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Arzneipflanzenporträt

Anis

Die einjährige Pflanze kommt bei dyspeptischen Beschwerden, Blähungen, Flatulenz, leichter Entzündung der oberen Luftwege und als Schleimlöser zum Einsatz.
Annette Immel-Sehr
18.11.2019
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Merkmale

  • 30 bis 60 cm hohe einjährige Pflanze
  • Blätter am Grund des Stängels gestielt und rundlich, nach oben hin zunehmend fiederschnittig, nahezu ungestielt am Stängel
  • zahlreiche kleine weiße Blüten in 7- bis 17-strahligen Doppeldolden
  • Blütezeit Juli bis August
  • 3 bis 5 mm lange, graubräunliche zweiteilige Spaltfrüchte, birnenförmig mit kantig hervortretenden Rippen, oft mit dünnem, leicht gebogenem Fruchtstiel

Heimat

  • östlicher Mittelmeerraum
  • Droge meist aus Kulturen in der Türkei, Ägypten und Spanien

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrocknete Früchte (Anisi fructus)

Inhaltsstoffe

  • ätherisches Öl (Hauptbestandteil trans-Anethol, außerdem Estragol, Anisaldehyd, Monoterpene)
  • fettes Öl
  • Proteine
  • Kohlenhydrate

Anerkannte medizinische Anwendung

  • dyspeptische Beschwerden wie leichte krampfartige gastrointestinale Beschwerden, Blähungen, Flatulenz (ESCOP, Kommission E)
    leichte Entzündung der oberen Luftwege, als schleimlösendes Mittel (ESCOP, Kommission E)

Empfohlene Dosierung

mehrmals täglich eine Tasse warmen Anistee trinken (auch in Mischungen mit anderen Drogen); mittlere Tagesdosis 3 g Droge

Nebenwirkungen

gelegentlich allergische Reaktionen

Wechselwirkungen

keine bekannt

Kontraindikationen

  •  Allergie gegen Doldenblütler (Apiaceae)
  • Allergie gegen Anethol

Abgabehinweis

Anisfrüchte vor der Teezubereitung zerstoßen oder quetschen, damit das ätherische Öl besser freigesetzt wird.

Zubereitung

1 bis 2 Teelöffel frisch zerkleinerte Anisfrüchte mit 150 ml heißem Wasser übergießen (nicht kochen!), 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.

Nicht nur zum Backen

Anisfrüchte sind nicht nur ein beliebtes Gewürz für Gebäck, Brot und Kuchen. Sie verleihen auch Schnäpsen und Likören ihr charakteristisches Aroma. In Griechenland zum Beispiel schätzt man Ouzo, in Frankreich Pastis, in Spanien Pacharan, in der Türkei Raki und in Italien Sambuca. Werden die klaren Schnäpse - wie häufig üblich - mit Wasser verdünnt, fällt Anethol aus, und das Getränk wird milchig.

Keine Verwandtschaft: Sternanis

Da Anisöl sehr teuer ist, wird es bei der Getränkeherstellung oft durch das preiswertere Sternanisöl ersetzt. Überhaupt werden die beiden Gewürze oft ausgetauscht, da die geschmacklichen Unterschiede bei geringer Menge kaum auffallen. Sternanis ist etwas intensiver, würziger und leicht scharf; Anis schmeckt ein wenig süßlicher. Sternanis ist die Frucht eines in Asien beheimateten, bis zu 20 m hohen Baums aus der Familie der Magnoliengewächse. In China, Japan, Vietnam und auf den Philippinen wird der Sternanisbaum als Kulturpflanze angebaut. Seine Früchte bestehen aus acht rotbraunen, in Form einer Rosette angeordneten Balgfrüchten. Im Gegensatz zur Anispflanze ist das ätherische Öl der Frucht nicht in den Samen, sondern in den Fruchtwänden enthalten. Sternanis ist im Europäischen Arzneibuch monographiert.

Beispiele für Monopräparate

  • Anisspray HECHT Pharma GmbH
  • Anisbutter Resana Salbe
  • Pimpinella Anisbutter

Beispiele für Kombipräparate

  • SIDROGA Bio Kinder-Hustentee
  • Anis Fenchel Kümmel Tee Bombastus
  • Em-eukal Bonbons Anis Fenchel
  • H&S Magen- und Darmtee mild

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