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Schutz und Verhalten nach dem Stich

Acht Tipps gegen Zecken

Der Ausflug ins Grüne, die Wanderung im Wald – so nehmen sich viele Menschen eine Auszeit. In wärmeren Monaten sind aber Zecken auf der Lauer, etwa im hohen Gras oder Gebüsch. Wie man sich schützt und nach einem Stich verhält.
dpa
27.06.2022  12:00 Uhr

Zecken übertragen Krankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Wie schützt man sich am besten vor den Tieren – und was ist nach einem Biss zu tun? Zwei Expertinnen geben Tipps.

Tipp 1: Wissen, wo man Zecken begegnet

»Unsere heimischen Zecken halten sich gerne im hohen Gras, Gebüsch, losen Laub und in nicht zu trockenen Wäldern auf«, sagt die Hausärztin und Notfallmedizinerin Michaela Geiger aus Neckarsulm. Meist streift man sie im Vorbeigehen ab. »Insofern lauten die Schutzregeln: Festes Schuhwerk tragen, lange Hosen in die Socken stecken und sich nach dem Aufenthalt in der Natur am ganzen Körper gründlich absuchen.«

Kinder sollten außerdem einen Hut tragen. Denn: Zecken können etwa im Gebüsch auf eine gewisse Höhe hinaufklettern. Ratsam ist auch, sich darüber zu informieren, ob man in einem FSME-Risikogebiet unterwegs ist. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) zählen dazu derzeit 175 Landkreise, die meisten davon in Bayern und Baden-Württemberg.

Tipp 2: Sich nicht auf Insektensprays verlassen, sondern Maßnahmen kombinieren

Mücken- oder Zeckensprays seien nur bedingt nützlich, sagt die Tropenmedizinerin Kristina Huber vom LMU Klinikum München. »Sie helfen gut gegen Mücken – dass sie aber genauso gut gegen Zecken helfen, ist nicht nachgewiesen.« Für den bestmöglichen Schutz sorgt eine Kombination verschiedener Maßnahmen: eine Impfung gegen FSME, lange Kleidung, ein Zeckenspray mit dem Wirkstoff Permethrin – gesprüht auf Haut und Stoff.

Ebenso wichtig wie die Vorbereitung ist die Nachbereitung – also das gründliche Absuchen des Körpers. Wichtig: »Da man Rücken und Kniekehlen nicht so gut einsehen kann, hilft es, sich beim Absuchen gegenseitig zu unterstützen«, sagt die Notfallmedizinerin Geiger. Auch die Körperfalten im Intimbereich sowie die Bereiche hinter den Ohren und unter den Achseln sollte man dabei nicht vergessen.

Tipp 3: Helle Kleidung wählen – und doppelt profitieren

»Auf heller Kleidung lässt sich eine Zecke, die ja in der Regel dunkel ist, eher entdecken«, sagt Hausärztin Geiger. Wer sich in der Natur in hellen Farben kleidet, kann sich übrigens auch tagaktive Mücken vom Leib halten. Laut Tropenmedizinerin Huber sprechen die nämlich eher auf dunkle Farben an.

Tipp 4: Zeckenbiss? Nicht in Panik und Eile verfallen

Und wenn es doch zu einem Zeckenbiss gekommen ist? Der Rat von Notfallmedizinerin Michaela Geiger: Ruhe bewahren. »In der Regel hat man ausreichend Zeit, die Zecke zu entfernen.« Bei Borreliose muss die Zecke eine gewisse Zeit an der Haut saugen, ehe sie Borrelien an den menschlichen Organismus abgibt. »Wenn man die Zecke in weniger als zwölf Stunden entfernt, hat man in der Regel nichts zu befürchten«, sagt Geiger.

Etwas anders sieht es bei FSME aus. Die Erkrankung wird bei einem Zeckenbiss deutlich schneller übertragen. Sie ist aber auch deutlich seltener: Nach Angaben des RKI tragen nur 0,1 bis 5 Prozent der Zecken in Risikogebieten FSME-Viren in sich. In aller Regel bleibt aber Zeit um zur Apotheke gehen, um sich Werkzeug zum Entfernen der Zecke zu kaufen. Vorteil von Zeckenhaken, -karten oder -zangen: Dank ihnen lässt sich die Zecke langsam und kontrolliert entfernen. Anschließend desinfiziert man die Wunde am besten.

Tipp 5: Besser nicht auf Öl oder Butter setzen

Manchmal hat man kein spezielles Werkzeug parat – und auch keine Apotheke in der Nähe. Von Hausmitteln sollte man dann besser die Finger lassen. Kristina Huber nennt ein Beispiel: »Früher hieß es, man solle die Zecke mit Öl oder Butter einreiben, damit sie keine Luft mehr bekommt und loslassen muss.« Das stimmt nach Aussage der Infektiologin zwar, birgt aber die Gefahr, dass die Zecke – falls sie FSME-Viren oder Borrelien mitbringt – die Erreger durch die Reibung erst recht ausspuckt. »Daher ist von dieser Methode dringend abzuraten«, sagt Huber.

Tipp 6: Nicht quetschen

Im Notfall lässt sich die Zecke auch mit den Fingern entfernen. »Wichtig ist, dass man die Zecke nicht quetscht oder dreht, da sie sonst Erreger eher an den menschlichen Organismus abgibt«, sagt Geiger. »Viele haben Angst, dass sie den Körper der Zecke zwar entfernt haben, deren Kopf beziehungsweise Stechapparat aber noch in der Haut steckt«, so die Medizinerin. Auch hier gilt: kein Anlass zur Panik. Denn die Übertragung der Borrelien allein über den Kopf funktioniert nicht – diese befinden sich im Darm der Zecke. Wer sich nicht sicher ist, die ganze Zecke entfernt zu haben, kann zur Sicherheit die Hausärztin oder den Hausarzt aufsuchen.

Tipp 7: Stelle des Zeckenbisses beobachten

»Wenn man von einer Zecke gestochen wurde, ist es prinzipiell wichtig, die Stelle während vier bis sechs Wochen zu beobachten«, sagt Geiger. Man kann sich das Datum des Stichs notieren und die Einstichstelle markieren. So lasse sich die lokale Bewegung der Entzündung gut verfolgen. »Manchmal wird man gestochen und die Haut wird an der Stelle etwas rot, was vollkommen normal ist«, sagt Geiger. Oft verschwinde die Rötung nach ein paar Tagen wieder, ohne dass eine Infektion erfolgt ist.

Übrigens: Borreliose- und FSME-Symptome lassen sich gut voneinander unterscheiden. Bei Borreliose tritt als erstes Anzeichen klassischerweise die sogenannte Wanderröte auf. »Die Einstichstelle in der Mitte blasst ab. Darum herum entsteht ein sich ausweitender roter Hof«, beschreibt Geiger. Der randbetonte Kreis kann sich dabei bis zu einem Durchmesser von 10 bis 20 Zentimeter vergrößern. Eine Borreliose lässt sich mit Antibiotika gut behandeln. Eine FSME-Infektion beginnt laut Huber meist mit unspezifischen Krankheitszeichen wie Kopf- und Gliederschmerzen oder auch Fieber. Oft folge ein symptomfreies Intervall von knapp einer Woche, ehe dann eine Gehirnhaut-, Gehirn- oder Nervenentzündung einsetze.

Tipp 8: Keine Sorge vor der Hyalomma-Zecke haben

Viele haben womöglich schon von ihr gelesen – der Hyalomma-Zecke. Doch ist sie wirklich auf dem Vormarsch und auch in Deutschland eine Gefahr? Die Hyalomma-Zecke kommt vor allem in tropischen Ländern vor. In Europa wird sie vor allem in südlichen Lagen in besonders heißen Sommern gemeldet. »Sie wandern, indem sie sich an Zugvögel hängen – so gelangen sie nach Europa«, so Tropenmedizinerin Huber. Die Hyalomma-Zecke ist deutlich größer als heimische Zecken und hat gestreifte Beine. »In Deutschland treten sie äußerst selten auf«, sagt Huber. Sorge haben muss man daher nicht. Hierzulande sei es immer noch weitaus wahrscheinlicher, von einer der heimischen Zecken gebissen zu werden, so Huber.

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