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Straßenverkehr

Alkohol – unterschätzte Gefahr am Steuer

Alkohol ist ein gesellschaftlich akzeptiertes Genussmittel und gehört für viele Menschen zu einem geselligen Abend dazu. Einige Autofahrer unterschätzen jedoch die Auswirkung ihres Alkoholkonsums auf die Fahrtüchtigkeit.
Carina Steyer
20.02.2020  13:00 Uhr

Schon ab 0,1 Promille werden Entfernungen falsch eingeschätzt. Ab 0,2 bis 0,3 Promille verlängert sich die Reaktionszeit, die Bereitschaft für riskantes Fahren steigt und erste Beeinträchtigungen der Sehleistung treten auf. Ab 0,5 Promille ist die Sehleistung um etwa 15 Prozent vermindert und das Hören beeinträchtigt. Es tritt eine Rotlichtschwäche auf, durch die der Fahrer Farben mit großem Rotanteil nicht mehr richtig erkennen kann. Rote Ampeln oder die Bremslichter voranfahrender Fahrzeuge werden nicht mehr richtig oder als weiter entfernt wahrgenommen.

Autofahrer reagieren zudem deutlich langsamer, schätzen Geschwindigkeiten falsch ein und sind risikobereiter. Die Gefahr, nun in einen Unfall verwickelt zu werden, ist doppelt so hoch wie im nüchternen Zustand. Ab 0,8 Promille ist die Konzentrationsfähigkeit stark eingeschränkt und es kommt zum Tunnelblick. Die Reaktionszeit ist um 30 bis 50 Prozent verlängert, dazu treten Gleichgewichtsstörungen, Enthemmung und Überschätzung auf. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Unfall beteiligt zu sein, ist nun viermal so hoch wie im nüchternen Zustand. Bei Blutalkoholwerten zwischen 1 und 2 Promille verschlechtert sich das räumliche Sehen deutlich. Hinzu kommen Sprech-, Reaktions-, Gleichgewichts- und Orientierungsstörungen. Bei 1,1 Promille ist die Gefahr für einen Unfall bereits zehnmal so hoch wie im nüchternen Zustand.

Wie hoch die Alkoholmenge im eigenen Blut nach einem Glas Sekt, Bier oder Wein tatsächlich ist, lässt sich ohne Blutuntersuchung nur ungefähr ermitteln. Eine Möglichkeit liefert die Widmark-Formel: Die aufgenommene Alkoholmenge wird durch die Flüssigkeitsmenge im Körper dividiert. Etwas leichter geht die Berechnung mit Online-Promillerechnern, zum Beispiel von der BZgA-Kampagne »Alkohol? Kenn dein Limit.« (www.kenn-dein-limit.de/selbst-tests/online-promillerechner). Die Experten weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass Promillerechner nur ungefähre Werte liefern, die nicht dafür geeignet sind, die eigene Fahrtüchtigkeit abzuschätzen. Faktoren wie die Trinkgeschwindigkeit, der Mageninhalt und der Alkoholabbau im Körper werden nicht berücksichtigt, bestimmen aber die tatsächliche Blutalkoholkonzentration mit. Wer also auf Nummer sicher gehen will, trinkt am besten gar keinen Alkohol, wenn er noch Auto fahren muss.

Weniger Unfälle

Seit 1975 erfasst das Statistische Bundesamt in Deutschland Alkoholunfälle, bei denen Personen zu Schaden gekommen sind. Dabei zeigt sich insgesamt ein deutlicher Rückgang der Unfälle, obwohl in dieser Zeit die Zahl der Autos und die Menge der zurückgelegten Kilometer stark zugenommen hat. Für das Jahr 2018 wird die Zahl mit 13934 angegeben, 1975 waren es einschließlich der ehemaligen DDR 51.593.

Typischerweise ereignen sich Alkoholunfälle innerhalb von Ortschaften (67,7 Prozent) und auf Landstraßen (28,1 Prozent). Oft passiert es auf freien Strecken aufgrund eines Kontrollverlustes über das Auto. Die bei nichtalkoholisierten Fahrern häufigeren Unfälle an Kreuzungen und Abbiegungen kommen bei alkoholisierten Fahrern hingegen nur selten vor. Dies deute darauf hin, dass alkoholisierte Fahrer an den ihnen bekannten Gefahrenstellen, besonders vorsichtig fahren, sich aber auf freien Strecken überschätzen, schlussfolgern die Experten des Statistischen Bundesamtes nach Auswertung der Daten. Auch in der Tageszeit gab es 2018 deutliche Unterschiede zwischen Alkoholunfällen und normalen Unfällen. Während Alkoholunfälle vor allem an Samstagen und Sonntagen zwischen 20 Uhr und 6 Uhr gemeldet wurden, ereigneten sich normale Unfälle gehäuft an Freitagen zwischen 16 und 18 Uhr.

Eine deutlich positive Entwicklung zeigt sich auch bei den tödlichen Alkoholunfällen. Im Jahr 2018 erfasste das Statistische Bundesamt insgesamt 244 Alkoholunfälle mit Todesfolge. Im Jahr 1975 waren es noch 3641. Dennoch fallen Alkoholunfälle mit Personenschaden nach wie vor überdurchschnittlich schwer aus. Während 2018 bei allen Unfällen mit Personenschaden 11 Getötete und 220 Schwerverletzte auf 1000 Unfälle kamen, waren es bei Alkoholunfällen 18 Getötete und 330 Schwerverletzte je 1000 Unfälle.

Rechtliche Höchstgrenzen

In Deutschland sind die rechtlichen Höchstgrenzen für die Teilnahme am Straßenverkehr nach dem Konsum von Alkohol im Straßenverkehrsgesetz (StVG) und im Strafgesetzbuch (StGB) geregelt. Demnach liegt die gesetzlich zulässige Höchstgrenze der Blutalkoholkonzentration beim Führen von Fahrzeugen bei 0,5 Promille. Wer gegen diese Regelung verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld (500 Euro), zwei Punkten im Flensburger Fahreignungsregister und einem Monat Fahrverbot geahndet werden.

Fällt ein Autofahrer durch riskantes Fahrverhalten, Fahrfehler oder einen Unfall auf, macht er sich bereits ab der Grenze von 0,3 Promille strafbar. Betroffene müssen mit drei Punkten im Fahreignungsregister, einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren und dem Führerscheinentzug von mindestens sechs Monaten rechnen.

Ab 1,1 Promille spricht der Gesetzgeber von der absoluten Fahruntüchtigkeit. Nun wird es als gegeben angesehen, dass ein Autofahrer den Anforderungen des Straßenverkehrs nicht mehr gerecht wird und nicht mehr in der Lage ist, ein Auto sicher zu fahren. Das gilt auch, wenn die Person keine Ausfallerscheinungen zeigt. Wer in diesem Zustand Auto fährt und angehalten wird, muss sich einem Strafverfahren stellen. Die strafrechtlichen Konsequenzen umfassen ein Bußgeld von mindestens 3000 Euro, drei Punkte im Fahreignungsregister, Führerscheinentzug von mindestens sechs Monaten und eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Bei auffälligem Fahrverhalten oder einem Unfall fallen die Konsequenzen dementsprechend höher aus. Liegt die Blutalkoholkonzentration über 1,6 Promille, ist zudem eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) vorgeschrieben, ebenso bei wiederholten Trunkenheitsfahrten.

Für Fahrer von Gefahrguttransporten, junge Fahrer unter 21 Jahren und Fahranfänger in der zweijährigen Probezeit gilt die Null-Promille-Grenze. Verstöße dagegen werden mit einem Bußgeld von mindestens 250 Euro und einem Punkt im Fahreignungsregister geahndet. Außerdem erhöht sich die Probezeit auf vier Jahre und es drohen weitere Auflagen wie die Teilnahme an kostenpflichtigen Aufbauseminaren.

Fußgänger und Fahrradfahrer

Promillegrenzen gelten nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Radfahrer. Diese waren laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2018 für rund 30 Prozent der Alkoholunfälle verantwortlich. Ab 1,6 Promille heißt es deshalb: besser schieben. Ansonsten droht neben einer Geldstrafe und zwei Punkten im Fahreignungsregister eine MPU. Wer hier durchfällt, verliert seine Fahrerlaubnis für das Auto. Sollte Wiederholungsgefahr attestiert werden, kann das Radfahren sogar gerichtlich verboten werden.

Noch strenger sind die Regeln für E-Scooter-Fahrer. Sie orientieren sich an den Grenzen für Kraftfahrzeuge. Das bedeutet: Wer alkoholisiert mit dem E-Scooter fährt, dem droht der Entzug des KFZ-Führerscheins ab 0,5 Promille. Für Fußgänger hingegen gibt es keine Promillegrenze. Allerdings müssen betrunkene Fußgänger, die einen Unfall verursachen, für den Schaden haften und mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.

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