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Neue Wege aus der Depression

Antibiotika als Antidepressiva?

Antibiotika verändern nicht nur die Darmflora, sondern können möglicherweise auch depressives Verhalten verringern. Darauf weisen die Ergebnisse einer Forschergruppe um Anna-Kristina Schmidtner von der Universität Regensburg hin, die in der Online-Zeitschrift »Translational Psychiatry« veröffentlicht wurden.
Katja Egermeier
25.09.2019
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Die Psyche werde durch mehrere Einflüsse reguliert: das Immunsystem, die Hormone, aber auch das Mikrobiom. Die Bakterien der Darmflora seien nicht nur für die Verdauung wichtig, sondern auch maßgeblich für unsere Emotionen, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Regensburg. Ziel der Studie sei daher gewesen, genauere Zusammenhänge wischen Emotionalität, Depressionen und dem Mikrobiom zu untersuchen.

Dazu verabreichten die Wissenschaftler besonders ängstlichen Ratten, die ein behandlungsresistentes depressives Verhalten aufwiesen, das Antibiotikum Minocyclin. Die Ratten hatten zu diesem Zeitpunkt ein Darm-Mikrobiom, das sich stark von dem nicht ängstlicher Tiere unterschied.

Wie von den Forschern erwartet, veränderte die Antibiotika-Gabe die Zusammensetzung der Darmflora der Tiere erheblich: Manche Bakterienfamilien wurden seltener, andere häufiger – insbesondere solche, die kurzkettige Fettsäuren produzieren. Mit dieser Veränderung ging nach Angaben der Forscher auch eine Wende beim Verhalten der Tiere einher: Sie verhielten sich aktiver und weniger depressiv. Minocyclin wirkte demnach antidepressiv.

Die Forscher erklären diese Vorgang wie folgt: Demnach verändert das Antibiotikum nicht nur die Darmbakterien, sondern auch die sogenannten Glia-Zellen im Gehirn, die dort zahlreiche Funktionen regulieren. Werden beispielsweise Mikroglia aktiviert, wird das als Entzündungsprozess des Gehirns interpretiert – und kann eine Depression auslösen. Eine solche Aktivierung von Mikroglia werde jedoch durch eine Substanz verhindert, die gerade durch die Gabe von Minocyclin vermehrt produziert werde: die kurzkettige Fettsäure Butyrat. Diese gelangt in die Blutbahn, hat auf diesem Wege einen entzündungshemmenden Einfluss auf das Gehirn und wirkt antidepressiv.

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