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Muskelabbau

Auch zu wenig Bewegung kann Kniearthrose begünstigen

»Muskulatur baut sich ab, wenn sie nicht laufend trainiert wird«, warnt die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik und verweist auf die diesbezüglichen Gefahren des anhaltenden Corona-Lockdowns mit zumeist übermäßigem Sitzen und geschlossene Fitnessstudios. Sie rät zur Prävention, sprich: täglicher moderater Bewegung mit gezielter Kräftigung und Dehnung der Gelenkmuskulatur sowie Schulung der Balance.
Christiane Berg
19.02.2021  11:00 Uhr

»Die Muskulatur hält und stabilisiert das Gelenk und sorgt für saubere Bewegungsabläufe. Schädliche Fehl- und Überbelastungen werden abgemildert und manche Stürze vermieden. Nicht zu vergessen: Bewegung ist auch für die Ernährung des Knorpels wesentlich«, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE), Professor Dr. Karl-Dieter Heller.

Es sei bekannt, dass langjährige starke körperliche Beanspruchung – wie etwa bei Profifußballspielern – zu vermehrter Arthrose von Kniegelenken führen kann. Was viele nicht wissen: Auch zu wenig körperliche Fitness und Inaktivität kann einen vorzeitigen Gelenkverschleiß begünstigen. »Eine schwache Muskulatur rund um das Knie kann alltägliche Belastungen des Gelenks – wie zum Beispiel Treppensteigen – weniger gut abfangen und dämpfen«, macht Heller in einer aktuellen AE-Mitteilung deutlich.

Muskulatur stabilisiert das Gelenk

Durch zu wenig Muskelkraft werde das Gelenk überbeansprucht. Das gehe mit gehe mit einem zunehmenden Verlust des Gelenkknorpels einher, der so seine natürliche Pufferfunktion verliert. Ein Teufelskreis entsteht: Der unter dem Knorpel liegende Knochen wird vermehrt strapaziert, Kalk wird zunehmend eingelagert, die Knochenplatte verdickt sich und gelenknahe knöcherne Randwülste bilden sich aus.

Baut sich der Knorpel nun ab, reichern sich die Abbauprodukte in der Gelenkflüssigkeit an. Das führt zu Entzündungsreaktionen der Kapsel, wodurch Schwellungen und Ansammlungen von Reizflüssigkeit, also Gelenkergüssen, hervorgerufen werden. Freiliegende Knochenflächen, abgesprengte Knorpel-Knochen-Stücke und Verkalkungen der Gelenkkapsel behindern zunehmend die normalen Bewegungsabläufe.

Die entzündliche Veränderungen im Gelenkinneren und die eingeschränkte Beweglichkeit wirken sich wiederum nachteilig auf die gelenknahe Muskulatur aus und können schmerzhafte Verspannungen und Muskelverkürzungen zur Folge haben, was mit einem weiteren Bewegungsdefizit bei weiterer Abnahme von Muskelmasse und Kraftverlust führen kann. Durch einen untrainierten Muskelapparat erhöht sich zudem die Sturzgefahr. Brüche können den Knorpel weiter schädigen.

»Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass bei Patienten mit Arthrose des Kniegelenks insbesondere der große vierköpfige Oberschenkelmuskel, der sogenannte Quadrizeps, geschwächt ist«, ergänzt der AE-Generalsekretär Professor Carsten Perka. »Tatsächlich steht der muskuläre Abbau des Quadrizeps oft am Beginn einer Arthrose – und ist nicht, wie zu vermuten wäre, seine Folge.«

Inaktivität ähnlich risikoreich wie Verletzungen

Die eingeschränkte muskuläre Kontrolle des Kniegelenkes gilt als vergleichbarer Arthrose-Risikofaktor wie ein durch Verletzung instabil gewordenes Gelenk – etwa in Folge eines Risses des Kapsel-Band-Apparats oder eines Meniskusschadens. Wenn zur Muskelschwäche noch Übergewicht dazu kommt, verstärken sich die schädlichen Effekte.

Bislang gebe es kein Therapieverfahren, das die Kniegelenksarthrose dauerhaft aufhalten oder gar umkehren kann. Schreite diese voran, könne gegebenenfalls der operative Einsatz eines Ersatzgelenks unumgänglich werden. Prävention, sprich: tägliches moderates Ausdauer-, Kraft- und Beweglichkeitstraining, so die AE, sei daher unbedingt empfehlenswert.

Training in der Pandemie

Jetzt, in der Corona-Pandemie, könnten die Anleitungen der Dresdner Gelenkschule des Universitätsklinikums Carl Gustav Caro hilfreich sein. (https://www.uniklinikum-dresden.de/de/das-klinikum/kliniken-polikliniken-institute/oupc/fuer-patienten/patienteninformation-uebungsprogramme/Knie/selbstgestaltete-bewegungstherapie) Ihre Programme bieten eine breit gefächerte und abwechslungsreiche Auswahl an Übungen für die selbstgestaltete Bewegungstherapie. Auf ihrer Internetseite werden alle Trainingseinheiten in kurzen Filmen demonstriert und erklärt. www.dresdner-ou-schule.de .

»Gezielte Informationen können dazu beitragen, den Krankheitsverlauf von Arthrosepatienten positiv zu beeinflussen«“, betont Professor Klaus-Peter Günther, Initiator der Dresdner Gelenkschule. Das genaue Wissen um den Aufbau, die Funktion und die Erkrankungen der Gelenke und des Bewegungsapparats sei ein wichtiges Erfolgsfaktor im Heilungsprozess.

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