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Wechselwirkungen
Arzneimittel und Essen – das ist zu beachten

Proteinarm essen?

Unentbehrlich für den Aufbau körpereigener Proteine ist die Zufuhr von Fleisch, Fisch, Milch, Eiern und Hülsenfrüchten. Das gilt auch für Parkinson-Patienten. Jedoch müssen sie bei einer Therapie mit Levodopa akribisch darauf achten, ihre Tabletten stets 30 bis 60 Minuten vor oder 90 bis 120 Minuten nach einer eiweißreichen Mahlzeit einzunehmen, um einer Resorptionsbeeinträchtigung durch Nahrungseiweiß und somit einer Verschlechterung der krankheitstypischen Plus- beziehungsweise Minussymptome zu entgehen. Dopaminagonisten werden dagegen zum Essen eingenommen.

Durch Reifung und/oder Lagerung entstehen in proteinhaltigen Lebensmitteln biogene Amine wie Histamin oder Tyramin. Wird deren enzymatischer Abbau im Körper durch gleichzeitige Arzneimittelgabe gehemmt, führt dies zu unerwünschten Effekten. Aufgrund des hohen Tyramin-Gehaltes in gereiftem Käse spricht man vom sogenannten Cheese-Effekt, wenn es durch Hemmung der Monaminoxidase im Darm zu Hyperthermien, Arrhythmien und lebensbedrohlichen hypertensiven Blutdruckkrisen kommt. Das Reserve-Antidepressivum Tranylcypromin, das MAO-A und -B irreversibel hemmt, darf daher nur unter Einhalten einer streng Tyramin-armen Kost gegeben werden. Arzneistoffe, die nur MAO-A oder -B reversibel hemmen, sind weniger einschränkend.

Mit der steigenden Beliebtheit von Soja in der westlichen Welt als wichtige Proteinquelle für Vegetarier und Veganer nehmen auch Berichte über Wechselwirkungen mit Medikamenten zu. Bislang erwiesen ist der Einfluss des Sojakonsums auf die Schilddrüse. So wird nicht nur die Resorption von eingenommenem L-Thyroxin gehemmt, auch die körpereigene Synthese von T3 und T4 wird beeinträchtigt, was eine Hypothyreose hervorrufen kann. Besonderes Augenmerk ist auf Kinder zu richten, die sojareich ernährt werden, da ihnen Gefahr irreversibler geistiger und körperlicher Entwicklungsstörungen droht.

No-Go Alkohol

Die Liste der Arzneistoffe, die mit alkoholischen Getränken Wechselwirkungen eingehen, ist bekanntermaßen lang, die gegenseitige Beeinflussung unberechenbar, häufig gefährlich. Alkohol kann die Arzneimittelwirkung verstärken oder abschwächen, ebensolche Effekte treten auch umgekehrt auf. Gelegenheitstrinken unterscheidet sich in seinen Einflüssen vom chronischen Abusus. Gute Gründe also, die Finger von der Flasche zu lassen, unabdingbar aber für alle Medikamente, die zentraldämpfend wirken wie beispielsweise Benzodiazepine, Psychopharmaka, Antikonvulsiva, Opioide und Antihistaminika. Hier sind Schläfrigkeit, Atemdepression und motorische Beeinträchtigung und damit ein erhöhtes Unfallrisiko zu befürchten. Auch eine paradoxe Wirkung, also Erregtheit und Aggressivität wird beobachtet, vor allem bei sehr alten Menschen.

Zusammen mit Antihypertensiva führt Alkohol zu starkem Blutdruckabfall; Schwindel und Stürze können die Folge sein. Die Lebertoxizität von Paracetamol und Statinen erhöht sich mit regelmäßigem Alkoholkonsum, während es bei häufiger Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika zu Schleimhautschäden im Gasttrointestinaltrakt bis hin zum Ulkus kommen kann.

Auch der Diabetiker sollte sich das Gläschen in Ehren lieber verwehren: Alkohol verstärkt den hypoglykämischen Effekt von Insulin und Sulfonylharnstoffen, bei Metformin erhöht sich die Gefahr einer Laktatacidose.

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