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Therapie und Hautpflege

Aus für den Teufelskreis bei Neurodermitis

Neurodermitis verliert sich mit dem Übergang von der Kindheit zur Jugend häufig. Doch auch Erwachsene können noch unter der Erkrankung leiden und sie selbst in fortgeschrittenem Alter erstmals entwickeln. Ein Therapie- und Pflegekonzept, das individuelle Gegebenheiten berücksichtigt, ist das A und O, um das Leiden zu lindern.
Nicole Schuster
30.07.2021  16:00 Uhr

»Neurodermitis entwickelt sich meist vor dem fünften Lebensjahr, bildet sich dann aber oft in der Pubertät wieder zurück«, sagt Dr. med. Uwe Schwichtenberg, Dermatologe aus Bremen und Verantwortlicher für das Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen e. V. im Gespräch mit PTA-Forum. »Es ist eher die Ausnahme, dass die Krankheit voll ausgeprägt bis ins Erwachsenenalter fortbesteht.«

Umgekehrt kann sich das atopische Ekzem aber auch erst im späteren Lebensalter entwickeln. In Deutschland leiden etwa 13 Prozent der Kinder und 2 bis 4 Prozent der Erwachsenen darunter. Altersabhängig äußert sich die Neurodermitis unterschiedlich. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind bevorzugt Augen- und Stirnbereich, Wangen, die Region um den Mund, Hals (Nacken), der obere Brustbereich und Schultergürtel, Ellenbeugen, Kniekehlen, Handgelenke und Handrücken betroffen. Schwierig zu diagnostizieren sind Fälle, in denen Patienten nur minimale Symptome zeigen, etwa eine Lippenentzündung (Cheilitis), kleine Hautrisse (Rhagaden) im Mundwinkel, an den Ohrläppchen oder an den Finger- und/oder Zehenspitzen (Pulpitis sicca) oder auch ein Brustwarzenekzem. »Vor allem bei Senioren sind oft ganz isolierte Bereiche wie die Augenlider oder die Genitalien betroffen. Das sind dann Spezialvarianten der Neurodermitis«, erklärt der Experte. 

Juckreiz als Leitsymptom

Die Veranlagung für Neurodermitis ist vererbbar. Bei Menschen mit entsprechender genetischer Disposition können verschiedene Auslöser (Trigger) zu einem Neurodermitis-Schub führen. Diese Trigger sind individuell unterschiedlich. Beispiele sind:

  • Schwitzen,
  • bestimmte Textilien
  • ungünstige klimatische Bedingungen wie trockene Luft (auch durch die Heizung), kalte Luft, Schwüle, starke Temperaturschwankungen
  • Reinigung der Haut mit ungeeigneten Pflegemitteln
  • unverträgliche Kosmetika
  • Tabakrauch
  • Allergieauslöser wie Hausstaubmilben, Schimmelpilze, Tierhaare, Pollen, bestimmte Nahrungsmittel und Zusatzstoffe (zum Beispiel Kuhmilch, Hühnereiweiß, Nüsse, Weizen, Soja, Fische, Meeresfrüchte)
  • akute Infektionen wie heftige Erkältungen und Grippe,
  • psychische Belastungen wie Stress, Trauer, aufregende Ereignisse wie die Einschulung oder eine Hochzeit
  • hormonelle Faktoren (Schwangerschaft, Menstruation)

Leitsymptom im akuten Stadium ist ein quälender Juckreiz, zudem belasten nässende Ekzeme. Chronisch leiden die Betroffenen unter einer trockenen, oft schuppigen Haut, die leicht reizbar ist. Bei manchen Patienten ist die Haut an einigen Stellen lederartig verdickt (Lichenifikation).

»Die extrem empfindliche und leicht entzündungsanfällige Haut ist eine Folge davon, dass ihre Barrierefunktion gestört ist«, sagt der Dermatologe. Bei den Patienten produzieren die Talgdrüsen weniger Talg, auch ist die Zusammensetzung der Hautfette verändert. Dadurch verliert die Haut viel Feuchtigkeit und trocknet leicht aus. Auf Auslöser wie Reizstoffe oder Allergene reagiert sie schnell irritiert. Betroffene spüren dann ein Kribbeln in der Haut, es folgt ein starker Juckreiz. Zudem bilden sich nässende Ekzeme, die im Laufe der Zeit verkrusten.

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