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Ab wann macht Nachrichtenkonsum uns krank?

Für viele gehören Nachrichten zum Alltag. Manche Menschen leiden jedoch unter ihrem News-Konsum. Hilft Betroffenen nur komplette Abstinenz oder gibt es einen anderen Ausweg?
dpa
29.08.2022  16:00 Uhr
Ab wann macht Nachrichtenkonsum uns krank?

Täglich prasseln Nachrichten über verschiedene Kanäle auf uns ein. Wir hören Schüsse in der Ukraine, sehen verheerende Waldbrände, lesen von Corona-Toten oder hohen Energiepreisen. Ein Klick führt zum China-Taiwan-Konflikt, der nächste zu einem schweren Verkehrsunfall im eigenen Viertel, dazwischen ploppt eine Eilmeldung auf.

Einige Menschen scrollen von morgens bis abends immer wieder durch die Nachrichten und kommen damit gut klar. Andere leiden unter ihrem News-Konsum und merken, dass er ihnen nicht gut tut. Zwischen dem zwanghaften Drang nach Nachrichten und Gesundheitsproblemen könnte es einer Studie zufolge einen Zusammenhang geben. Bei Menschen mit als problematisch eingestuftem Nachrichtenkonsum besteht demnach ein höheres Risiko für körperliche und psychische Probleme, wie eine Wissenschaftlerin und zwei Wissenschaftler im Fachmagazin »Health Communication« berichten.

Die Forschenden beschreiben einen »problematischen Nachrichtenkonsum« anhand diverser Kriterien: Betroffene überprüfen Nachrichten etwa unkontrolliert, können sich schwerer von ihnen lösen oder denken auch später noch viel über das Gelesene nach. Die Welt erscheine ihnen oft als »ein dunkler und gefährlicher Ort«, sagte Bryan McLaughlin von der Texas Tech University, einer der Autoren. Corona-Pandemie, Klimawandel, politische Konflikte: »Bei manchen Menschen können solche Ereignisse in den Nachrichten einen ständigen Alarmzustand auslösen.«

»Bei manchen Menschen können solche Ereignisse in den Nachrichten einen ständigen Alarmzustand auslösen.«
Bryan McLaughlin, Texas Tech University

Um zu erforschen, ob es einen Zusammenhang zwischen problematischem Nachrichtenkonsum und Gesundheit gibt, werteten die Forschenden Daten einer Online-Umfrage unter 1100 Erwachsenen in den USA aus. Dabei ging es um den Medienkonsum, aber auch körperliche Beschwerden und psychische Probleme wie Stress und Ängste.

Die Ergebnisse zeigten, dass 16,5 Prozent der Befragten Anzeichen eines »sehr problematischen Nachrichtenkonsums« aufwiesen. Sie hatten der Analyse zufolge merklich häufiger psychische oder körperliche Erkrankungen. Die Autoren geben dabei aber zu bedenken, dass aus den Daten nicht ersichtlich sei, ob der Medienkonsum tatsächlich die Ursache für die Probleme ist oder ob andere Faktoren dafür eine Rolle spielen.

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