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Motorische und kognitive Fähigkeiten

Ausdauertraining verzögert Fortschreiten von Parkinson

Ausdauersport kann dem Abbau motorischer und kognitiver Fähigkeiten bei Morbus Parkinson entgegenwirken. Wie eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung des »Institute for Brain, Cognition and Behaviour« der Radboud University in den Niederlanden belegt hat, wird durch das Training die funktionelle und strukturelle Plastizität der Hirnregionen verbessert, die für die Planung, Ausführung und Kontrolle von Bewegungen zuständig ist.
Christiane Berg
24.01.2022  16:00 Uhr

Bereits eine von diesem Institut initiierte und 2019 im Fachmagazin »The Lancet« veröffentlichte Studie hatte gezeigt, dass regelmäßiges aerobes Training auf dem Ergometer die Verstärkung motorischer Defizite bei Parkinson im Frühstadium im Gegensatz zu in einer Kontrollgruppe, die lediglich Stretching-Übungen anwandte, deutlich verlangsamen kann.

Im Rahmen der jetzigen Folge-Studie wurden nunmehr spezifische, für Parkinson bedeutsame Hirnareale von 56 Patienten unter anderem mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (MRT) genauer untersucht und der Grad der Hirnatrophie erfasst. Daneben mussten die Teilnehmenden validierte Aufgaben zur Überprüfung ihrer okulomotorischen Fähigkeiten sowie verschiedene klinische Tests zur Bewertung ihrer kognitiven Stärken (MOCA-Test), motorischen Symptome und Aufmerksamkeitsleistungen bewältigen.

Es zeigte sich, dass aerobes Ausdauertraining am Ergometer zu stärkeren funktionellen Vernetzungen zwischen dem sensomotorischen Kortex sowie dem vorderem und hinterem Putamen als Teil des extrapyramidalmotorischen Systems mit wichtigen Effekten in der Steuerung der Willkürmotorik und Kontrolle von Bewegungsabläufen führt.

Verzögerter Abbau motorischer und kognitiver Funktionen

Das hatte zur Folge, dass die Fähigkeit zur kognitiven Beherrschung ungewollter Bewegungen bei den Ausdauersporttreibenden höher war als bei den Teilnehmern der Stretching-Gruppe. Darüber hinaus wurde bei diesen eine stärkere funktionelle Vernetzung im rechten frontoparietalen Netzwerk bei gleichzeitig geringerer Hirnatrophie beobachtet, die mit dem Grad der Fitness korrelierte.

Fest steht somit: »Ausdauersport hat eine messbare Wirkung auf das Gehirn. Indem er die funktionelle und strukturelle Plastizität der für die Planung, Ausführung und Kontrolle von Bewegungen zuständigen Hirnregionen verbessert, kann er dem Abbau motorischer und kognitiver Funktionen bei Morbus Parkinson entgegenwirken«, unterstreicht Professor Lars Timmermann in einem die Veröffentlichung der Studienergebnisse begleitenden Pressestatement der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Ob in der Arztpraxis oder in der Apotheke: »Patienten und Patienten sollten im Beratungsgespräch konsequent zum Ausdauersport motiviert und angeleitet werden«, so der stellvertretende DGN-Präsident. Regelmäßige, sprich dreimal wöchentliche Bewegungseinheiten von 30 bis 45 Minuten am häuslichen Ergometer seien für Parkinson-Patienten besonders gut geeignet, da dieses mit einer niedrigen Sturzgefahr assoziiert ist.

Der Prävention durch regelmäßiges körperliches Training, so die DGN, sei insofern besondere Bedeutung zuzumessen, als derzeit keine ursächlichen, sondern nur symptomatische Therapieoptionen zur Verfügung stünden.   

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