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Der Streit geht weiter

Anhörung zur PTA-Reform

Die Hauptdiskussionspunkte der heutigen Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags zum PTA-Reformgesetz waren wenig überraschend: Soll die Ausbildungszeit zum Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) verlängert werden und darf die Aufsichtspflicht durch den Apotheker unter bestimmten Voraussetzungen entfallen? 
Jennifer Evans
24.10.2019
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An welchen Stellen es im Gesetzentwurf der Bundesregierung zur PTA-Reform Nachbesserungsbedarf gibt und was wichtig für eine moderne und attraktive PTA-Ausbildung ist, sorgte für viel Diskussionsstoff bei der öffentlichen Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags in Berlin.

Schon vorab hatte es eine Debatte darüber gegeben, ob die Ausbildungszeit von zweieinhalb Jahren – wie es der derzeitige Gesetzentwurf vorsieht – auf drei Jahre verlängert werden sollte. Sabine Pfeiffer van Rijswijk vom Bundesverband pharmazeutisch-technischer Assistenten (BVpta) sprach sich heute deutlich für eine Verlängerung aus. Schließlich habe sich die Arbeit der Assistenten in den vergangenen Jahren stark gewandelt und stelle diese mit Blick auf Abgabe, Herstellung und Digitalisierung vor viele neue Aufgaben. Auch gebe es heute mehr Patientenkontakte als früher, die Kunden seien deutlich besser informiert und stellten daher viel spezifischere Gesundheitsfragen.

PTA-Wissen erfordert moderne Mittel

Auch von der geplanten Stundenkürzung im Bereich Chemie hält der BVpta nichts. Das sei das nötige Basiswissen der PTA für die Arzneimittelkunde, so Pfeiffer van Rijswijk. Dem stimmte Andreas May von der Apothekengewerkschaft Adexa zu. Die Diskussion um die Weiterentwicklung des Berufsbilds orientiert sich in seinen Augen ohnehin zu stark »an finanziellen und organisatorischen Fragen«. Der Beruf erfordere mehr »als Auswendiglernen« und es bedürfe »moderner pädagogischer Mittel«, um das umfangreiche Wissen zu vermitteln, so May. Andernfalls blieben Qualität und Kompetenz auf der Strecke.

Das sah die Vertreterin der ABDA, Christiane Eckert-Lill, etwas anders: Die Bundesvereinigung will an Dauer und Struktur der PTA-Ausbildung festhalten. Eine Verlängerung bringe keinen Zugewinn hinsichtlich der Kenntnisse und Fertigkeiten. Auch sei die Ausweitung auf drei Jahre aus »schulorganisatorischen Gründen« nicht machbar. Dem widersprach der Einzelsachverständige Peter Lehle vom Kreisberufsschulzentrum Ellwangen vehement: »Wer das nicht organisiert bekommt, der will es nicht organisieren.« Er schlug daher vor, eine Wahlmöglichkeit einzuführen. Sollten sich die Assistenten für die längere Ausbildungszeit entscheiden, müsse dies aber für sie auch »finanziell spürbar sein«.

Für eine dreijährige Ausbildung plädierte ebenfalls die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (verdi). Sie hob zudem hervor, dass die Ausbildung grundsätzlich auch in Teilzeit möglich sein sollte. Das befürwortete Kerstin Wahlbuhl von der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) – zumindest für den praktischen Teil, nicht aber für den schulischen.

Klarstellung in Haftungsfragen

In puncto Aufsichtspflicht unterstützte die Bundesärztekammer (BÄK) die Position der ABDA. Beide sehen es kritisch, sollten die Assistenten künftig, wie im Gesetzentwurf vorgesehen, Rx-Medikamente unter bestimmen Vorraussetzungen eigenverantwortlich, sprich ohne Kontrolle eines Apothekers, abgeben dürfen. BÄK-Vertreterin Katrin Bräutigam verwies in diesem Zusammenhang unter anderem auf den Bereich der biologischen Arzneimittel, die sehr beratungsintensiv seien. Und Eckert-Lill erinnerte erneut an § 7 im Apothekengesetz (ApoG). Demnach ist der Apothekenleiter verpflichtet, die Offizin persönlich und in eigener Verantwortung zu leiten. Vor diesem Hintergrund habe sie »große rechtliche Bedenken«. Eine gesetzliche Klarstellung der Haftungsfrage wünscht sich auch Wahlbuhl.

Die Krankenhäuser hingegen betrachten es als Gewinn, wenn die Kontrollfunktion des Apotherks gelockert wird und PTA mehr Kompetenzen bekommen. Dies komme den Kliniken bei den Dienstplänen entgegen, so Ralf Neiheiser von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Er wünschte sich darüber hinaus, die Klinikapotheken würden stärker in die Ausbildung einbezogen und die Auszubildenden könnten im Krankenhaus länger als drei Monate verbringen.

Abbruch der Ausbildung hat zwei Gründe

Mit Blick auf die Attraktivität des Berufsbilds erkundigten sich die Abgeordneten bei Pfeiffer van Rijswijk, aus welchem Grund PTA überhaupt ihre Ausbildung abbrechen. Sie nannte zwei Gründe dafür: Die einen fühlen sich demnach inhaltlich überfordert; den anderen fehlt die Perspektive, weil sie nach der Ausbildung keine weiteren Kompetenzen erlangen können. Sie geht aber von einem Rückgang der Abbruchrate aus, sobald die geplante Kompetenzerweiterung umgesetzt ist. Außerdem erwartet sie, dass der Nachwuchs dann eher in der Offizin bleiben wird. In den Augen der BVpta-Vertreterin sollte das Gesetz zudem auf entsprechende Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten hinweisen. Diese müssten aber unabhängig vom Punktesystem der Apothekerkammern sein. »Wir wollen ein unabhängiger Gesundheitsberuf sein und bleiben«, betonte sie. Die Gewerkschaft verdi sieht hier ebenfalls den Gesetzgeber in der Pflicht und wünscht sich für PTA sogar ein bundesweites Gesamtkonzept für Fort- und Weiterbildung.

Einig waren sich die Experten in Sachen Schulgeldfreiheit sowie einer vergüteten Ausbildung von Anfang an.  Ansonsten dürfte der Fachkräftemangel noch weiter zunehmen, so die Befürchtung. Die Assistenten dürften keinesfalls ein billiger Ersatz für fehlendene Arbeitskräfte sein.

Die reformierte Ausbildung soll nach den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) ab Januar 2021 starten. Der Bundesrat muss dem Gesetz nicht zustimmen.

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