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Selbstmedikation bei trockenen Augen

Immer wieder Tränen ersetzen

31.01.2008
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Selbstmedikation bei trockenen Immer wieder Tränen ersetzen

Andrea Hämmerlein, Berlin

Etwa jeder fünfte Patient sucht einen  Augenarzt auf, weil seine Augen gerötet sind, jucken, brennen oder ihn ein  Fremdkörpergefühl stört. Besonders häufig klagen Patienten in und nach der kalten Jahreszeit über diese typischen Beschwerden der trockenen Augen.

Trockene Augen sind besonders häufige Erkrankungen in der Augenheilkunde. In der medizinischen Fachsprache heißt die Erkrankung auch Keratokonjunktivitis sicca oder Dry Eye Syndrome. Tränen sind lebenswichtig für die Augen. Der regelmäßige Lidschlag alle fünf bis zehn Sekunden verteilt die Tränenflüssigkeit gleichmäßig über die Augenoberfläche.

Fehlt dieser Film teilweise oder ganz oder setzt er sich falsch zusammen, entsteht das Krankheitsbild des trockenen Auges. Die Flüssigkeit enthält nicht nur Wasser, sondern auch Nahrung und Sauerstoff für die Hornhaut sowie Abwehrsubstanzen gegen eindringende Fremdstoffe und Keime.

Der Tränenfilm ist hauchdünn und besteht aus mehreren Schichten. Die schleimhaltige Muzinschicht liegt direkt auf der Hornhautoberfläche und gleicht Unebenheiten aus. Sie sorgt auch dafür, dass die anderen Komponenten des Tränenfilms besser am Auge haften. Den größten Teil der Tränenflüssigkeit macht die wässrige Schicht in der Mitte aus. Sie enthält Enzyme und Antikörper. Die äußere sehr dünne und fetthaltige Schicht sorgt dafür, dass die Tränenflüssigkeit nicht über die Lidkante abläuft und die wässrige Schicht nicht so schnell verdunstet. Die Tränenflüssigkeit wird in den Tränendrüsen produziert, die sich unterhalb der äußeren Augenbraue befinden. Daneben geben auch zahlreiche kleine Drüsen in der Bindehaut und im Lidrand Tränenflüssigkeit ab. Geregelt wird die Abgabe und Menge der Tränenflüssigkeit durch das vegetative Nervensystem.

Für trockene Augen gibt es vielfältige Ursachen, so zum Beispiel:

  • Bildschirmarbeit (sogenanntes Office-Eye Syndrome/Gamer-Eye bei Computerspielern)
  • Kontaktlinsen
  • niedrige Luftfeuchtigkeit/Klimaanlage
  • hormonelle Umstellungen, zum Beispiel Testosteronmangel im Alter
  • systemische Erkrankungen wie Rheuma, Diabetes mellitus, Hauterkrankungen wie Rosazea und Neurodermitis, Schilddrüsenerkrankungen, Allergien und  Infektionen
  • Arzneimittel wie Betablocker (oral und lokal als Augentropfen), Kontrazeptiva, Psychopharmaka, Antihistaminika, Anticholinergika, lokalanästhetische  Ophthalmika
  • Lidrandentzündung (Blepharitis)
  • Allergien
  • Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel Sjögren-Syndrom
  • Vitamin-A-Mangel
  • Augenoperationen wie Katarakt-OP

So kann der Mangel an Tränenflüssigkeit und/oder ihre veränderte Zusammensetzung zu trockenen Augen führen. Vor allem ältere Menschen erkranken, da mit zunehmendem Alter Haut und Schleimhäute an Feuchtigkeit verlieren, aber auch der Tränenfluss nachlässt. Jüngere Menschen sind betroffen, wenn sie lange am Computerbildschirm oder in trockenen, klimatisierten Räumen arbeiten.

Beschreibt ein Kunde in der Apotheke die typischen Beschwerden, sollten PTA oder Apotheker daran denken, dass auch systemische Grunderkrankungen sowie Arzneimittel die Benetzung des Auges stören können.

Unter einer schweren Augentrockenheit leiden Patienten mit Sjögren-Syndrom. Bei dieser Autoimmunerkrankung produzieren exogene Drüsen zu wenig Tränenflüssigkeit, Speichel und Gelenkschmiere. Wird die Lipidschicht des Tränenfilms nicht ausreichend gebildet, können sich die Lidränder entzünden (Blepharitis); infolge dessen verdunstet die wässrige Phase zu rasch, und das Auge wird nicht mehr ausreichend befeuchtet.

Was merkt der Patient?

Die Beschwerden der Betroffenen reichen je nach Schweregrad von einem leichten Brennen bis zu einer chronischen Hornhautentzündung mit Eintrübung der obersten Schicht. Klassischerweise berichten die Patienten über ein »Sandkorngefühl«. Zu den Symptomen zählen:

  • Fremdkörper- und Trockenheitsgefühl
  • Brennen, Juckreiz, Schmerzen
  • Augendruck
  • Lichtempfindlichkeit
  • Austrocknung der Hornhautoberfläche mit Veränderung der obersten Zellschicht.

Einige Patienten klagen paradoxerwei-se über einen vermehrten Tränenfluss in geheizten oder klimatisierten Räumen sowie bei Kälte und Wind. Ihre Augen tränen, weil der Tränenfilm falsch zusammengesetzt ist und daher weder auf dem Auge haftet, noch richtig über den Tränen-Nasen-Kanal ablaufen kann.

Gang zum Augenarzt erforderlich

Die Diagnose der Keratokonjuktivitis sicca stellt der Augenarzt mit Hilfe verschiedener Tests. So kann er mit dem Schirmer-Test die Menge der Tränenflüssigkeit (wässrige Phase) messen. Dazu legt er einen Filterpapierstreifen teilweise in den Bindehautsack. Als pathologisch gilt, wenn der Streifen in fünf Minuten weniger als 5 mm benetzt ist. Mit dem BUT(Break-up-time)-Test bestimmt er die Aufreißzeit des Tränenfilms. Sie gibt ihm Aufschluss über die Stabilität und damit die Muzinphase des Films. Die Tränenfilm-Aufreißzeit ist definiert als die Zeit nach einem Lidschlag, bis auf der Hornhaut trockene Stellen auftreten. Bei diesem Test färbt der Augenarzt den Tränenfilm mit dem Farbstoff Fluoreszein an und beobachtet das Auge mit der Spaltlampe. Normal ist eine BUT über 10 Sekunden, pathologisch ein Wert unter 5 Sekunden. Durch Anfärbung des Binde- und Hornhautepithels mit Farbstoffen wie Bengalrosa lassen sich ebenfalls trockene Stellen sowie abgeschilferte nekrotische Epithelzellen erkennen.

In den meisten Fällen richtet sich die Behandlung der trockenen Augen nach den Symptomen. Am häufigsten ist die Substitution der Tränenflüssigkeit in Form von Augentropfen oder -gelen. Die im Handel befindlichen Präparate enthalten unter anderem Carbomer, Hyetellose (Hydoxyethylcellulose), Hyaluronsäure, Hypromellose oder Polyvinylpyrrolidon (Povidon, PVP). Je nach Polymerisationsgrad unterscheiden sich die Substanzen in ihrer Viskosität. Die Auswahl der viskösen Lösung richtet sich nach der Schwere der Erkrankung. Bei Patienten mit leichten Beschwerden lindern wässrige Polymerlösungen mit PVP meist die Beschwerden (zum Beispiel Vidisept®, Lacophtal®). Ist die Erkrankung mittelschwer, helfen Tropfen mit höherer Viskosität, zum Beispiel Artelac® und Sic-Ophtal® mit Hypromellose. Für Patienten mit dauerhaften und starken Beschwerden sind Gele sinnvoll, zum Beispiel Lacrigel® C und Visc-Ophtal® mit Carbomer, oder Präparate mit Hyaluronsäure, zum Beispiel Hylo Comod® sowie Hylo-Vision® HD Augentropfen. PTA oder Apotheker sollten die Patienten bei der Abgabe dieser Präparate darauf hinweisen, dass in den ersten Minuten nach der Gelanwendung ein Schmierfilm das Sehvermögen deutlich beeinträchtigen kann. Autofahren ist in dieser Zeit tabu.

Tipps für die Anwendung

  • Sinnvoll sind unkonservierte Zubereitungen in Einzeldosen, da Konservierungsmittel wie Benzalkoniumchlorid das Auge zusätzlich austrocknen können.
  • Die Tränenersatzflüssigkeiten sollten vier- bis fünfmal täglich in beide Augen getropft werden.
  • Nach dem Anbruch die Haltbarkeiten beachten, wie sie die Hersteller angeben.
  • Benutzt ein Patient mehrere Präparate, zum Beispiel zusätzlich noch ein Mittel gegen erhöhten Augeninnendruck, so sollte er das Tränenersatzmittel frühestens zehn Minuten nach dem Antiglaukosum in das Auge tropfen.

Vorsicht ist auch bei Kontaktlinsenträgern geboten, für diese Gruppe sind nicht alle Mittel geeignet. Besonders die weichen Linsen sind sehr empfindlich.

Einige Präparate enthalten Salze, Schleim, Lipide und Wasser (zum Beispiel Liposic® oder Liposic® Fluid) und sind der natürlichen Tränenflüssigkeit in ihrer Zusammensetzung nachempfunden. Ihr Vorteil ist der universelle Einsatz. Auch die Präparate mit Hyaluronsäure finden bei allen Formen der trockenen Augen ihre Anwendung und werden von den Patienten als sehr angenehm empfunden.

Damit Haut- und Schleimhautläsionen des Auges schneller heilen, helfen Augenarzneimittel mit Dexpanthenol (zum Beispiel Corneregel® Fluid, Bepanthen® Augen- und Nasensalbe). Sie eignen sich ebenfalls für die Nachbehandlung von Hornhautentzündungen. Auch hier beeinträchtigt die Anwendung der Salbe kurzfristig das Sehvermögen.

Eine starke Lichtempfindlichkeit kann durch einen Vitamin-A-Mangel verursacht sein. Dieser Mangel macht sich zunächst durch eine verschlechterte Anpassung des Auges an Hell-Dunkel-Phasen und Nachtblindheit bemerkbar. Später verdickt die Hornhaut oder trocknet aus, im Extremfall erblindet der Betroffene. Vitamin A(Retinol)-haltige Augentropfen (zum Beispiel Oculotect®) helfen bei Austrocknungserscheinungen der Hornhaut und beschleunigen die Regeneration des Auges nach Bindehautentzündungen oder kleineren Hornhautverletzungen.

Neue Tränenergänzungsmittel in Form von liposomalen Augensprays (Tears again®) schaffen gute Abhilfe, wenn ein verminderter Lipidgehalt des Tränenfilms das trockene Auge verursacht. Die mit Wasser gefüllten Liposomen enthalten hautsächlich hoch gereinigtes Lecithin aus der Sojabohne. Das Spray sollen die Patienten aus circa zehn Zentimeter Abstand mehrmals täglich ein- bis zweimal auf die geschlossenen Augen sprühen. Über die Lidränder erreicht es den Tränenfilm und stabilisiert die Lipidschicht. Dadurch wird die Verdunstung der natürlichen Tränenflüssigkeit reduziert und ein frühzeitiges Ablaufen als Träne über den Lidrand vermieden.

Als alternative Therapieoptionen aus der Gruppe der Homöopathika eignen sich Euphrasia D3 Augentropfen zur Befeuchtung und Chelidonium Rh D4 Augentropfen zur Anregung der Tränensekretion bei trockener Bindehaut.

Wenn die häufige Applikation künstlicher Tränen den Patienten keine wesentliche Erleichterung bringt, kann der Augenarzt die abführenden Tränenwege durch kleine Kunststoffplomben, sogenannte Punctum Plugs, verschließen. Je nach Ausführung verbleiben die Plugs dauerhaft in den abführenden Tränenwegen oder lösen sich nach ein paar Wochen auf. Sie sind eine sehr gute Möglichkeit, das Abfließen der natürlichen Tränenflüssigkeit zu verhindern.

Zusätzliche Tipps

Folgende ergänzende Maßnahmen können PTA oder Apotheker den Patienten mit auf den Weg geben:

  • Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen erhöhen, zum Beispiel durch mehrmals  tägliches Lüften.
  • Lange Bildschirmarbeit meiden.
  • Kontaktlinsen durch Brille ersetzen.
  • Kühle Auflagen oder Kompressen für die Augen anwenden.
  • Ausreichend viel trinken, Tabakrauch meiden, Fernsehen reduzieren.

Pollenschutz

Die Experten des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e.V. raten zu folgenden vorbeugenden und therapiebegleitenden Maßnahmen:

  • Die größte Pollenausschüttung erfolgt in den frühen Morgenstunden zwischen 4 und 6 Uhr. In ländlichen Gebieten sollten daher die Fenster in dieser Zeit geschlossen bleiben. Die beste Zeit zum Lüften ist hier abends zwischen 19 und 24 Uhr. In städtischen Gebieten schweben gerade in den Abendstunden die Pollen herab. Hier tritt die geringste Pollenkonzentration in der Luft in den Morgenstunden zwischen 6 und 8 Uhr auf.
  • Spezielle Pollenschutzgitter können zudem verhindern, dass Pollen durch geöffnete Fenster in die Wohnräume gelangen.
  • Für viele Automodelle sind inzwischen Pollenfilter für die Lüftungsanlagen erhältlich.
  • Auch Staubsauger sollten mit einem speziellen Filter ausgestattet sein.
  • Pollenallergiker sollten täglich staubsaugen.
  • Pollenallergiker sollten möglichst jeden Abend vor dem Zubettgehen die Haare waschen und die Straßenkleidung außerhalb des Schlafzimmers ablegen, um keine Pollen ins Schlafzimmer einzuschleppen.

E-Mail-Adresse der Verfasserin
A.Haemmerlein(at)abda.aponet.de