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Arzneipflanzenporträt

Aloe

Für die Gewinnung der Droge werden zwei Aloe-Arten genutzt: Echte Aloe, auch Curaçao-Aloe, Aloe vera oder Aloe barbadensis genannt und Kap-Aloe, die auch als Aloe ferox oder Aloe capensis bekannt ist. Sie gehören zur Familie der  Grasbaumgewächse (Xanthorrhoeaceae).
Annette Immel-Sehr
25.02.2019
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Merkmale

Aus den Blättern läuft Blattsaft heraus, wenn man sie am Blattgrund abschneidet und schräg lagert. Blattsaft erstarrt beim Trocknen zu einer harten, tiefbraunen Masse.

Echte Aloe

  • stammlos oder mit kurzem Stamm
  • rosettig angeordnete dicke, fleischige Blätter, lanzettlich-schwertförmig
  • bis 50 cm lang, 6 bis 7 cm breit, am Rand bedornt
  • aus der Mitte heraus 60 bis 90 cm langer Blütenstand
  • zahlreiche bis 3 cm lange, bauchige gelbe Blüten
  • angeordnet in 30 bis 40 cm langen, zylindrisch spitz zulaufenden Trauben

Kap-Aloe

  • baumförmiger Wuchs, etwa 3 m hoch
  • aus dem Stamm heraus rosettig angeordnete dicke fleischige Blätter
  • bis 100 cm lang, 15 cm breit, lanzettlich-schwertförmig
  • am Rand bedornt, auf der Blattoberfläche viele Stacheln
  • mehrfach verzweigte Blütenstände
  • scharlachrote oder orange etwa 3 cm lange bauchige Blüten
  • angeordnet in 50 bis 80 cm langen Trauben

Heimat

  • Echte Aloe: Sudan und arabische Halbinsel
  • Kap-Aloe: Südafrika

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • der zur Trockne eingedickte Saft der Blätter (Aloe capensis, Aloe barbadensis)

Inhaltsstoffe

  • Hydroxyanthracenderivate (vor allem Aloin A und B, 2-Alkylchromone)

Anerkannte medizinische Anwendung

  • Verstopfung

Empfohlene Dosierung

  • nur in Form von auf Aloin standardisierten Fertigarzneimitteln anwenden Dosierung laut Packungsbeilage

Nebenwirkungen

  • selten krampfartige Magen-Darm-Beschwerden
  • bei chronischem Gebrauch Störung des Wasser- und Elektrolyt­haushalts, insbesondere Kaliumverluste, sowie Auftreten von Eiweiß und Blut im Urin (Albuminurie, Hämaturie)
  • bei chronischem Gebrauch (reversible) Pigmenteinlagerungen in die Darmschleimhaut

Wechselwirkungen

  • gleichzeitige Einnahme von Thiaziddiuretika, Steroidhormonen und Süßholzwurzel kann Kaliumverlust verstärken
  • bei chronischem Gebrauch Wirkungsverstärkung von Digitalis­präparaten und Antiarrhythmika aufgrund von Kaliummangel

Kontraindikationen

  • Darmverschluss, Blinddarmentzündung, entzündliche Darmerkrankungen, abdominale Schmerzen unbekannter Ursache
  • schwere Dehydratationserscheinungen
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kinder unter 12 Jahren

Abgabehinweis

  • abends vor dem Schlafengehen einnehmen
  • nicht länger als 1 bis 2 Wochen einnehmen (Daueranwendung verstärkt die Darmträgheit)
  • leichte Rotfärbung des Urins während der Einnahme möglich

Präparate

Beispiele Monopräparate:

  • Kräuterlax Kräuter-Dragees zum Abführen
  • Chol Kugeletten Mono

Filet der besonderen Art

Neben dem arzneilich verwendeten Blattsaft enthalten Aloe-vera-Blätter ein Gel, das in der Kosmetikproduktion und der Getränkeherstellung stark gefragt ist. Um das Gel zu gewinnen, wird das dicke Blatt geschält, bis ein glänzendes Filet zum Auspressen übrig bleibt. Es besteht aus dünnwandigen Zellen, die mit Schleim gefüllt sind. Dieses schleimige Parenchym wird als Aloe-vera-Gel bezeichnet. Die Filets werden gewaschen und zu einem naturtrüben Saft verarbeitet. Als wertbestimmende Inhaltsstoffe gelten Glucomannan-Polysaccharide, Glykoproteine, Enzyme und Salicylsäure. Anthrachinone sind bei sauberer Präparierung nicht enthalten, da sich der Blattsaft in der Epidermis befindet.

Aufgrund seiner feuchtigkeitsbindenden, hautglättenden und entzündungshemmenden Wirkung wird Aloe-vera-Gel beispielsweise in After-Sun- und Aftershave-Präparaten eingesetzt. Es ist zudem in zahlreichen Cremes und Haarpflegeprodukten enthalten. Volksmedizinisch wird Aloe-vera-Gel auch innerlich angewendet. Es soll etwa das Immunsystem stärken und bei Magen-Darm-Beschwerden ­beruhigend wirken.

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