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Hitzeschutz

Arzneimittel im Sommer richtig lagern

Klar, Medikamente in der prallen Sonne liegen zu lassen, ist keine gute Idee. Hohe Temperaturen vertragen Tabletten, Liquida und Co. in der Regel nicht. Worauf ist darüber hinaus an heißen Sommertagen und auf Reisen bei der Lagerung von Arzneimitteln zu achten?
Verena Schmidt
21.06.2022  12:00 Uhr

Arzneimittel sind unterschiedlich empfindlich gegenüber Hitze. Das beste Beispiel für eine ziemlich Temperatur-kritische Darreichungsform sind wohl Zäpfchen, die bereits ab 25 °C zu schmelzen beginnen. Ist das einmal passiert, sollten sie auch nicht mehr verwendet werden. Denn wenn sie wieder fest werden, ist der Wirkstoff ungleichmäßig verteilt – die korrekte Wirkung und die Sicherheit des Arzneimittels sind dann nicht mehr gewährleistet.

Auch viele Cremes und Salben werden bei zu langer Hitzeeinwirkung unbrauchbar, da sich unter anderem enthaltene ungesättigte Fettsäuren zersetzen, das Löslichkeitsprodukt überschritten wird oder die Emulsionsphasen brechen. Feste Arzneiformen wie Tabletten sind dagegen im Vergleich eher unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen. Prinzipiell aber gilt bei länger andauernder falscher Lagerung, zum Beispiel bei starker Hitze oder extremer Kälte: Auch wenn äußerlich keine Veränderungen zu erkennen sind, kann die Wirkung des Medikaments verändert, herabgesetzt oder ganz verschwunden sein.

Wie ein bestimmtes Arzneimittel gelagert werden soll, steht auf dem Umkarton beziehungsweise in der Gebrauchsanweisung. Generell gibt es drei Temperaturbereiche für die Lagerung: Die meisten Arzneimittel werden bei Raumtemperatur aufbewahrt, das heißt 15 bis 25°C (manchmal auch 15 bis 30°C). Einige Medikamente wie Insuline oder manche Biologicals gehören in den Kühlschrank bei 2 bis 8°C und wenige werden sogar tiefgekühlt bei -18°C oder kälter (zum Beispiel einige Blutprodukte). Viele Arzneimittel, die im Kühlschrank gelagert werden, können auch bei Raumtemperatur transportiert werden. Kühlkettenpflichtige Arzneimittel wie Impfstoffe allerdings müssen über die gesamte Lieferkette (vom Hersteller zum Großhandel und zur Apotheke bis zum Patienten) immer im vorgeschriebenen Temperaturbereich gehalten werden.

Sicher transportieren

Bei Arzneimitteln, die bei Raumtemperatur gelagert werden, ist es in aller Regel nicht problematisch, wenn sie für kurze Zeit geringfügig höheren oder niedrigeren Temperaturen ausgesetzt werden. Große Hitze und starke Sonneneinstrahlung über längere Zeit vertragen sie aber meist nicht. Im Sommer kann diesbezüglich besonders der Transport im Auto, sei es auf der Urlaubsreise oder auch beim Botendienst der Apotheke (siehe Kasten), kritisch sein.

Hier gilt: Handschuhfach und Armaturenbrett sind keine geeigneten Orte für die Reiseapotheke. Im Inneren eines geschlossenen Handschuhfachs können sich Temperaturen von bis zu 70 °C entwickeln. Am besten transportiert man Arzneimittel unter dem Vordersitz oder im Kofferraum – eventuell in einer Isoliertasche. Medikamente, die normalerweise im Kühlschrank gelagert werden, sollten in einer Kühltasche transportiert werden. Vorsicht: Die Arzneimittel dürfen nicht direkt in Kontakt mit dem Kühlelement kommen, denn dann können sie einfrieren – auch das kann die Wirkung beeinträchtigen. Ein guter Tipp ist auch, das Kühlelement mit Tüchern oder Schaumstoff zu umwickeln. Zu Hause oder am Urlaubsort kann das Medikament dann wieder im Kühlschrank aufbewahrt werden – nicht zu nah an der Wand, da es auch hier sehr kalt werden kann und Einfrieren droht. Auch die Kühlschranktür ist nicht geeignet, hier schwanken die Temperaturen zu stark.

Alles in den Kühlschrank?

Im Sommer vorsichtshalber alle Medikamente im Kühlschrank zu lagern, ist kein guter Ratschlag. Vor allem für viele flüssige Zubereitungen sind die niedrigen Temperaturen nicht geeignet: Bei Indometacin- oder Ketoprofen-haltigen Hydrogelen etwa können sich bei Lagerung unter 8 °C nicht sichtbare Zusammenlagerungen bilden, die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Arzneimittels beeinträchtigen. Bei Lösungen, die mit para-Hydroxybenzoesäureester konserviert sind (wie viele Psychopharmaka), wird das Löslichkeitsprodukt unter 8 °C unterschritten, das Konservierungsmittel fällt irreversibel aus.

Und was ist mit Dosieraerosolen im Sommer? Sie sollten möglichst nicht höheren Temperaturen als 25 °C ausgesetzt werden. Werden sie beispielsweise direkt in die Sonne gelegt, können sie stark aufheizen, und der Druck im Behältnis steigt. Der Sprühstoß kann dann heftiger als normal ausfallen, die Dosiergenauigkeit ist nicht mehr gegeben. Ähnliche Probleme können auch bei arzneistoffhaltigen Pflaster auftreten, wenn sie längere Zeit Temperaturen über 25°C aushalten müssen. Bei Membranpflastern kann sich die Wirkstoffverteilung verändern. Ist dann etwa mehr Wirkstoff im Klebematerial, kann bei der Applikation auf der Haut zu Beginn eventuell eine zu hohe Dosis freigesetzt werden.

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