PTA-Forum online
Sport

Argumente statt Ausreden

Viele Menschen nehmen sich vor, mehrmals pro Woche Sport zu treiben, aber immer kommt etwas dazwischen. Fragt sich nur, ob es ein echtes Argument ist – oder nur eine innere Schweinehund-Ausrede. PTA-Forum hat ein paar der beliebtesten Ausreden dem Gesundheitsmanager und Personaltrainer Alexander Schütt aus Hamburg vorgelegt. Hier seine motivierenden Antworten.
Narimaan Nikbakht
20.03.2019
Datenschutz
»Ich bin oft zu erschöpft für Sport«
Carolin Schneider, 35, PR-Beraterin

»Als Mutter von zwei Kindern mit einem Halbtagsjob bleiben wenig Lücken. Da sind die Einkäufe, der Haushalt und manchmal noch der Hund meiner Mutter, auf den ich aufpassen muss – da gehe ich abends doch lieber aufs Sofa als aufs Laufband. Ich bin dann einfach zu erschöpft.«

Das rät Experte Alexander Schütt: »Es klingt paradox – aber ziehen Sie dann erst recht Ihre Sportschuhe an und laufen Sie – mit dem Hund – los! Am besten, wenn Sie ausgepowert von der Arbeit kommen oder in gedrückter Stimmung sind. Bereits nach zehn Minuten werden Sie spüren, wie sich die Stimmung aufhellt. Das passiert nicht, wenn Sie auf dem Sofa liegen bleiben. Durch Bewegung bauen Sie nämlich Stresshormone ab, die sonst 48 Stunden im Blut herumschwirren und positive Gefühle hemmen. Sobald Ihr Kreislauf in Schwung kommt, wird jede Körperzelle mit Sauerstoff versorgt, und Sie werden sich energiegeladen fühlen und hinterher trotzdem schön entspannt sein. Übrigens sind auch Toben mit den Kids oder zügige Walking-Gänge mit dem Hund ein ausgezeichnetes Training zur Ergänzung.«

»Mir fehlt einfach die Zeit.«
Marc Landgraf, 39, Außendienstmitarbeiter

»Beruflich bin ich oft unterwegs und übernachte auch oft in anderen Städten. Der Job verlangt wirklich alle Energie. Häufig arbeite ich bis zu zwölf Stunden am Tag. Da habe ich meist gar keine Zeit, an Sport auch nur zu denken.« 

Das sagt Schütt: »Jeder Tag hat 24 Stunden. Genug Zeit, um sich dahin zu bringen, wo man gerne sein möchte: ausgeglichen, fit und zufrieden mit sich selbst. Aber mit dem Anfängerfehler »Ich mache ab sofort dreimal in der Woche Sport« funktioniert der Einstieg nicht. Wissenschaftliche Studien haben längst bewiesen, dass schon wenige Minuten täglich genügen, um sich fit und den Körper straff zu halten. Wunder über Nacht sind natürlich nicht drin und zu einer Traumfigur kommt man auf diese Weise auch nicht. Aber ein paar Kilo weniger, ein gesteigertes Wohlbefinden und eine bessere Ausdauer sind als Belohnung doch nicht schlecht. Steigern kann man sich ja immer noch. Also schnappen Sie sich ein Springseil und machen Sie früh morgens oder abends etwas Sport. Um täglich durchzuhalten, helfen die kleinen Erfolge: Heute habe ich eine Minute länger geschafft – das macht in einem Monat eine halbe Stunde.«

»Leistungssportler sind ständig verletzt. Vor dem TV ist es sicherer.«
Julian Ramin, 19, Schüler

Schütt: »Das ist wirklich eine sehr schöne­ Ausrede. Aber die Nachteile, die das Auf-dem-Sofa-Liegen gesundheitlich mit sich bringt, sind 25-mal höher als das Risiko, sich beim Sport zu verletzen. Wer sich vor dem Sport gut aufwärmt und nach dem Sport dehnt, schützt sich bestmöglich vor Verletzungen. Wer in einer Gruppe trainiert, sollte nicht versuchen, aus Ehrgeiz mitzuhalten. Besser: stets auf den eigenen Körper hören.«

»Es lohnt sich gar nicht mehr, mit Sport anzufangen.«
Anja Stollberg, 46, Medizinische Fachangestellte

»Ich nehme mir immer vor, mit dem Joggen anzufangen, aber wenn es dann so weit ist, verschiebe ich es wieder. Und mal ehrlich: Eine große Sportlerin werde ich jetzt ohnehin nicht mehr.« 

Schütt: »Tatsächlich lohnt sich Sport von Jahr zu Jahr immer mehr. Zuge­geben, die biologische Uhr tickt, aber: Durch Sport können Sie den Verschleiß­, den Ihre Organsysteme zwangsläufig durchmachen, aufhalten. Ein Beispiel: Ab 30 verliert man pro Jahr etwa ein halbes Kilo an Muskelmasse. Wenn man nichts dagegen tut, wird das durch Fett ersetzt. Treibt man aber Sport, kann die Muskulatur, rein biologisch gesehen, ein Leben lang auf dem Stand einer 30-Jährigen bleiben. Ist das nichts?«

»Wozu Muskeltraining? Viele Bodybuilder haben einen dicken Hals.«
Daniel Ohlsen, 37, Barmann

Schütt: »Der dicke Hals und der wegtrainierte Busen bei Frauen kommen durch die Medikamenteneinnahme. Außerdem trainieren Bodybuilder, die man aus dem Fernsehen kennt, ex­zessiv und mit gezieltem Krafttraining. Freizeitsportler, die normal trainieren, erhalten, straffen und kräftigen ihre Muskeln vor allem. Und das ist gut: Denn Muskeln sind aktives Gewebe und verbrauchen etwa doppelt so viel Energie wie anderes Gewebe. Zudem hat das Training einen gewissen Nachbrenn-Effekt. Das bedeutet: Auch nach dem Sport läuft die Fettverbrennung über Stunden weiter, selbst wenn man schon auf der Couch sitzt.«

»Anfangen ist leicht, nur dranbleiben nicht.«
Sarah Yildiz, 42, Event-Managerin

»Ich wäre gerne fitter und habe mich schon oft im Fitnessstudio angemeldet. Spätestens nach einem Monat aber verliere ich meist die Lust und werde zur klassischen Karteileiche.« 

Das sagt Schütt: »Na, dann suchen Sie sich eine Sportgruppe! Oder verabreden Sie sich regelmäßig mit einer Freundin. Zusammen mit anderen macht das Training viel mehr Spaß.

Und wenn Sie besonders Schweinehund-gefährdet sind, planen sie immer dieselben Handgriffe vor dem Rausgehen ein – wie ein Ritual: Trainingsplan studieren, Banane essen, Sportsachen anziehen, und los. Meist hilft das schon.«

Mehr von Avoxa