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Übergewicht

Abhängig von Nahrungsmitteln?

Adipöse Menschen konsumieren Nahrungsmittel zum Teil aus ähnlichen Motiven wie Suchterkrankte ihre Substanz. Zu diesem Schluss kommt eine Übersichts­arbeit in der Fachzeitschrift »Suchttherapie«. Offenbar sind bei einer Subgruppe adipöser Patienten mehrere Kriterien­ einer Abhängigkeitserkrankung erfüllt.
Annette Immel-Sehr
06.03.2019
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Dazu gehört das »Craving« – der starke Wunsch oder Zwang zum Essen, der insbesondere durch fett- und kohlenhydrat­reiche Nahrungsmittel ausgelöst wird. Des Weiteren zeigt sich eine eingeschränkte Kontrollfähigkeit in Bezug auf die Nahrungsmenge.

»Wie von Suchterkrankten bekannt, könnte auch bei adipösen Patienten eine Toleranzentwicklung in Bezug auf die Sättigung vorliegen«, resümiert der Autor, Privatdozent Dr. Jan Malte Bumb. Neben der Vergrößerung des Magens spielt dabei die nachlassende Wirkung von Leptin eine Rolle. Wissenschaftler fanden bei Adipösen mittels funktioneller Magnetresonanztherapie ähnliche Hirnveränderungen wie bei substanzabhängigen Patienten – vor allem in Bereichen, die Selbstkontrolle und Entscheidungsfindung regeln. »Hirnforscher gehen davon aus, dass dort der Grund für die Impulsivität und Zwanghaftigkeit zu finden ist, die sowohl den Konsum abhängigkeitserzeugender Substanzen als auch die wiederkehrenden Heißhungeranfälle und die Größe der eingenommenen Mahlzeit bei adipösen Pa­tienten kennzeichnen«, ­erklärt Bumb.

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