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BfR-Umfrage

Angst vor Corona sinkt

Die Angst vor dem neuartigen Coronavirus ist in Deutschland gesunken – und damit auch die Akzeptanz bestimmter Schutzmaßnahmen. Das schließt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aus den Ergebnissen seines »BfR-Corona-Monitors«, einer regelmäßigen Befragung des Instituts zur Risikowahrnehmung der Bevölkerung in Deutschland gegenüber Covid-19.
Katja Egermeier
20.04.2020
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So wird laut BfR insbesondere die Ausgangssperre von nur noch 55 Prozent der Befragten als »angemessen« eingestuft. Vergangene Woche waren noch 59 Prozent dieser Ansicht, vor vier Wochen 74 Prozent. Ähnlich verhält es sich hinsichtlich der Schließung der meisten Geschäfte: Hier ist der Wert der Personen, die diese Maßnahme für angemessen halten, in der vergangenen Woche von 72 auf 64 Prozent gefallen. Vor vier Wochen hielten das noch 86 Prozent der Befragten für sinnvoll.

Dennoch ergriffen die meisten Menschen Maßnahmen, um sich oder ihre Familie vor einer Ansteckung zu schützen, so das BfR. Doch auch hier mit sinkender Tendenz: Im Vergleich zur Vorwoche ist der Anteil der Personen, der angab, die Öffentlichkeit aktiv zu meiden, um zehn Prozentpunkte auf 42 Prozent gesunken. Dafür halten im Vergleich zur Vorwoche mehr Menschen Abstand zu anderen (von 9 auf 13 Prozent). Die Anzahl derer, die Schutzkleidung wie Masken tragen, liegt gleichbleibend bei knapp über 20 Prozent.

Angst vor Folgen gesunken

Die gesundheitlichen Auswirkungen einer Infektion mit SARS-CoV-2 sehen nun nur noch 26 Prozent der Befragten für sich als »(sehr) groß« an. Eine Woche zuvor lag dieser Wert noch bei 40 Prozent. »Besonders junge Leute schätzen die gesundheitlichen Auswirkungen als nicht mehr so groß ein«, erklärt BfR-Präsident Andreas Hensel.

Die Furcht vor möglichen gesundheitlichen Auswirkungen der Coroanvirus-Pandemie rückt laut BfR immer mehr hinter die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen. 36 Prozent der Befragten sehen sich der Befragung nach von den wirtschaftlichen Auswirkungen stärker betroffen als von den gesundheitlichen. Im Gegenzug hielten nur 24 Prozent die gesundheitlichen Folgen für größer und 13 Prozent gingen davon aus, dass sie weder gesundheitlich noch wirtschaftlich betroffen sein werden.

Einen Umschwung gab es in der letzten Woche auch bezüglich der Einschätzung der Gefährlichkeit der verschiedenen Ansteckungswege. Eine Schmierinfektion über Türklinken, Bargeld, Spielzeug oder Haustiere wird von den Befragten nun für weniger bedeutsam gehalten. Der Kontakt und die Nähe zu anderen Menschen bleibt dagegen für die meisten der wesentliche Infektionsweg – für aktuell 74 Prozent. Vergangene Woche waren dies noch 76 Prozent, vor vier Wochen 81 Prozent.

Berichterstattung angemessen

Die Medien-Berichterstattung zum neuartigen Coronavirus, die erstmalig in die Befragung mit einbezogen wurde, wird überwiegend als angemessen (62 Prozent) eingeschätzt. 35 Prozent halten sie für übertrieben und nur 3 Prozent empfinden sie als verharmlosend. Die überwiegende Zahl der Befragten informiert sich über das Fernsehen (84 Prozent) oder das Internet (58 Prozent).

Der BfR-Corona-Monitor ist eine mehrwellige repräsentative Befragung zur Risikowahrnehmung der Bevölkerung in Deutschland gegenüber dem neuartigen Coronavirus. Er umfasst bisher vier Erhebungen: jeweils dienstags am 24. und 31. März sowie am 7. und 14. April 2020. Für jede Befragung werden rund 500 zufällig ausgewählte Personen per Telefon unter anderem zu ihrer Einschätzung des Ansteckungsrisikos und zu den von ihnen getroffenen Schutzmaßnahmen befragt. Eine Zusammenfassung der Daten wird regelmäßig auf der Homepage des BfR veröffentlicht. Mehr Informationen zur Methode und Stichprobe finden sich in den Veröffentlichungen zum BfR-Corona-Monitor

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