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Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen«

Apotheken sollen Kampagne unterstützen 

Heute startet eine gemeinsame Informationskampagene für das Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen«. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände – ABDA fordert Apotheken gezielt dazu auf, die Infokampagne zu unterstützen. 
PZ
11.05.2020  14:45 Uhr

Jede dritte Frau in Deutschland ist nach Angaben der Kampagnen-Unterstützer von Gewalt betroffen – viele von ihnen an einem Ort, an dem sie sich eigentlich sicher fühlen sollten: dem eigenen Zuhause. Im Zuge der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen hat sich demnach die Situation für viele Frauen, die Gewalt in ihrer Partnerschaft erleben, noch weiter zugespitzt.

Um von Gewalt betroffenen Frauen einen Ausweg aus ihrer ausweglos scheinenden Situation aufzuzeigen, startet heute eine gemeinsame Informationskampagne. Die ABDA unterstützt dabei das bundesweite Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen« des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA). Dritter Partner der Kampagne ist der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff). Ihm gehören rund 160 Organisationen an, die ambulante Beratung und Hilfestellung für weibliche Opfer von Gewalt anbieten.

Beratung – jederzeit, kostenfrei, anonym und vertraulich

Rund 19.000 Apotheken sind ab heute im Rahmen der Aktion aufgerufen, Infomaterialien des Hilfetelefons »Gewalt gegen Frauen« auszulegen. Die Kampagne soll über das Beratungsangebot für gewaltbetroffene Frauen informieren. Auch Personen aus dem sozialen Umfeld der Frauen und Fachkräfte können sich jederzeit, kostenfrei, anonym und vertraulich an das Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen« wenden.

Unter der Telefonnummer 08000 116 016, per E-Mail und im Sofort- oder Termin-Chat auf hilfetelefon.de erhalten Betroffene rund um die Uhr Unterstützung. Auf Wunsch vermitteln die Beraterinnen betroffene Frauen auch an eine Einrichtung vor Ort weiter. Bei Bedarf kann die Beratung in 17 Fremdsprachen sowie in Deutscher Gebärdensprache und in Leichter Sprache erfolgen. Die regionalen Beratungsstellen des bff sind hier zu finden.

Apotheken können das Informationsmaterial des Hilfetelefons »Gewalt gegen Frauen« via Fax, Mail oder Online direkt beim Hilfetelefon kostenfrei bestellen. Es wird dann dann direkt geliefert.  Die ABDA hat außerdem Kammern und –verbände gebeten, über die Kampagne zu informieren und ein entsprechendes Bestellfax an die Offizinen zu versenden.

Gewalt gegen Frauen während der Corona-Krise gestiegen

»Im vergangenen Monat ist die Zahl der Beratungskontakte im Bereich häusliche Gewalt und Gewalt in (Ex-)Paarbeziehungen beim Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen« gestiegen«, erklärt Edith Kürten, Präsidentin des BAFzA. Sie ist daher froh, mit der Kampagne Aufmerksamkeit für das Thema und für das Hilfetelefon zu erzielen.

Apotheken bieten einen flächendeckenden, niedrigschwelligen Zugang zur Gesundheit – und übernehmen wichtige soziale Funktionen vor Ort. »In Apothekenteams arbeiten überwiegend Frauen, damit sind die Apotheken ein sicheres Umfeld für von Gewalt betroffene Frauen. Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, die Hilfsangebote bekannter zu machen«, sagt ABDA-Präsident Friedemann Schmidt.

Bereits zu Beginn der Corona-Krise im März hat die  Opferschutz-Organisation Weißer Ring vor einer Zunahme häuslicher Gewalt und Missbrauch gewarnt: Man müsse »mit dem Schlimmsten rechnen«. Das bestätigte nun das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation WHO. Demnach haben einige Staaten von einer deutlichen Zunahme von Frauen berichtet, die im April Gewalt durch ihren Partner ausgesetzt gewesen seien.

Gewalt gegen Frauen ist keine Privatsache

Ursula Schele, Vorstandsfrau des bff erläutert: »Gewalt gegen Frauen ist keine Privatsache. Alle können gerade jetzt Zivilcourage beweisen und Betroffene in ihrem Umfeld auf die Frauenberatungsstellen aufmerksam machen. Diese sind weiterhin gut erreichbar und helfen Betroffenen dabei, ihren eigenen Weg aus der Gewalt zu gehen. Es kann Leben retten, wenn Gewalt nicht immer weiter eskaliert.«

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