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Abgeflachter Hinterkopf bei Säuglingen

Meist kosmetisches Problem

Zwar machten sich Eltern häufig Sorgen, wenn das Kopfwachstum ungleichmäßig erfolgt, berichtet Rödl aus seiner täglichen Praxis. Sie befürchten Störungen der Kiefergelenke oder Probleme der Augenstellung und des Hörens. »Diese Befürchtungen sind jedoch in der Regel unbegründet.« Aus wissenschaftlicher Sicht gebe es keinen direkten Zusammenhang zwischen Schädelform und Folgeschäden. »Meist handelt es sich um ein rein kosmetisches Problem, für das es zahlreiche natürliche Behandlungsmethoden gibt.« Zumal sich die Schädelverformung bei den allermeisten Babys wieder zurückbilde, sobald sie mit etwa sechs Monaten ihren Kopf selbstständig kontrollieren könnten.

Sind die Auffälligkeiten und damit die Sorgen der Eltern in den ersten Monaten sehr groß, hält er einen Besuch bei einem Kinderorthopäden für sinnvoll. Wenn nötig, könnten dann Krankengymnastik oder Chirotherapie verordnet, aber auch hilfreiche Eigenübungen gezeigt werden. Bei sehr ausgeprägten Deformitäten oder wenn das Kind aufgrund einer Entwicklungsstörung in einer Zwangshaltung liegt, kommt eventuell eine Therapie mit einer sogenannten Helmorthese in Frage. Dabei trägt das Baby einen mit einem Klettverschluss versehenen Helm aus weichem Plastik, der an den Stellen, an denen der Schädel abgeflacht ist, Hohlräume schafft. In der Liegeposition werden die Stellen so entlastet.

»Meist handelt es sich um ein rein kosmetisches Problem, für das es zahlreiche natürliche Behandlungsmethoden gibt.«
Professor Dr. Robert Rödl, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und Präsident der Vereinigung für Kinderorthopädie (VKO)

Einen solchen Helm anzupassen, sei sehr aufwendig, erläutert der Kinderorthopäde. »Da wird der Kopf gescannt und ein 3-D-Modell gebaut, an das der Helm dann angepasst wird. Das Ganze kostet um die 2500 Euro.« Eine Kassenleistung ist eine solche Behandlung nicht, denn die Indikation ist in den allermeisten Fällen rein kosmetisch und nicht medizinisch. »Aber ich führe die Helmbehandlung durch, wenn Eltern dies für ihr Kind aus kosmetisch-ästhetischen Gründen wünschen und es sie beruhigt. Sie hat ja keinerlei Nebenwirkungen, weder körperlich noch psychisch«, sagt Rödl. Im Grunde könne man die Helmbehandlung mit einer Zahnspange vergleichen. »Die trägt heute auch fast jedes Kind, obwohl sie medizinisch längst nicht immer nötig ist.«

Pädiaterin Brunnert sieht das nicht ganz so entspannt. Schließlich müsse der Helm Tag und Nacht getragen werden. Das führe bei nicht wenigen Babys zu Schwitzen und Juckreiz und erschwere auch das gemeinsame Kuscheln: »Wange an Wange mit dem Säugling, das ist mit so einem Helm nur eingeschränkt möglich.« Für sinnvoll hält sie die Helmtherapie nur in wenigen Fällen mit ausgeprägten Kopf-Deformationen.

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