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Offener Adexa-Brief

Arbeitsplätze in den Apotheken sichern! Handeln Sie jetzt!

Die Apothekengewerkschaft Adexa appelliert wegen der AvP-Insolvenz in einem offenen Brief an die Politik.
Andreas May - Adexa
01.10.2020  11:30 Uhr

Auch wenn es für manche Außenstehende vielleicht so ausgesehen haben mag: Apotheken sind keine Gewinner der COVID-19-Pandemie! Sie sind in das Jahr 2020 gestartet von einem langjährig niedrigen Honorierungsniveau, ohne die notwendigen Steigerungen, die den Gehaltserhöhungen und der Inflation Rechnung getragen hätten. Sie stehen seit dem EuGH-Urteil vom Herbst 2016 in einer unfairen Wettbewerbssituation mit ausländischen Versandapotheken und haben – wenn überhaupt – nur Aussicht auf eine teilweise Wiederherstellung der Gleichpreisigkeit. Und sie haben, nach anfänglichen Hamsterkäufen der Patienten, auch vielerorts mit Kurzarbeit zu kämpfen gehabt – aufgrund des Lockdowns in ihrem Umfeld und der Aufteilung in Teams aus Infektionsschutzgründen.

Apotheken sind zwar als systemrelevant anerkannt und für ihre Fachkompetenz und Flexibilität bei der Herstellung von Desinfektionsmitteln gelobt worden. Doch hat sich ihre finanzielle Situation nicht entspannt. Kurz, sie leisten vor und in der Pandemie hervorragende, aber schlecht vergütete Arbeit – und stehen jetzt obendrein in vielen Fällen vor einem wirtschaftlichen Scherbenhaufen oder gar Ruin.

Zwei Krisen treffen Apotheken hart

Denn mitten im Kampf gegen wiederansteigende Infektionszahlen ist für den zahlungsunfähigen Rezeptabrechner AvP das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Bundesweit über 3000 von zuletzt nur noch knapp 19.000 Apotheken haben damit Außenstände von im Schnitt rund 100.000 für bereits abgegebene rezeptpflichtige Arzneimittel. Dieses Geld steht ihnen von den Kassen zu – wird nun aber im Rahmen des Insolvenzverfahrens nur mit großer Verzögerung und auch nur teilweise aus der Insolvenzmasse ausgezahlt.

Wenn Rezeptabrechnungen für einen ganzen Monat komplett und langfristig ausfallen, können das selbst finanzstärkere Apotheken nur mit Mühe stemmen. Und viele Apotheken, denen es aus den vorgenannten Gründen ohnehin nicht rosig geht, stehen jetzt möglicherweise vor dem Aus.

Darunter leiden nicht nur die betroffenen Inhaber. Darunter leiden sowohl kurzfristig die Mitarbeiter dieser mehr als 3.000 Betriebe als auch langfristig alle Apothekenangestellte. Kurzfristig durch Gehaltsausfälle, langfristig durch noch weiter erschwerte Bedingungen für die Tarifverhandlungen für die öffentlichen Apotheken.

Und nicht zu vergessen: Das Netz der Vor-Ort-Apotheken wird noch mehr Löcher bekommen! Das werden viele Apothekenkunden und Patienten spüren!

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