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Methode nach Vorlieben

Abnehmen bei Typ-2-Diabetes wirkt

Menschen, die noch nicht lange an Typ-2-Diabetes leiden und übergewichtig sind, können die Erkrankung allein mit einer Gewichtsreduktion in den Griff bekommen. Was ist die beste Methode: Low-Carb, Low-Fat oder Formula-Diät?
Juliane Brüggen
12.01.2022  10:00 Uhr

Die Praxisempfehlungen der DDG zur Ernährung von Personen mit Typ-2-Diabetes wurden im November 2021 aktualisiert. »Die Empfehlungen zur Gewichtsreduktion und Ernährungsweise bei Diabetes Typ 2 sind insgesamt unkomplizierter und individueller«, sagt Professor Dr. Andreas Neu, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), laut einer Mitteilung der Gesellschaft. Was nicht mehr relevant ist: exakte Verzehrvorgaben für Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß oder die Maßgabe, bei eingeschränkter Nierenfunktion auf Eiweiß zu verzichten. 

Vielmehr bedarf es bei adipösen Menschen mit Typ-2-Diabetes laut DDG eines frühen Starts mit dem Abnehmen. Schaffen sie es, mindestens 15 Kilogramm abzunehmen, könne es sogar zu einer vollständigen Remission kommen. »Die DiRECT-Studie aus England zeigt, dass 86 Prozent der Personen, die tatsächlich eine Gewichtsreduktion von mindestens 15 Kilogramm erreicht hatten, eine Diabetesremission erfuhren«, berichtet Professor Dr. Diana Rubin, Vorsitzende des Ausschusses Ernährung der DDG. Die Erkrankung durfte dafür aber nicht länger als sechs Jahre andauern.

Welche Methode ist die richtige?

Die Abnehmstrategie müsse vor allen anderen Dingen zur Person passen und sich nachhaltig in den Alltag integrieren lassen, so Rubin weiter. Sehr gute Effekte liefere eine kohlenhydratarme Ernährungsform (Low Carb). Die Low-Fat-Diät zeige mittelfristig ähnliche Ergebnisse. »Soll keine bestimmte Diät eingesetzt werden, so sind für das Diabetesmanagement mediterrane, vegetarische oder vegane Ernährungsmuster gleichermaßen geeignet«, empfiehlt die Ernährungsmedizinerin.

Wer mit einem schnellen Erfolg starten möchte, kann auf Formula-Diäten zurückgreifen. Diese sind ein vollwertiger Mahlzeitenersatz. Der Effekt auf die Diabetesremission ist der DDG zufolge wissenschaftlich belegt. So konnten in einer Studie fast 50 Prozent der übergewichtigen Diabetespatienten eine Remission erzielen, wenn sie zunächst über drei bis fünf Monate eine Formula-Diät mit einem Kaloriengehalt von 825 bis 852 kcal pro Tag einhielten. Die Remission hielt teilweise sogar länger als zwei Jahre an.

Zu neueren Ernährungstrends wie nordischer oder makrobiotischer Ernährung, DASH- oder Paleo-Diät können die Experten noch keine gesicherten Aussagen treffen. Um die richtige Strategie zu finden, empfiehlt das Team der DDG eine individualisierte Ernährungsberatung, gegebenenfalls auch Unterstützung durch eine App auf Rezept. Wenn es mit dem Abnehmen gar nicht funktioniert, seien bariatrische Operationen eine valide Option.

Bewegung und frische Zutaten helfen

Beim Abnehmen hilft bekanntermaßen regelmäßige körperliche Aktivität – auch mit geringer Intensität, wie Rubin betont. »Schnelles Spazierengehen nach dem Essen hilft definitiv beim Abnehmen.«

Die verwendeten Lebensmittel sollten außerdem unverarbeitet und naturbelassen sein. Für Kohlenhydrate empfiehlt die Expertin bevorzugt Vollkornprodukte, stärkearme Gemüsesorten, Hülsenfrüchte und Nüsse. »Hafer enthält besonders gesunde Kohlenhydrate, die günstig auf den Blutzuckerspiegel wirken«, so Rubin. Zuckerarmes Obst punkte vor allem mit Blick auf den Ballaststoffgehalt. Unbedenklich sei Süßstoff in üblichen Mengen und ein mäßiger Alkoholkonsum, wenn der Stoffwechsel gut eingestellt ist.

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