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Gastkommentar

Apothekenteams als Ganzes systemrelevant 

Wenn es um die Lehren der gegenwärtigen Covid-19-Pandemie geht, dann sollte eins klar sein: Im Apothekenteam sind alle Mitglieder und alle Berufsgruppen wichtig! Ein Gastkommentar von Adexa-Vorstand Alexander May.
Andreas May
19.05.2020  13:30 Uhr

Wer damit anfangen wollte, nach vermeintlich stärkerer, schwächerer oder gar fehlender Systemrelevanz zu unterscheiden, der verkennt die Realität in den Apotheken. Da braucht es natürlich die Approbierten, aber genauso die PTA im HV und in der Rezeptur (Stichwort Desinfektionsmittel) und die PKA in der Warenbeschaffung (Stichwort Lieferengpässe) und am Telefon, die Fahrer und Boten für den vermehrten Botendienst – und oftmals auch engagierte Pharmaziestudierende für viele unterstützende Tätigkeiten.

Wenn man eine Berufsgruppe ausklammern wollte aus der Systemrelevanz, dann geriete das System Apotheke schnell in Schieflage. Und in einer so stressigen Belastungssituation wie gerade während der jetzigen Pandemie ist es umso notweniger, dass jeder das tut, was sie oder er am besten kann! Und dass es Teammitglieder gibt, die das pharmazeutische Personal entlasten können.

Daher ist es unklug, wenn – wie in Hessen – die PKA bei der Kindernotbetreuung nicht in der Liste der systemrelevanten Berufe aufgeführt werden. Zum Glück kann in diesem Fall die Apothekenleitung für den Kitaträger oder die Schule attestieren, dass die PKA für den Apothekenbetrieb unverzichtbar ist.

Der Föderalismus zeigt hier wieder seine Vor- und Nachteile: Es ist gut, wenn regionale Besonderheiten bei der Ausbreitung oder Prävention von Covid-19 berücksichtigt werden können. Es ist aber mehr als misslich, wenn Landesgrenzen darüber entscheiden, ob Apotheken ihren Versorgungsauftrag in der Pandemie ohne zusätzliche bürokratische Hürden und Stolpersteine erfüllen können – oder ob ihnen zu den Lieferengpässen, zum erhöhten Infektionsrisiko und zu den aufwendigen Sicherheitsmaßnahmen auch noch Kolleginnen fehlen, die sich zu Hause um ihre Kinder kümmern müssen.

Ein Schicksal, das im Übrigen viele Mütter anderer Berufsgruppen in diesen Zeiten teilen müssen. Homeoffice plus Homeschooling, ein vielfach unausführbarer Spagat! Aber da Mütter solche Doppelt- und Dreifachbelastungen in geringerem Umfang ja auch sonst meistern, ist der Aufschrei nicht so laut, als wenn es nur oder überwiegend die Väter träfe. Es erinnert ein bisschen an die Geschichte mit dem Frosch im Topf, bei dem das Wasser langsam erhitzt wird: Berufstätige Mütter sind aus Erfahrung so leidensfähig und geduldig, dass sie auch diesen Zustand irgendwie akzeptieren. Sehr zu hoffen ist, dass sich durch die coronabedingten wirtschaftlichen Verzerrungen kein langfristiger Rückfall in die ganz alten Rollenverteilungen ergibt.

Frauen, ob systemrelevant oder nicht, haben ein Anrecht auf berufliche Verwirklichung, das dem von Männern in nichts nachsteht. Und sie haben ein Anrecht auf angemessene Bezahlung, in allen Berufen.

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