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BERATUNGSPRAXIS

DAC/NRF

Schwerpunkt Kapseln


Von Antje Lein / Die DAC/NRF-Ergänzungslieferung 2016/2 ist erschienen. Im Mittelpunkt steht die Kapselherstellung, für die eine Reihe von Texten überarbeitet wurde. Eine besondere Bedeutung hat die neue DAC-Probe 22, mit der die Teilchen­beschaffenheit von Pulvern mikroskopisch bestimmt wird.

 

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Bereits in zurückliegenden Ergänzungslieferungen hat die DAC/NRF-Kommission den Grundstein für die Neuausrichtung der Kapselherstellung gelegt. Die Grundtechnik ist nun Schritt für Schritt in den Allgemeinen Hinweisen I.9. »Kapseln« beschrieben.



Das Ziel der neuen Methode ist ein verlustärmeres Verfahren auf Massebasis, das vorläufig für niedrig dosierte Kapseln vorgesehen ist. Dabei sind die Eigenschaften von Wirkstoff und Füllmittel bereits so definiert, dass sie nur noch getrennt gewogen und in einer glatten Schale gemischt werden müssen. Entscheidend für die Güte der Mischung und die gleichmäßige sowie vollständige Befüllung der Kapseln sind zum einen die möglichst ähnliche und geringe Teilchengröße von Wirkstoff und Füllmittel und zum anderen eine definierte Schüttdichte des Füllmittels.

Auch die Rahmenbedingungen für das Herstellungsverfahren, wie die Vorbereitung des Wirkstoffs und die Spezifikation der Schüttdichte, sind in Kapitel I.9. erläutert. Darüber hinaus enthält das Kapitel erstmals konkrete Empfehlungen für die Festlegung eines Wirkstoff-Produktionszuschlages. Diese gelten auch für andere Herstellungstechniken und müssen nach und nach differenziert werden. Als erstes wurden für das Mannitol-Siliciumdioxid-Füllmittel (NRF S.38.) Nennfüllmassen für verschiedene Kapselgrößen festgelegt, siehe dazu auch die Rezepturhinweise »Kapseln« auf www.dac-nrf.de. In der Vorschrift wurde der zulässige Schüttdichte-Bereich erweitert, da Mannitol 35 chargenabhängige Schwan­kungen aufweist, die für das daraus zubereitete Füllmittel und die spätere Kapselherstellung relevant sind. Gleichzeitig wurden auch die DAC-Probe 21 zur Schüttdichtebestimmung und die Alternative Identifizierung für »Mannitol zur Füllmittelherstellung (NRF S.38.)« überarbeitet.




Neue Farbabbildungen, im Bild zur Schnittdroge Schafgarbenkraut, erleichtern die Eingangsprüfung von Drogen.

Mit der neuen DAC-Probe 22 ist es möglich, den Wirkstoff hin­sichtlich seiner Teilchengröße zu charakterisieren. Das ist zum Beispiel wichtig für die Entscheidung, ob er vor der Kapsel­herstellung vorvermahlen werden muss oder nicht. Auch der neue Eintrag zur Definition der Pulver­beschaffenheit in den Allgemeinen Vorschriften (Abschnitt 1.2) steht hiermit in Verbindung.

Während jeder Herstellung von Rezepturarzneimitteln finden Inprozessprüfungen statt. Für Pulver und Kapseln stehen dazu zwei neue Rechen­hilfen bei den DAC/NRF-Tools zur Verfügung: bei Kapseln die Berechnung von Masseverlust und Masseneinheitlichkeit und ein Schema zur Herstellung und Prüfung nicht abgeteilter einfacher Pulver.

Neue Vorschriften

Mit der Monographie C-054 »Eingestelltes, raffiniertes Cannabisölharz« veröffentlicht die Ergänzungslieferung die Prüfvorschrift für einen Extrakt aus Cannabisblüten, der mithilfe Mittel­kettiger Triglyceride auf 5 Prozent Δ9-Tetrahydrocannabinol eingestellt ist. Dieser Extrakt ist nach Weiterverarbeitung zum Rezepturarzneimittel für die perorale Gabe vorgesehen, für die Inhalation jedoch nicht geeignet. Ergänzt wird die Monographie C-054 durch einen Eintrag im Farbteil. Darüber hinaus unterstützen weitere neue Farbabbildungen die Eingangsprüfung von Drogen und Drogenauszügen.

Den Abschnitt Stammzubereitungen ergänzen nun die Octenidindihydrochlorid-Stammlösung 2 % (NRF S.50.) und das Thermogel (NRF S.51.). Octenidindihydrochlorid ist zwar gut, aber nur langsam in Wasser löslich, sodass es sich nur schwer in Cremes einarbeiten lässt. Die Verarbeitung wird durch die glycerolische Stammlösung wesentlich erleichtert. Das Thermogel ist, anders als es der Name vermuten lässt, kein wärmendes Gel, sondern vielmehr eine Grundlage auf Poloxamer-Basis, deren Konsistenz sich abhängig von der Temperatur ändert: Bei Raumtemperatur ist das Gel halbfest, bei einer Temperatur unter 12 °C flüssig. Es enthält zusätzlich Mittelkettige Triglyceride, die der Austrocknung der Haut vorbeugen. Erprobt ist es bereits als Vehikel für Antimykotika, wie Terbinafinhydrochlorid und Ciclopirox-Olamin, zur Behandlung von Haut- und Nagelpilz.




Für die Inprozessprüfung auf Masseverlust und Masseeinheitlichkeit werden Kapseln einzeln und zusammen gewogen.

Fotos: DAC/NRF


Weitere Änderungen

Da das Punktesystem und die Bewertungskriterien der DAC-Probe 5 (Visuelle Prüfung auf Schwebeteilchen in Parenteralia) nicht mehr zeitgemäß sind, wurde die Probe gestrichen. Die Ph.-Eur.-Methode 2.9.20 »Partikelkonta­mination – Sichtbare Partikeln« kann ­diese in Verbindung mit einer Risiko­abschätzung ersetzen. Auch die DAC-Probe 1 zur Schmelz­temperatur-Mikro­bestimmung gibt es nicht mehr. Die Methode ist veraltet.

Seit 2012 enthält die Apotheken­betriebsordnung im §16 keinen Hinweis mehr zur farblichen Kennzeichnung der vorsichtig und sehr vorsichtig zu lagernden Stoffe. Die Übersicht in der DAC-Anlage K war insofern überflüssig geworden und wurde daher gestrichen. Bei der Kennzeichnung und Lagerung von Ausgangsstoffen sind die Gefahrstoffverordnung und die Lagerungshinweise der Arzneibücher zu beachten. Zudem wurde die DAC-Anlage G zur Kapselherstellung mittels Kalibrierverfahren mit Verweis auf die Allgemeinen Hinweise I.9. aufgelöst. Die in der Anlage bisher beschriebenen Methoden A und B finden sich neben weiteren Herstellungsverfahren nun im Kapitel I.9..

Die bereits im Deutschen Arzneibuch begonnene konsequente Neubezeichnung der wasserhaltigen Grundlagen wurde nun auch bei der Weichen Salbe DAC (Unguentum molle) umgesetzt. Die Grundlage steht jetzt unter der Bezeichnung »Weiche Creme« unter Ordnungsziffer C-290. Der Systematik nach gehört sie zu den lipophilen Cremes. Die Allgemeinen Hinweise I.10. »Pulver zum Einnehmen, Granulate, Pellets und Streukügelchen« beschreiben die Herstellung nicht abgeteilter Pulver aus nur einem Wirkstoff oder einer Mischung aus Wirkstoff und Füllmittel. Beide Fälle werden getrennt erläutert, jeweils unter Bezugnahme auf die entsprechenden Rechenhilfen bei den DAC/NRF-Tools, mit deren Unterstützung die schrittweise Volumeneinstellung auf die Dosierhilfe dokumentiert wird. Ergänzungen im Kapitel I.11. »Flüssige Zubereitungen zum Einnehmen« betreffen die Vorgaben der Arzneibuchmonographie zur Dosiergenauigkeit von Tropfen zum Einnehmen und spezifische Hinweise zum Umgang mit Kolbenpipetten bei der Dosierung öliger Lösungen. Hier war in der Praxis aufgefallen, dass die Verbindung zwischen Steckeinsatz und Kolbenpipette in einzelnen Fällen nach regelmäßigem Gebrauch nicht mehr vollkommen dicht war. Dasselbe gilt für die Verbindung zwischen Steckeinsatz und Schraubkappe.

Bei den Glucocorticoid-haltigen Cremes in den NRF-Rezepturvorschriften wurde ein Zwischenschritt berücksichtigt: Er betrifft die Aufstockung der Grundlage zur Ansatzmenge, um die gleichmäßige Verteilung der zuvor angefertigten Wirkstoffanreibung besser sicherzustellen. In den Vorschriften 11.37. und 11.38. wurde das pulverför­mige Rezepturkonzentrat auf die im DAC beschriebene Mannitol-Verreibung umgestellt, da die Reisstärke-Verreibung nicht mehr erhältlich ist.

Die Ethanolhaltige Zinkchlorid-Sklerosierungslösung (NRF 5.5.) enthielt bisher neben den Zink- und Calciumsalzen auch Mepivacainhydrochlorid, das jedoch seit geraumer Zeit nicht mehr als Rezeptursubstanz zur Verfügung steht. Aufgrund bereits früher geäußerter Zweifel an der Notwendigkeit der Lokalanästhesie bei bestimmungs­gemäßer Anwendung ist dieser Bestandteil entbehrlich.

Einen Überblick über alle neuen, überarbeiteten und gestrichenen Texte enthält das Vorwort zur aktuellen Ergänzungslieferung. Das DAC/NRF-Werk ist auch online aktualisiert. Abonnenten wird empfohlen, unmittelbar nach Erhalt der Lieferung den neuen Zugangscode unter »Mein Konto« einzupflegen. So können sie die umfangreichen Online-Angebote ohne Unterbrechung weiter nutzen. /


Wichtiger Hinweis

Die Allgemeinen Hinweise I.9. enthalten eine fehlerhafte Formel zur Ansatzmengenberechnung beim massenbasierten Verfahren (Gravimetrischen Methode zur Ansatzmengenfestlegung). Die Variable n muss durch x ersetzt werden. Das x steht für die Anzahl der herzustellenden Kapseln. Die Formel lautet richtig:

mFM-Ansatz = (mKI – mRS) · x = mKI · x – mRS-Ansatz



Beitrag erschienen in Ausgabe 01/2017

 

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