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Sonnenschutz

Klotzen statt Kleckern

Die menschliche Haut verfügt über Schutzmechanismen, um Schäden durch UV-Strahlen abzuwehren. Sie reichen jedoch meist nicht aus, um beispielsweise einen Tag im Freibad ohne Sonnenbrand zu überstehen. Die Lösung für solche Fälle sind Sonnenschutzmittel. Doch viele Verbraucher tragen zu geringe Mengen davon auf und das auch noch zu selten.
Annette Immel-Sehr
07.06.2019
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Sonnenlicht besteht aus einem breiten Spektrum von Strahlen unterschiedlicher Wellenlänge: ultraviolette (UV-)Strahlung, sichtbares Licht und Infrarot-Strahlung. Das UV-Licht wird in kurzwellige, mittelwellige und langwellige Strahlung unterteilt (UV-C, UV-B und UV-A). UV-C-Strahlen gelangen kaum bis zur Erdoberfläche, da sie bereits von der Ozonschicht in der Atmosphäre absorbiert werden. UV-A- und UV-B-Strahlen jedoch sind für die menschliche Haut eine Gefahr.

Über zwei Mechanismen versucht sie, sich dagegen zu schützen: Zum einen steigt unter UV-Bestrahlung die Zellteilungsrate und die Hornschicht wird dicker (Lichtschwiele). Zum anderen werden vermehrt braune Hautpigmente (Melanin) in den Melanozyten gebildet. Das entstandene Melanin verteilt sich in der Haut und lässt sie bräunen. Nach den Wintermonaten ist die Haut blass und der Eigenschutz muss unter Einwirkung der Frühlingssonne erst wieder aufgebaut werden.

Menschen reagieren nicht gleich empfindlich auf UV-Strahlung. Das heißt, sie können eine unterschiedlich lange Zeit ungeschützt in der Sonne verbringen, ohne dass ein Sonnenbrand entsteht. Dermatologen unterscheiden in Mitteleuropa je nach Eigenschutzzeit vier Bräunungstypen: Typ I 10 bis 15 Minuten, Typ II etwa 20 Minuten, Typ III etwa 30 Minuten sowie Typ IV mit einer Eigenschutzzeit von 45 bis 60 Minuten.

Niedrige Schwelle

Wenn die Kapazität des körpereigenen Schutzsystems überschritten wird, verursachen UV-Strahlen Schäden an der Haut. UV-B-Strahlen können zu Sonnenbrand führen und die Zellkerne der Hautzellen so verändern, dass sich irgendwann Hautkrebs entwickelt. UV-A-Strahlen dringen tief in die Haut ein. Sie schädigen Bindegewebsfasern und reduzieren dadurch die Elastizität der Haut. Die Schwelle für solche Effekte liegt deutlich niedriger als die für einen Sonnenbrand.

Die Wirkung der UV-A-Strahlen ist nicht unmittelbar erkennbar, sondern macht sich erst viel später bemerkbar. Die Haut altert schneller. Zudem induzieren UV-A-Strahlen die Pigmentproduktion, was zu sogenannten Altersflecken führt. Schließlich können UV-A-Strahlen Hautkrebs mitverursachen. Insgesamt jedoch erhöhen UV-A-Strahlen das Hautkrebs-Risiko weniger stark als UV-B-Strahlen.

Sonnenschutzprodukte sollen vor UV-A- und UV-B-Strahlen schützen. Auf dem Markt gibt es eine Vielfalt von Präparaten in Form von Milch, Spray, Creme, Öl, Stift, Gel oder Schaum. Die Wirkung beruht auf Inhaltstoffen, die die UV-Strahlen der Sonne von der Haut fernhalten. Derzeit sind 27 chemische oder mineralische UV-Filter in der Europäischen Union (EU) zugelassen.

Chemische Filterstoffe sind organische Moleküle, die die Sonnenstrahlen absorbieren und die kurzwellige, energiereiche UV-Strahlung in langwellige, energiearme Strahlung umwandeln. Physikalische Filter wirken mithilfe von mineralischen Pigmenten wie Titandioxid und Zinkoxid, welche UV-Strahlen durch Streuung und Reflexion abschwächen. Pigmente dringen nicht in die Haut ein und sind daher gut verträglich. Der Nachteil ist, dass sie oft einen weißlichen Film auf der Haut hinterlassen.

Da die einzelnen Stoffe in der Regel keinen Schutz über das gesamte UV-Spektrum bieten, werden in der Regel mehrere Stoffe in einem Mittel verwendet. Durch die Kombination von mineralischen mit chemischen Filtern lässt sich der durch die Pigmente erzeugte weiße Schimmer schwächen. Produkte, die einen definierten Schutz vor UV-A-Strahlen aufweisen, dürfen in der EU mit dem »UV-A-Siegel« gekennzeichnet werden.

Besonders empfindlich: Kinder und Senioren

Der Lichtschutzfaktor (LSF), auch Sun Protection Factor (SPF) genannt, ist ein Richtwert für den Schutz, den ein Sonnenschutzpräparat vor UV-B-Strahlen bietet. Er entspricht dem Faktor, um den sich die Eigenschutzzeit bei ungebräunter Haut nach Auftragen des Präparates vervielfacht. Beispiel: Wendet jemand mit einer Eigenschutzzeit von 20 Minuten ein Sonnenschutzmittel mit dem LSF 15 an, verlängert sich seine »Schutzzeit« theoretisch um den Faktor 15 (20 Minuten x 15 = 300 Minuten). Da LSF-Werte im Labor bestimmt werden und die Versuchsbedingungen nicht ganz der Realität entsprechen, empfehlen Fachleute, die errechnete Zeitspanne sicherheitshalber um 30 Prozent zu verringern. Im Rechenbeispiel ergeben sich nach Bereinigung um den Sicherheitsabschlag von 30 Prozent (= 90 Minuten) 210 Minuten, die der Anwender ohne Sonnenbrand im Freien verbringen kann. Die errechneten Zeiten sind Richtwerte. Bei vorgebräunter Haut sind sie beispielsweise etwas länger. Gemäß der geltenden EU-Richtlinie gibt es vier Lichtschutzfaktor-Klassen: Basis (LSF 6 und 10), mittel (LSF 15, 20 und 25), hoch (LSF 30 und 50) sowie sehr hoch (LSF 50+).

Für die Auswahl eines geeigneten Produkts spielt neben dem Hauttyp die Strahlungsintensität eine Rolle. Sie ist beispielsweise im Hochgebirge oder am Meer wesentlich stärker als irgendwo in Mitteldeutschland. Auch die Tages- und Jahreszeit, Bewölkung und die Nähe zum Äquator sind für die Intensität des Sonnenlichts relevant. Je höher die Strahlungsintensität, umso höher sollte der gewählte LSF sein.

Kinder müssen besonders gut geschützt werden, da ihre Eigenschutzmechanismen noch nicht vollständig ausgebildet sind. Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend erhöhen deutlich das Risiko, später Hautkrebs zu entwickeln – auch deswegen ist ausreichender Schutz so wichtig. Babys und Kleinkinder sollten möglichst überhaupt nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden. Auch ältere Menschen sind empfindlicher gegenüber UV-Strahlung und brauchen deswegen einen höheren Schutz. Denn mit steigendem Alter sinkt die Effektivität zelleigener Reparatursysteme.

Wichtig ist, Sonnenschutz-Präparate 20 bis 30 Minuten vor dem Sonnenbad aufzutragen, da der Schutz erst langsam einsetzt. Bei manchen Produkten geben die Hersteller an, dass sie sofort wirksam sind. Durch eine spezielle Galenik lassen sich die Inhaltsstoffe leichter auf der Haut verteilen und bilden sofort einen zusammenhängenden Film.

Bei Sonnenschutzprodukten gilt: viel hilft viel. Das wissen viele Verbraucher nicht. Sie tragen das Produkt sparsam auf und sind dann leider nicht optimal geschützt. Wichtig ist auch, das Mittel nach einiger Zeit erneut aufzutragen, um den Sonnenschutz aufrecht zu erhalten. Denn durch Aufenthalt im Wasser, Abrieb und Schwitzen geht – auch bei wasserfesten Produkten – immer ein Teil verloren. Der Schutz sollte daher alle zwei Stunden erneuert werden. Das Nachcremen gleicht Verluste aus, verlängert jedoch die gesamte Verweildauer in der Sonne nicht. Als »wasserfest« dürfen Präparate bezeichnet werden, die nach zweimaligem Wasserkontakt von jeweils 20 Minuten noch mindestens die Hälfte des ursprünglichen Schutzes aufweisen.

Nicht in Sicherheit wiegen

Die Verwendung von Sonnenschutzmittel sollte nie zu einem leichtfertigen Umgang mit der Sonne führen. Denn selbst Sonnenschutzmittel mit hohen LSF bieten keinen vollständigen Schutz. Ein LSF von 60 – das ist der maximal mögliche Wert – lässt immer noch knapp zwei Prozent der Strahlung durch. Um den Körper optimal vor UV-Strahlen zu schützen, ist auch die Kleidung inclusive Kopfbedeckung und Sonnenbrille wichtig. Zudem gilt, intensive Mittagssonne zu meiden. Übrigens: Auch bei bewölktem Himmel und im Schatten treffen UV-Strahlen auf die Haut.

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