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Eingangskontrollen einfacher

Änderungen im DAC/NRF

Die DAC/NRF-Sommerlieferung 2020/1 ist erschienen und erweitert die Auswahl an Otologika um eine neue Rezepturvorschrift. Zudem ermöglichen neue Prüfvorschriften für die Eingangsprüfungen der Rezeptursubstanzen das schnelle Identifizieren bei der Eingangskontrolle.
Christian Diaz Flores
Jalil Djahani
15.07.2020  15:30 Uhr

Zur alternativen Identifizierung von zwölf Ausgangsstoffen wurden Prüfverfahren in das DAC/NRF-Werk neu aufgenommen. Unter den Ausgangsstoffen befinden sich der ACE-Hemmer Enalaprilmaleat und der Calcineurinhemmer Tacrolimus-Monohydrat, für die das Europäische Arzneibuch bisher nur die Identifizierung mittels IR-Spektroskopie beschreibt. So können Apotheken nun auf eine kostengünstige und schnelle Alternative zurückgreifen.

Die Überarbeitung der alternativen Prüfverfahren zum Buchstaben B ist abgeschlossen. Alle Stoffe, die dünnschichtchromatographisch nach der DAC-Probe 11 (5 x 7,5 cm DC-Platten) identifiziert werden konnten, lassen sich künftig wahlweise stattdessen nach DAC-Probe 10 (5 x 5 cm HPTLC-Platten) prüfen. Dabei wird stets darauf geachtet, dass die Durchführung der Prüfung möglich ist. Die einzige Ausnahme bisher ist Atropinsulfat, das sich nicht nach DAC-Probe 10 identifizieren lässt.

Neben den redaktionellen Änderungen des Buchstaben B wurden die Prüfanweisungen der »Alternative Identifizierung« weiterer wichtiger Rezeptursubstanzen revidiert. Miconazolnitrat steht stellvertretend für eine Reihe von Ausgangsstoffen, die mit dem Europäischen Arzneibuch harmonisiert wurden.

Die »2. Reihe« des Europäischen Arzneibuchs sah bis zur Ausgabe 9.7 den Nitratnachweis (2.3.1) und die Dünnschichtchromatographie (2.2.27; DC) vor. Zwischenzeitlich wurde die DC durch die kombinierte Bestimmung der Schmelztemperatur und der Mischschmelztemperatur ersetzt. Dieses bewährte Verfahren ist in der DAC-Probe 3 näher beschrieben und wird nun wieder verstärkt im Europäischen Arzneibuch eingesetzt. Im Gegenzug werden die Prüfvorschriften der Alternativen Identifizierung, die die Bestimmung des Mischschmelzpunktes vorschreiben, schrittweise auf zwei Grad Celsius absolute Differenz zwischen Schmelztemperatur der Prüfsubstanz und Schmelztemperatur der Mischung aus Prüf- und Vergleichssubstanz angepasst. Die Ausweitung der Akzeptanzgrenzen gilt als unkritisch.

Neue Rezepturvorschrift

Die NRF-Vorschriften werden mit der Miconazol-Lösung 5 mg/ml (NRF 16.6.) erweitert. Diese wird bei Ohrmykosen, auch mit Trommelfelldefekten und potenzieller Beteiligung des Mittelohrs, in den Gehörgang instilliert. Die nicht konservierten Ohrentropfen sind als sterile Einzeldosen konzipiert, nicht verbrauchte Restmengen dürfen nicht aufbewahrt werden und sind zu verwerfen. Die empfohlene Abpackungsmenge ist deshalb auf fünf Milliliter je Dosis begrenzt. Essenziell ist auch der Hinweis, dass Miconazol-Base zwar in der Bezeichnung die Stärke angibt, aber nicht ohne Weiteres beim Pharmagroßhandel als Rezeptursubstanz bezogen werden kann. Daher ist die Verwendung von Miconazolnitrat in äquivalenter Menge vorgesehen. Trotz ungenügender Wasserlöslichkeit kann es unter pH-Korrektur mithilfe des Solubilisators Macrogol-35-glycerolricinoleat in Lösung gebracht werden.

In einigen redaktionell überarbeiteten Rezepturvorschriften sind die NRF-Stammzubereitungen S. 26. und S. 39. modifiziert worden. Neben der bisherigen Rezepturformel dieser Dermatika-Grundlagen ist eine weitere Zusammensetzung mit gleichen Eigenschaften im NRF angegeben. Dabei bleiben Emulgatormenge, Herstellungsschritte, Inprozessprüfungen und Gebrauchseigenschaften identisch. Allein die Zusammensetzung des Emulgators unterscheidet sich – und hier im Wesentlichen nur im Ethoxylierungsgrad der hydrophilen Komponente. Die zusätzliche Formulierung stellt bei Bezugsproblemen des bereits in der DDR verwendeten Emulgators eine Alternative zur Verfügung.

Hinzu kommt die Wässrige Methylrosaniliniumchlorid-Lösung 0,1 % / 0,3 % / 0,5 % (NRF 11.69.). Sie gehört zu den wenigen Farbstoff-Lösungen, die heutzutage noch hergestellt und bei Hautinfektionen angewendet werden können. Die NRF-Vorschrift ergänzt die 0,3-prozentige Lösung mit dieser weiteren, in der Praxis üblichen Konzentrationsstufe. Herstellungstechnisch betrachtet kann der Wirkstoff trotz schlechter Wasserlöslichkeit mithilfe von Wärme in Gereinigtem Wasser gelöst werden. Bei Bezugsproblemen der Rezeptursubstanz kann die vorgefertigt zu beziehende 0,5-prozentige Methylrosaniliniumchlorid-Lösung in Betracht gezogen werden, mit der sich die 0,1- und 0,3-prozentige Methylrosaniliniumchlorid-Lösung herstellen lassen.

DAC/NRF-Tools

Die Rechenhilfe »Zäpfchen und Vaginalzäpfchen: Ansatzberechnung/Inprozessprüfung« ist in der Ansatzberechnung erweitert und übersichtlicher strukturiert worden. Konnten zuvor neben der Grundlage nur zwei Wirk- beziehungsweise Hilfsstoffe eingetragen werden, so ermöglicht die Aktualisierung nun die Berechnung mit bis zu vier Wirk- beziehungsweise Hilfsstoffen.

Des Weiteren ist das Layout des Tools zum Waagenmanagement »Mindesteinwaage ermitteln und prüfen« dem der anderen DAC/NRF-Rechenhilfen angeglichen. Unter der präzisierten Bezeichnung »Bestimmung der Mindesteinwaage bei Rezepturwaagen« enthält es zum einen das Formblatt zur Rohdatenerfassung und zum anderen die EXCEL®-Rechenhilfe. In den Allgemeinen Hinweisen I.2.9. »Wägen in der Apotheke« im DAC/NRF-Werk wird im Abschnitt I.2.9.3. die Mindesteinwaage erklärt. Diese ist individuell für jede Waage und üblicherweise für Rezepturzwecke und für die Analytik differenziert zu bestimmen.

Weitere Änderungen

Der pharmakologische Kommentar der überarbeiteten DAC-Monographien wurde neugestaltet. Die Monographien der Wirkstoffverreibungen enthalten in der neuen Kategorie »Medizinische Verwendung« eine kurze Übersicht über gängige Konzentrationen und Höchstkonzentrationen sowie die Einordnung der Wirkstärke im Falle der topischen Glucocorticoide.

Gestrichen wurde die alternative Identifizierung von Bufexamac. Aufgrund häufiger Kontaktallergien steht es auf der Liste der bedenklichen Arzneistoffe und darf nicht mehr in Rezepturarzneimitteln verarbeitet werden. Ebenfalls gestrichen wurden die DAC-Monographien Besenginsterkraut und Dexamfetaminhemisulfat, da diese in das Homöopathische Arzneibuch beziehungsweise in das Europäische Arzneibuch aufgenommen wurden. Die Prüfanweisungen nach der alternativen Identifizierung bleiben jedoch bestehen, im Falle von Besenginsterkraut auch die farbigen Abbildungen. Hinweis: Das HAB führt die Stoffe mit ihrem lateinischen Namen – Besenginsterkraut wird künftig unter Cytisus scoparius geführt.

Thalidomid ist nicht mehr als Rezeptursubstanz erhältlich. In Konsequenz entfallen die betroffenen Rezepturvorschriften NRF 32.1. (Suspension) und NRF 32.2. (Kapseln) sowie die NRF-Vorschrift (S. 32.) über das Thalidomid-Rezepturkonzentrat 50 Prozent. Die Rezepturformeln sind jedoch, wie üblich mit entsprechend geändertem Kommentar, weiterhin im Rezepturenfinder ersichtlich.

Die vollständige Übersicht aller Texte, die neu aufgenommen, bearbeitet oder gestrichen wurden, kann dem Vorwort und einem PDF-Dokument auf der DAC/NRF-Startseite entnommen werden.

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