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Sonne

Auch dunkle Haut braucht Schutz

Auch Menschen mit dunkler Haut müssen sich vor der Sonne schützen. Ein adäquater Sonnenschutz senkt das Risiko für Hautkrebs und vermindert die Alterung der Haut durch die Strahlung.
Christina Hohmann-Jeddi
11.07.2019
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»Was wir über Sonnenschutz wissen, wissen wir von heller Haut«, sagte Professor Dr. Martina Meinke von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité Berlin auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie in Düsseldorf. Bekanntermaßen ist UV-Schutz sehr wichtig, denn UV-Strahlung ist der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs. Und die Erkrankungsrate nimmt zu: »Die Hautkrebsrate steigt seit Jahrzehnten«, so Meinke.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken jedes Jahr etwa zwei bis drei Millionen Menschen an hellem Hautkrebs, zu dem das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom zählen, und mehr als 250.000 Menschen an schwarzem Hautkrebs, dem malignen Melanom. In Deutschland entwickeln laut Krebsinformationsdienst jährlich etwa 21.000 Menschen ein malignes Melanom und 230.000 eine Form des hellen Hautkrebses. Letzterer metastasiert selten und hat somit eine vergleichsweise gute Prognose. Risikofaktoren für diese Tumoren sind ein heller Hauttyp und die Belastung der Haut mit UV-Strahlung durch Sonne und Solarien. Beim schwarzen Hautkrebs ist das anders. Er metastasiert rasch und ist damit deutlich gefährlicher. Bei ihm entarten die Melanin-bildenden Zellen der Haut, die Melanozyten. Auch hier sind UV-Strahlung (vor allem UV-B) und die von ihr ausgelösten DNA-Schäden in Hautzellen zusammen mit einem hellen Hauttyp die Hauptrisikofaktoren.

Also sind Hellhäutige stärker gefährdet als Dunkelhäutige, denn bei dunkler Haut kann der hohe Anteil an Melanin die UV- und zum Teil auch die Strahlung im sichtbaren Bereich abfangen und die negativen Folgen blockieren. Dies ist auch an den Erkrankungszahlen zu erkennen: Laut einer im Februar im Fachjournal »CA: A Cancer Journal for Clinicians« erschienenen Krebsstatistik aus den USA erkranken 1,2 von 100.000 afroamerikanischen Männern an schwarzem Hautkrebs im Vergleich zu 34 von 100.000 hellhäutigen Männern. Auch bei Frauen ist der Unterschied deutlich: Bei afroamerikanischen Frauen liegt die Inzidenz bei 1,0 von 100.000 gegenüber 22,1 von 100.000 bei hellhäutigen.

Hoher Eigenschutz

Bei einem hohen Eigenschutz durch Melanin ist das Risiko also deutlich verringert, aber nicht gleich Null. Problematisch ist, dass bei Menschen mit dunkler Haut Hautveränderungen schlechter zu detektieren sind. »Die Prognose ist schlechter und Studien zeigen, dass die Mortalität auch erhöht ist«, berichtete Meinke.

Da UV-Strahlung der Hauptrisikofaktor für die Entwicklung von Hautkrebs ist, kann das Risiko gesenkt werden, indem man starke Sonnenexposition vermeidet. »Sonnencremes schützen zwar effektiv gegen UV-Strahlung, aber reicht das?«, fragte Meinke. UV-B-Strahlung kann die DNA direkt schädigen, aber alle Spektren des Sonnenlichts lösen eine Radikalbildung in der Haut aus. Bei den hellen Hauttypen I bis III gehen 50 Prozent der Radikalbildung auf UV-Strahlung und gut 50 Prozent auf Strahlung im sichtbaren und nahen Infrarot-Bereich (NIR) zurück. Eine hohe Radikalbelastung kann die Haut schädigen und zu Inflammation und Photoaging führen und die Tumorprogression verstärken.

Mehr Strahlung resorbiert

Während helle Haut gut untersucht ist, wusste man über dunklere Hauttypen bislang wenig. Daher untersuchte Meinkes Arbeitsgruppe, wie sich die Hauttypen IV und V bei Sonnenlichtexposition verhalten. Das Ergebnis: Alle Spektren des Sonnenlichts lösen bei diesen Hauttypen Radikalbildung aus, allerdings weniger als in heller Haut, nämlich etwa im Umfang von 60 Prozent der Radikale, die in Hauttyp II entstehen. Die höchste Radikalbildung war im sichtbaren Bereich der Strahlung zu verzeichnen, berichteten die Forscher im März im »British Journal of Dermatology«. Danach folgten UV und NIR zu etwa gleichen Teilen. Da dunkle Haut durch den hohen Melaninanteil mehr Strahlung resorbiere als helle, steige die Temperatur der Haut, was wiederum bekanntermaßen die Radialbildung verstärke, heißt es in der Publikation.

Die Ergebnisse zeigten, dass auch dunklere Hauttypen Sonnenschutz benötigen und eventuell spezielle Produkte hierfür, sagte Meinke. Sonnenschutzpräparate für dunklere Haut sollten neben einem UV-Schutz auch Pigmente zur Streuung im sichtbaren und NIR-Bereich enthalten, Antioxidanzien und optimalerweise auch kühlende Substanzen, die die Hauttemperatur senken. Entsprechende Präparate seien noch nicht auf dem Markt, sagte die Expertin. Ihre Arbeitsgruppe entwickelt derzeit aber eines, das in ersten Untersuchungen die Radikalbildung senken konnte.

Schatten und lange Kleidung

Dass Sonnenschutz für alle Hauttypen wichtig ist, betonte auch Professor Dr. Breitbart, zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP), im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. »Menschen mit dunklerem Hauttyp sind aufgrund ihrer genetischen Ausstattung deutlich besser an Sonnenexposition angepasst als Menschen mit hellerem Typ«, sagte er. Das liege nicht nur am höheren Melaningehalt, sondern auch am besseren DNA-Reparatursystem. »Nichtsdestotrotz müssen sich auch Menschen mit dunkler Haut schützen.« Für sie gelten die gleichen Empfehlungen wie für alle Hauttypen: Sonnengerechte Kleidung tragen, sich viel im Schatten aufhalten beziehungsweise die Mittagssonne ganz meiden. Den besten Schutz bieten lange Kleidungsstücke aus dicht gewebten Materialien, die locker sitzen, oder spezielle UV-Schutz-Kleidung. Ein Hut oder eine Kappe schützen das Gesicht und die Augen.

»Bei Sonnenschutz denken viele Menschen automatisch an Sonnencreme, doch die Verhaltensmaßnahmen sind viel entscheidender«, sagte Breitbart. Sonnenschutzpräparate seien nur das letzte Mittel, das auf unbedeckte Körperstellen aufgetragen wird, wenn man sich in der Sonne aufhalte. Dies sollte 30 Minuten vor der Exposition erfolgen, wobei Präparate mit Lichtschutzfaktor 30 oder mehr empfohlen werden. Pro Quadratzentimeter Haut sollten mindestens 2 mg Creme aufgetragen werden. »Das ist sehr viel, aber sonst wirkt es auch nicht«, so Breitbart.

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