkraut. Dies lesen Historiker am berühmten Isenheimer Altar ab: Dort hat Matthias Grünewald (1475 bis 1528) diese Heilpflanzen und neun weitere neben einem am Antonius-Feuer Erkrankten dargestellt. Demnach enthielt der Balsam sowohl schmerzstillende als auch gefäßerweiternde Bestandteile.

In schweren und unheilbaren Fällen setzten die Ärzte sicher folgende Überlieferung in die Tat um: »...die leüt so mit dem Wildenfheür entzündt sind, denen schneydet man die entzündten glider ab.« 

Vom Gift zum Arzneimittel

Über Jahrhunderte blieb den Menschen der Zusammenhang zwischen der furchtbaren Massenerkrankung des Ergotismus und dem Mutterkorn auf Roggenähren unbekannt. Im Jahr 1630 hegte der französische Arzt Tuillier einen ersten Verdacht. Er verfütterte mutterkornhaltigen Roggen an Hühner und bewies damit, dass derart verseuchte Nahrung das Antonius-Feuer auslöste.

Leider interessierten sich Tuilliers Zeitgenossen nicht für seine Entdeckung. Das änderte sich erst 1676, als der Franzose Dodart der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Paris über Mutterkornvergiftungen in der Sologne berichtete. Darin verwies er auch auf die Beobachtungen und Erkenntnisse von Tuillier. Jetzt endlich akzeptierten die französischen Wissenschaftler, dass Mutterkorn die als Antonius-Feuer bezeichnete »Brandseuche« verursacht. 

Wenig später, 1695, erkannte in Deutschland J. C. Brunner, dass das Mutterkorn auch die »Krampfseuche« hervorrief. Es vergingen aber fast noch 100 Jahre, bis eine Arbeit des Hannoveraner Hofmedicus Dr. Johann Taube endlich die letzten Zweifel beseitigte. In seiner 1782 veröffentlichten »Geschichte der Kriebel-Krankheit« untersuchte Taube die in der Gegend von Celle aufgetretenen Vergiftungen und bestätigte damit die bereits 150 Jahre zuvor von Tuillier gewonnenen Erkenntnisse.

Problem der armen Bevölkerung

Trotz des gewonnenen Wissens traten immer wieder Mutterkornvergiftungen auf, was an den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen jener feudalistischen Zeit lag: Im Mittelalter mussten die leibeigenen Bauern bei ihren weltlichen und geistlichen Feudalherren nicht nur Fronarbeit leisten, sie waren auch zu Naturalabgaben verpflichtet. Das qualitativ beste Getreide mussten sie ihren Herren abliefern. Da damals in Europa vorwiegend Roggen angebaut wurde, erhielten diese dann das weiße, also mutterkornfreie Mehl. Den Bauern blieb meist nur das minderwertige Mehl, das mit Mutterkorn verseucht war. Vor allem in Kriegen und Hungersnöten ernährten sich die Bauern und armen Stadtbürger ausschließlich von minderwertigem Roggen.

In einer Chronik heißt es: »…ein armer Landarbeiter, dessen Not sehr groß war, bettelte einen Getreide siebenden Bauern um den verworfenen Teil an. Er missachtete alle Warnungen und verwendete das Getreide zum Brot backen. Im Verlauf eines Monats starben der Mann, seine Frau und zwei seiner Kinder. Einem dritten Kind, das noch an der Brust genährt wurde, hatte man Brei aus diesem Mehl gekocht; es entging dem Tode, wurde aber schwachsinnig und verlor beide Beine.«

Die Zahl der Mutterkornvergiftungen ging erst zurück, als sich die landwirtschaftlichen Produktionsmethoden verbesserten und verstärkt Kartoffeln statt  Roggen angebaut wurden. Auch staatliche Maßnahmen zur Überwachung der Getreidereinheit halfen, die Krankheit einzudämmen.

Perfekte Fortpflanzung

Das Mutterkorn (Secale cornutum) ist die Überwinterungsform (Sklerotium) des auf einer Reihe von Gräsern und auf dem Roggen schmarotzenden Pilzes Claviceps purpurea. Aus den reifen Roggenähren ragen die dunkel violetten Mutterkörner mit ihren bis fünf Zentimeter langen, schwach halbmondförmigen, keulenartigen Körpern heraus. Vor und während der Getreideernte fällt ein Teil der Mutterkörner aus den Ähren auf den Ackerboden, wo nach der Winterruhe im Frühjahr kleine gestielte Fruchtkörper wachsen. Sie enthalten eine Vielzahl von Ascosporen, einer Dauerform zur ungeschlechtlichen Fortpflanzung. Durch den Wind gelangen diese auf die Narben der Roggenblüten und keimen hier aus (Primärinfektion).

Nach und nach durchwuchert das entstehende Myzel die Fruchtknoten der Ähren. Dann bildet das Myzel eine Vielzahl von Sporen, sogenannte Konidien, die der gleichzeitig erzeugte süß-klebrige Honigtau aufnimmt. Dieser Honigtau tropft auf benachbarte Roggenähren oder gelangt durch Insekten dorthin (Sekundärinfektion). Die Konidien keimen analog den Ascosporen in den infizierten Getreidekörnern aus. Das Mutterkorn wächst heran, das Myzel verfestigt sich und nimmt die bekannte dunkel violette Farbe an. In dieser Phase bilden sich die Mutterkorn-Inhaltsstoffe, die Alkaloide.

Besonders in regenreichen und warmen Sommern waren die Roggenähren früher häufig stark mit Mutterkorn befallen, und damit war das Getreide lebensgefährlich mit dem Pilz verunreinigt. Heute verhindert ein tieferes Pflügen der Felder das Auskeimen der Mutterkörner. Reinigungs- und Sortiermaschinen für Körnerfrüchte sowie gesetzliche Gütevorschriften für Ernte und Saatgut garantieren, dass Mutterkornvergiftungen der Vergangenheit angehören. Und trotzdem: Wer am Rande eines reifenden Roggenfeldes entlang wandert, kann auch heute noch vereinzelt Mutterkörner aus den Ähren herausragen sehen.

Langer Weg der Erkenntnis

Bereits Hippokrates (um 460 bis 370 vor Christus) erwähnt in seinen Schriften die Verwendung des Mutterkorns als Abortivum. Die erste exakte Beschreibung von Secale cornutum findet sich in dem 1582 publizierten Kräuterbuch des Frankfurter Stadtarztes Adam Lonitzer (1528 bis 1586). Lonitzer weist außerdem auf dessen Anwendung als Wehen auslösendes Mittel hin: »Solche Kornzapffen werden von den Weibern für eine sonderliche Hülffe und bewerte Artzney für das aufsteigen und wehethumb der Mutter gehalten/ so man derselbigen drey etlich mal einnimpt und isset.« In der Tat dürfte das Mutterkorn den Hebammen des Mittelalters bekannt gewesen sein, obwohl seine Anwendung aufgrund des schwankenden Alkaloidgehaltes lebensgefährlich war. Der deutsche Botaniker und Arzt Rudolf Jacob Camerarius (1665 bis 1721) machte 1709 in seiner Dissertation die wissenschaftliche Welt darauf aufmerksam, dass deutsche Hebammen Mutterkorn benutzten, um bei Schwangeren und Wöchnerinnen Gebärmutterkontraktionen auszulösen. 

Doch erst im 19. Jahrhundert interessierten sich Mediziner und Pharmakologen zunehmend für die Wirkungen des Mutterkorns. Anlass dazu gab eine Arbeit des amerikanischen Arztes John Stearns aus dem Jahre 1808. Der Arzt publizierte seine Erfahrungen mit Mutterkornpulver, um die Geburt zu beschleunigen. Damals beschrieben verschiedene Arzneibücher Secale cornutum und daraus hergestellte Zubereitungen. Trotz mehrerer Versuche zur Aufklärung der Inhaltsstoffe gelang dem Wissenschaftler Arthur Stoll (1887 bis 1971) 1918 in den Sandoz-Laboratorien in Basel der entscheidende Durchbruch: Er isolierte reines Ergotamin, das wichtigste Mutterkorn-Alkaloid, das zur Gruppe der Ergopeptine gehört. Ergotamin ersetzte damit die in der Medizin bis dahin gebräuchlichen Mutterkorn-Zubereitungen.

In Basel erforschten die Wissenschaftler auch die anderen Alkaloide wie Ergometrin, Ergocrystin, Ergocryptin und Ergocornin. Dabei erkannten sie die Lysergsäure als gemeinsames Grundgerüst. Durch einen Zufall synthetisierte Dr. Albert Hofmann (1906 bis 2008) auf der Suche nach einem Kreislaufstimulans im Labor das LSD-25 (Lysergsäurediäthylamid). 

Alkaloide als Arzneimittel

Der Alkaloid-Gehalt in Mutterkörnern liegt zwischen 0,001 und 10 Prozent. In der Regel dominieren die Ergopeptine, besonders das Ergotamin. Ergotamin wirkt als Agonist an alpha-Adrenorezeptoren und bestimmten Serotoninrezeptoren. Damit führt es im Gehirn zur Vasokonstriktion von Blutgefäßen und hemmt die Freisetzung bestimmter Neuropeptide, die Entzündungsprozesse auslösen. Ein Salz des Ergotamins, das Ergotamintartrat (in Ergo-Kranit® Migräne 2 mg Tabletten) verordnen Ärzte bei Patienten mit Migräne-Anfällen, wenn andere Therapien nicht wirksam oder nicht indiziert sind. Wegen der starken Nebenwirkungen der Substanz verschreiben sie allerdings bevorzugt eines der modernen Migränetherapeutika aus der Gruppe der Triptane. 

Das Alkaloid Ergometrin gehört zur Gruppe der Lysergsäureamide und findet in der Geburtshilfe Anwendung. Es wirkt kontrahierend auf den Uterus, vermindert so Blutungen und fördert die Rückbildung der Gebärmutter nach der Geburt. Allerdings schränken auch hier die unerwünschten Wirkungen der Mutterkorn-Alkaloide wie Übelkeit, Erbrechen, lang anhaltende Vasokonstriktion und Mangeldurchblutung (Ischämie) den Einsatz stark ein. 

Homöopathische Anwendung

Ohne Nebenwirkungen ist die Anwendung von Mutterkorn in der Homöopathie. Secale cornutum setzen Homöopathen bei Durchblutungsstörungen mit eiskalter Haut ein, wenn der Patient Wärme, zum Beispiel das Zudecken, als unerträglich empfindet. Auch Patienten mit Durchblutungsstörungen erhalten Secale, wenn sich die Beschwerden als brennende Schmerzen mit Taubheitsgefühl und Ameisenlaufen sowie als Geschwüre mit blauen, schwärzlichen Flecken äußern. Außerdem wenden Homöopathen Secale cornutum bei starken Gebärmutterblutungen, bei Migräne oder Wehenschwäche sowie bei Patienten mit schizophrenen oder paranoiden Zuständen an. Potenzen bis einschließlich D3 unterliegen der Verschreibungspflicht.

E-Mail-Adresse des Verfassers:
MedWiss-Meyer(at)t-online.de



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