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Verhütung

Ärzte verordnen häufig risikoreiche Pillen-Präparate

Orale Kontrazeptiva mit höherem Thromboserisiko werden immer noch zu oft verschrieben. Das hat eine neue Analyse der AOK gezeigt. Insgesamt zeichne sich jedoch ein positiver Trend ab: Immer mehr Frauen verzichten auf die Pille als Verhütungsmethode.
PZ
24.08.2020  08:47 Uhr

Vor zehn Jahren nahm noch fast jede zweite gesetzlich versicherte junge Frau im Alter bis zu 22 Jahren ein hormonelles Kontrazeptivum ein (46 Prozent). 2019 war es nicht einmal mehr jede Dritte (31 Prozent). Das sind noch einmal vier Prozentpunkte weniger als im Vorjahr – »und das, obwohl die Altersgrenze für die Verordnung der Pille auf Kosten der GKV Mitte 2019 von 20 auf 22 Jahre angehoben worden ist«, bemerkt der AOK-Bundesverband in einer Pressemitteilung zu einer neuen Analyse seines wissenschaftlichen Instituts (WIdO).

Dabei wurden die Daten der Frauen ausgewertet, die Medikamente zur Verhütung auf Rezept bekamen. Seit Ende Juli 2019 müssen die Krankenkassen die Kosten bis zum vollendeten 22. Lebensjahr erstatten. Vorher lag die Erstattungsgrenze beim vollendeten 20. Lebensjahr. Ältere Frauen bekommen »die Pille« auf Privatrezept, was von den Krankenkassen nicht erfasst wird.

Der Rückgang der Verordnungen könne mit einem stärkeren Bewusstsein dafür zu tun haben, dass die Pille kein Lifestyle-Präparat ist, sondern in den Hormonhaushalt eingreift und auch Nebenwirkungen haben kann, vermutet Dr. Eike Eymers, Ärztin bei der AOK. So habe eine dänische Studie kürzlich auch auf ein höheres Risiko für Depressionen gerade bei jungen Erstanwenderinnen hingewiesen.

Gerade diesen jungen Frauen sollen Gynäkologen ein Präparat mit verhältnismäßig niedrigem Risiko für Thrombosen und Thromboembolien verordnen, also ein Präparat der älteren Generation. Eine entsprechende Empfehlung hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bereits 2014 gegeben. Viele Frauenärzte scheinen sich daran zu halten. So sei insgesamt der Verordnungsanteil der kombinierten oralen Kontrazeptiva mit einem höheren Risiko im Laufe der vergangenen zehn Jahre deutlich zurückgegangen, von 72 Prozent im Jahr 2009 auf 54 Prozent in den Jahren 2018 und 2019.

»Das ist insgesamt ein positiver Trend«, urteilt Eymers. »Allerdings haben sich die Verordnungsanteile der risikoreicheren Präparate in den letzten beiden Jahren nicht mehr nennenswert verringert. Immerhin bekomme noch mehr als die Hälfte der Frauen immer noch Wirkstoffe mit einem erhöhten oder unklaren Risiko für die Bildung von venösen Thromboembolien. Dabei gab es einen leichten Unterschied zwischen den Frauen bis 20 Jahren (52 Prozent) und den 21- und 22-Jährigen (59 Prozent). Das sieht die AOK-Ärztin als positives Zeichen: »Offenbar setzen die Ärztinnen und Ärzte bei den jungen Erstanwenderinnen verstärkt auf Arzneimittel, deren niedrigeres Risiko aus Langzeitstudien bekannt ist.«

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