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Alkoholkonsum

Europäer trinken sich zu Tode

17.12.2010  16:21 Uhr

PTA-Forum / Nach Tabak und Bluthochdruck ist Alkohol die dritthäufigste Ursache für Krankheiten und frühzeitige Todesfälle. Diese Entwicklung thematisierten Experten auf der Konferenz der European Association for the Study of the Liver (EASL) am 10. Dezember 2010 in Athen.

Die Fachleute kritisierten, dass die Gesundheitspolitiker der europäischen Länder noch immer die Augen vor den Problemen durch exzessiven Alkoholkonsum verschließen würden. Immer mehr Menschen, vor allem zunehmend jüngere erkranken an den schweren Folgen einer Leberzirrhose. Als eine Schlüsselfrage diskutierten die Konferenzteilnehmer, warum die Zahl der jungen Menschen ansteigt, die sich gezielt bis zum Vollrausch betrinken, und warum die Zahl der Menschen zunimmt, die an den Folgen einer alkoholgeschädigten Leber sterben.

Dazu einige Zahlen: In Europa konsumiert jeder Erwachsene jährlich durchschnittlich 11 Liter reinen Alkohol und damit mehr als der Rest der Welt. Bei einem von fünfzehn Erwachsenen verursacht der Alkoholkonsum ernsthafte Gesundheitsprobleme. Nachweislich erhöht sich das Risiko eines Leberschadens signifikant bei 20 cl Alkohol pro Woche, dramatisch bei über 40 cl wöchentlich. Wie sieht die europäische Realität aus? Einer von sieben europäischen Männern über 15 Jahre trinkt mehr als 35 cl Alkohol pro Woche, Frauen mehr als 18 cl. Über 20 Prozent der Erwachsenen gibt zu, sich mindestens einmal in der Woche mit mehr als 44 cl Alkohol zu betrinken. Täglicher Alkoholkonsum im Vergleich zum unregelmäßigen Trinken erhöht das Risiko, dass die Leber Schaden nimmt, um mehr als das Doppelte. Auf der Konferenz schlugen Leberexperten vor, in allen europäischen Ländern auf den Etiketten alkoholhaltiger Getränke die Zentiliter Reinalkohol anzugeben. Außerdem sollte ein regelmäßiges Screening der Leberfunktion eingeführt werden, insbesondere bei übergewichtigen Patienten. In der Vergangenheit hätte die Alkohollobby alle Empfehlungen der Gesundheitsexperten bezüglich der Bewerbung von Alkohol in der Öffentlichkeit untergraben und damit einen Wandel verhindert.

Professor Dr. Mark Thursz, Vizesekretär der EASL: »Klare Botschaften rund um gesundes Trinken müssen entwickelt und der Öffentlichkeit vermittelt werden. Das Konzept des verantwortlichen Alkoholkonsums kann gefährlich sein, wenn es ausschließlich auf negative Effekte abstellt wie Sucht, Trunkenheit im Straßenverkehr und anstößiges Verhalten.« Auch der mäßige Alkoholkonsum schade der Leber und der Gesundheit.

»Alkohol ist als einer der wichtigsten gesundheitsbestimmenden Faktoren in Europa vernachlässigt worden – insbesondere im Vergleich zu Rauchen und Übergewicht. Es besteht die dringende Notwendigkeit, dass die europäischen Institutionen eine umfassendere epidemiologische Forschung unterstützen, um die tatsächlichen Gesundheitsbelastungen durch Alkohol zu ermitteln.« Die Experten der EASL fordern klare ökonomische und rechtliche Aktivitäten vergleichbar der Lebensmittelkennzeichnung als Maßnahme gegen das Übergewicht und den Werbeverboten und der Verbannung der Raucher aus dem öffentlichen Raum. /

Quelle: EASL