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Tabuthemen

Worüber Kunden nicht gern sprechen

Mundgeruch, Hämorrhoiden, Fußpilz – das sind drei Themen, die die meisten Apothekenkunden nicht gern ansprechen. Eine freundlich-sachliche Beratung kann ihnen helfen, die Scheu zu überwinden.
Maria Pues
22.05.2019
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Dass Patienten über Mundgeruch nicht gern sprechen, liegt nicht nur daran, dass dieser ihnen unangenehm ist, sondern auch daran, dass sie ihn selbst oft gar nicht wahrnehmen, erläuterte Apotheker Daniel Finke, Münster, in einem Vortrag für PTA auf dem westfälisch-lippischen Apothekertag (WLAT) in Münster. Daher sei es manchmal erforderlich, dies im Beratungsgespräch aktiv, am besten unter vier Augen, anzusprechen. Betroffene empfänden dies zunächst oft als sehr unangenehm, sagte Finke. Doch sie erhielten so die Möglichkeit, etwas gegen ihren Mundgeruch zu unternehmen. Um den eigenen Atem zu riechen, empfiehlt er die »Airbagmethode«: Man atmet in einen Gefrierbeutel aus, wartet ein wenig und prüft dann den Geruch.

Schlechte Luft

In den meisten Fällen entsteht Mundgeruch im Mund, häufig durch geruchsbildende Bakterien, die sich unter anderem auf der rauen Zungenoberfläche anlagern können. Unzureichende Mundhygiene steht ganz oben auf der Liste der möglichen Ursachen. Aber auch Karies und Entzündungen des Zahnfleisches (Gingivitis) oder des Zahnhalteapparates (Parodontitis) sowie Probleme mit dem Zahnersatz oder ein verminderter Speichelfluss sind häufige Ursachen. Auch die Ernährung kann eine Rolle spielen. So können Fasten oder eine Low-Carb-Ernährung, eine proteinreiche Ernährung oder zu geringe Trinkmengen den Geruch der Ausatemluft beeinträchtigen. Seltener entsteht Mundgeruch außerhalb des Mundes: durch eine Mandelentzündung, Erkrankungen der Magenschleimhaut, im Rahmen eines Diabetes oder infolge der Anwendung bestimmter Medikamente.

In der Beratung können PTA und Apotheker zahlreiche Tipps geben und Hilfen anbieten. Da unzureichende Mundhygiene die häufigste Ursache darstellt, bietet diese zahlreiche Ansatzpunkte. Zweimal tägliches Zähneputzen und die Anwendung von Zahnseide oder Interdentalbürsten reduzieren die geruchsbildenden Bakterien. Das gilt auch die Verwendung von Zungenreinigern. Angenehmer Nebeneffekt: Sie verbessern häufig auch die Geschmackswahrnehmung. Spezielle Mundspüllösungen oder Kaugummis vermindern ebenfalls die Keimzahl im Mund und damit die Geruchsbildner (siehe Kasten).

Inhaltsstoffe Präparat (Beispiele)
Zinkdiacetat, Natriumfluorid, Chlorhexidin, Ethanol CB12® Mundspül-Lösung
Aminfluorid (Olaflur) und Zinkdiacetat Meridol® Sicherer Atem Mundspülung
Zinkdiacetat, Cetylpyridinium, Siliciumdixoid, Natriumfluorid Gum HaliControl® Zahngel
Zinkchlorid, Salbei, Ringelblumenextrakt und Kamille Miradent® Tong-Clin Zungenreinigungsgel
Chlorophyll-Kupfer-Komplex, Pfefferminzöl Stozzon® Chlorophyll Drageés
Xylitol Miradent® Kaugummi
Zusätzliche Zahnpflege bei Mundgeruch (Auswahl)

Wichtig ist auch der Besuch beim Zahnarzt: Eine professionelle Zahnreinigung beseitigt auch alte Beläge. Er kann zudem auf weitere mögliche Verursacher prüfen und gegebenenfalls zum Besuch bestimmter Fachärzte raten.

Problemzone Po

»Patienten mit einem Hämorrhoidalleiden fragen nicht nach dem Leiden, sondern gleich nach dem Präparat«, berichtete Finke. Hier sei es aus zwei Gründen wichtig, sich nach den konkreten Beschwerden zu erkundigen und die Eigendiagnose des Patienten zu hinterfragen. So sollte eine Selbstmedikation nur bei einem Hämorrhoidalleiden Grad I und II erfolgen (siehe Kasten) und bei stärkeren Beschwerden sowie bei Hinweisen auf andere mögliche Ursachen zu einem Arztbesuch geraten werden. Zudem orientiert sich die Empfehlung für eine Behandlung am Hauptsymptom.

Häufig kommt es bei einem Hämorrhoidalleiden zu Juckreiz, Brennen und/oder Nässen im Analbereich, da durch einen unvollständigen Verschluss Sekret in den Analbereich gelangen und dort Haut- und Schleimhäute reizen kann. Auch schleimige Sekretionen und Stuhlschmieren können auftreten. Reißen Blutgefäße, können hellrote Blutungen – häufig am Toilettenpapier – sichtbar werden. Bei dunkelrotem Stuhl beziehungsweise Teerstuhl ist hingegen ein Arztbesuch anzuraten. Das gelte auch, wenn nur ein einzelnes Symptom auftrete, führte Finke aus, denn dies sei uncharakteristisch. Auch starke Schmerzen oder anhaltende Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden.

Schweregrad Symptome
Grad I Kaum Beschwerden, gelegentlich hellrotes Blut am Toilettenpapier
Grad II von außen sichtbar, ziehen sich meist spontan wieder zurück,
Gefühl der unvollständigen Entleerung,
Brennen und Juckreiz
Grad III von außen sicht- und tastbar,
lassen sich meist wieder in den After zurückdrücken,
Blutungen, Stuhlspur in der Wäsche, Schleimabgang
Grad IV liegen dauernd außen vor dem After und lassen sich nicht zurückschieben,
Nässen und Hautirritationen, Wundsein,
Stuhlabgang möglich
Hämorrhoidalleiden

Stellen Jucken und Brennen im Analbereich die Hauptsymptome dar, empfehlen sich Zubereitungen mit einem Lokalanästhetikum. Für die Selbstmedikation stehen Lidocain (zum Beispiel in Posterisan® akut Rektalsalbe oder Zäpfen) oder Quinisocain (zum Beispiel in Haenal® akut Creme) zur Verfügung. Wichtig: In der Schwangerschaft dürfen sie nur nach strenger Indikationsstellung abgegeben werden. Stehen Bluten und Nässen im Vordergrund, sind Zubereitungen mit Adstringenzien die geeignete Wahl, zum Beispiel mit basischem Bismutgallat (wie in Mastu® Salbe oder Zäpfchen) oder mit Hamamelisextrakt (zum Beispiel in Faktu® lind Salbe oder Zäpfchen oder Hametum® Hämorrhoidensalbe oder Zäpfchen). Darüber hinaus kann eine schonende Hautpflege mit weicher Zinkpaste die empfindliche Haut in der Analregion schützen.

Die Arzneimittel lindern rasch die akuten Symptome. Um erneuten Beschwerden vorzubeugen, helfen den Betroffenen zusätzliche Tipps. So stellt ein gestörtes Defäkationsverhalten eine häufige Ursache dar. Verstopfung mit zu starkem Pressen gehöre ebenso dazu wie eine häufige Entleerungsfrequenz bei länger andauerndem Durchfall, erläuterte Finke. Auch eine Ballaststoff-arme Ernährung kann ein Hämorrhoidalleiden begünstigen. Umgekehrt können eine Ballaststoff-reiche Ernährung beziehungsweise eine Ergänzung mit Indischen Flohsamen oder Leinsamen mit ausreichend Flüssigkeit zu einer langfristigen Besserung beitragen. Patienten, die an Verstopfung leiden, können Lactulose- oder Macrogol-Präparate helfen. Ziel ist in beiden Fällen eine geregelte Verdauung und ein weicher, geformter Stuhl.

Pilz zwischen den Zehen

Auch über Fußpilzerkrankungen sprechen Patienten nicht gern, doch ist ein rascher Behandlungsbeginn wichtig, damit sich der Pilz nicht weiter ausbreitet. Grundsätzlich unterscheide man drei Formen, erklärte Finke. Nur eine davon, die interdigitale Form, dürfe im Rahmen der Selbstmedikation behandelt werden. Diese erkennt man an Rötungen und Schuppungen meist zwischen dem kleinen Zeh und seinem Nachbarn oder dem dritten und vierten Zeh. Die Haut ist weißlich aufgequollen, auch Bläschen, Rhagaden und Juckreiz sowie Fußgeruch können auftreten.

Die Übertragung erfolgt über infizierte Hautschüppchen, meist über Schuhe oder Strümpfe, aber auch über Fußböden. Da die Sporen sehr widerstandsfähig sind, findet man sie an vielen Orten: etwa in Teppichen, Badezimmern oder in Saunen. Es gibt also viele Gelegenheiten, sich zu infizieren. Allerdings haben manche Personengruppen ein höheres Risiko. Dazu gehören Sportler, aber auch Schwangere. Auch bestimmte Erkrankungen – etwa Diabetes, eine Schwäche des Immunsystems oder Durchblutungsstörungen – begünstigen eine Infektion. Insgesamt trifft es Männer häufiger als Frauen und ältere Menschen häufiger als jüngere.

Als Mittel der ersten Wahl bei einer Fußpilzerkrankung nannte Finke die Wirkstoffe Terbinafin (wie in Lamisil® und Lamisil Once®) und Naftifin (wie in Exoderil®). Sie wirken fungizid, töten also Pilzzellen ab und hemmen nicht nur Wachstum und Vermehrung (fungistatische Wirkung). Bei Terbinafin reicht eine einmal tägliche Anwendung über sieben Tage aus. In der besonderen Zubereitungsform Lamisil Once® ist nur eine einzige Anwendung erforderlich. Wichtig sei, dass diese nur gecremt werden dürfe und nicht einmassiert, sagte Finke. Arzneimittel mit Bifonazol (wie in Canesten extra®) sind laut Finke Mittel der zweiten Wahl. Da Bifonazol lange in der Haut verbleibt, muss es wie Terbinafin nur einmal täglich angewendet werden. Allerdings muss die Behandlung konsequent über drei bis vier Wochen fortgeführt werden. Arzneimittel mit Clotrimazol (wie in Canesten®) stellen laut Finke Mittel der dritten Wahl dar. Sie müssen wie Bifonazol drei bis vier Wochen lang angewendet werden – allerdings zwei- bis dreimal täglich.

Auch die Arzneiform spielt eine wichtige Rolle. So eignen sich bei nässenden Pilzinfektionen Lösungen, Gels oder Puder besonders gut, bei trockenen Pilzinfektionen Cremes. Für Patienten mit Problemen, die Füße zu erreichen, sind Sprays eine sinnvolle Empfehlung. Wichtig ist stets, nicht nur die sichtbar befallenen Hautstellen zu behandeln, sondern 1 bis 2 cm darüber hinaus. In der Beratung und Empfehlung sollten nicht zuletzt die Vorlieben und besonderen Anforderungen des Patienten berücksichtigt werden. Ist er etwa berufstätig, empfehlen sich Arzneimittel, die nur einmal täglich angewendet werden müssen. Arzneimittel, die häufiger angewendet werden, sind allerdings meist preiswerter – ein wichtiger Aspekt bei schmaler Haushaltskasse. Wichtig ist in allen Fällen, dass die Pilzerkrankung rasch und konsequent behandelt wird.

Damit Kunden sich vor Fußpilz schützen, können PTA und Apotheker ihnen wichtige Zusatztipps geben. So sollte man nach dem Duschen oder Schwimmen die Füße stets gut abtrocknen, denn Feuchtigkeit erleichtert es den Pilzsporen, sich anzusiedeln und auszukeimen. Schuhe sollten luftdurchlässig und nicht zu eng sein. Insbesondere Diabetes-Patienten tragen häufig zu enges Schuhwerk, da sie Enge und Druck infolge einer Neuropathie nicht mehr wahrnehmen können. Schuhe sollten außerdem mehrmals täglich gewechselt werden und immer gut auslüften. Bade- und Hausschuhe reduzieren das Risiko, Sporen aufzusammeln. Sporen in Kleidung und Handtüchern reduziert man, indem man diese bei mindestens 60 °C wäscht oder einen entsprechenden Wäschespüler verwendet.

Freundliche Sachlichkeit und Fachwissen erleichtern es den meisten Kunden und Patienten, über ein Tabuthema zu sprechen. PTA und Apotheker können gezielt nachfragen, um rasch die wichtigen Informationen zu erhalten. So können sie dem Patienten unnötig lange Gespräche über ihre Erkrankung ersparen und dennoch eine sinnvolle Empfehlung und wichtige Zusatztipps anbieten.

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