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Magenverträglichkeit von NSAR

Diclofenac schnitt am besten ab

16.12.2010  20:06 Uhr

Von Elke Wolf, Frankfurt am Main / Im Vergleich mit anderen rezeptfreien Analgetika gilt Diclofenac nicht als besonders magenschonend. Doch ist das wirklich so? Eine aktuelle Studie gibt jetzt darüber Aufschluss.

Zunächst mussten 132 Probanden sechs Tage lang entweder niedrig dosiertes Diclo­fenac (12,5 mg oder 25 mg) oder eine in der Wirkung vergleichbare Dosierung von Acetylsalicylsäure (500 mg) oder Ibuprofen (200 mg) einnehmen. Das Ergebnis der anschließenden Untersuchung: Nach Diclofenac ließen sich endoskopisch signifikant weniger gastrointestinale Schleimhautschäden nachweisen als unter der Behandlung mit Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen, so der Gastroenterologe Professor Dr. Christopher Hawkey vom Universitätsklinikum Nottingham auf einer Pressekonferenz von Novartis am 30. November in Frankfurt am Main.

In der Studie verursachte die Acetyl­salicylsäure-haltige Formulierung die ­meisten Schäden an der Magenschleim­haut, im Durchschnitt mindestens drei Läsionen. Auch durch die Ibuprofen- beziehungsweise die Diclofenac-Einnahme kam es zu Erosionen und Ulcera an der Schleimhaut, doch deutlich seltener. Dabei war Diclofenac dem Ibuprofen leicht überlegen. »Die gefürchteten Nebenwirkungen auf die Magenschleimhaut fielen besonders bei Diclofenac geringer aus, als erwartet«, sagte Hawkey.

Die gastrointestinalen Nebenwirkungen der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) sind ein wichtiger Punkt, der im Beratungsgespräch nicht zu kurz kommen sollte. NSAR sind allgemein schlecht magenverträglich, da sie nicht nur die durch Verletzungen oder Entzündungen aktivierte Cyclooxy­genase II (COX II) hemmen, sondern auch die physiologisch vorkommende COX I. Durch die Hemmung von COX I werden weniger Prostaglandine gebildet, und zwar auch diejenigen Prostaglandine, die für die Mukusauflage auf der Magenschleimhaut und deren Schutz verantwortlich sind. Somit wird die Schleimhaut leichter angreifbar.

Bei Akuttherapie vor dem Essen

Mit zwei Mythen rund um die Einnahme von Diclofenac räumte Professor Dr. Carsten Culmsee aus dem Fachbereich Klinische Pharmazie der Universität Marburg auf. Nicht sinnvoll sei der Tipp, Diclofenac grundsätzlich zum Essen zu nehmen, um den Magen zu schonen. Culmsee empfahl, bei akuten Schmerzen nicht retardiertes Diclofenac etwa eine Stunde vor oder zwei Stunden nach der Mahlzeit einzunehmen. Nahrung verzögert die Resorption von ­Diclofenac. »Doch bei der Akuttherapie kommt es darauf an, schnell ausreichend hohe Blutspiegel des Wirkstoffs zu erreichen, damit die Schmerzen nachlassen«, sagte der Apotheker.

Für Patienten mit chronischen Schmerzen ist dagegen die verzögerte Resorption durch die Nahrung ohne Bedeutung, da es primär darum geht, die Blutspiegel konstant zu halten. Deshalb können diese Pa­tienten das Diclofenac auch zu den Mahlzeiten einnehmen, am besten in einer Retard-Formulierung.

Außerdem sei die Vorstellung falsch, dass die magensaftresistente Arzneiform von Diclofenac magenverträglicher sei als der Arzneistoff pur, so Culmsee. »Galenische Maßnahmen wie die Magensaftresistenz sorgen für gleichmäßige Blutspiegel, verbessern die Magenverträglichkeit aber kaum. Unabhängig von der Arzneiform wird die Prostaglandinsynthese auf systemische Weise gehemmt und nicht lokal.« /

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