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Adexa-Kommentar

Apotheken an der Belastungsgrenze

Von vielen Kolleginnen und Kollegen hören wir gerade Sätze wie diese: »Ich kann nicht mehr! Wie soll das nur weitergehen? Ich bin total ausgebrannt.« Was ist da los? Die Adexa äußert sich dazu in einem Kommentar.
Tanja Kratt und Andreas May /Adexa
20.01.2023  11:00 Uhr

Wir alle wissen es: Lieferengpässe, hoher Krankenstand, fehlende Fachkräfte, massive Inflation, erhöhter Kassenabschlag – und diese Probleme eben alle auf einmal. Jahrelang wurden wir im Apothekenbereich damit vertröstet, dass es hätte schlimmer kommen können. Jetzt ist es tatsächlich schlimmer!

Durch die ständig angespannte Situation in den Teams »verdampfen« auch die Goodies, die einige Apotheken ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zukommen lassen.

Die hohe Belastung ist vermutlich ein Grund dafür, dass die tatsächlichen Arbeitszeiten seit ihrem Hoch im Jahr 2018 (35,5 Stunden) wieder sinken. Bei unserer Tarifumfrage im Frühjahr 2022 ergab sich eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 32 Stunden.

Vor dem Hintergrund, dass die nachrückende Generation Z, wie von Expertinnen und Experten auch schon für den Apothekenbereich beschrieben, eine Arbeitszeit von 40 Stunden plus eventuelle Überstunden nicht attraktiv findet, ist keine schnelle Besserung zu erwarten.

Was tun, um die Attraktivität zu steigern? Wie kann man beispielsweise den Wiedereinstieg für Eltern erleichtern? Die Aussage »Wir sind familienfreundlich und hier können Sie Teilzeit arbeiten« reicht in der aktuell angespannten Lage nicht mehr aus. Hier muss man sich schon mehr einfallen lassen an Unterstützung.

Wie kann man Nachwuchs anlocken? Indem man ausbildet und sich um die PKA-Azubis, PTA-Praktikantinnen und -Praktikanten und PhiPs gut und intensiv kümmert. Und sie nicht gleich in das Hamsterrad wirft.

Vielleicht hilft in einigen Fällen auch nur noch, die Öffnungszeiten (vorübergehend) anzupassen, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen, so wie es das betriebliche Gesundheitsmanagement vorsieht. Möglicherweise ergibt sich so ein Kontakt zur örtlichen Presse oder dem lokalen Bundestagsabgeordneten – und die Misere der Apothekenteams bekommt ein Gesicht.

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