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Fortbildung

Vom Lungenzug zum Lungentod

16.12.2010  20:02 Uhr

Von Gerhard Janssen und Raphaela Weber / »Sie spielen eine Schlüssel­rolle bei der Beratung von COPD-Patienten«, sagte Professor Dr. Klaus Mohr vom Fachbereich Pharmakologie und Toxikologie der Universität Bonn den PTA und Apothekern während einer Fortbildungsveranstaltung im November an der PTA-Schule Leer.

»Chronischer Husten ist auch bei sonst scheinbar Kerngesunden ein ernsthaftes Problem«, erklärte Mohr den Zuhörern. Von COPD sprechen Mediziner, wenn nach einer chronischen Bronchitis der Prozess der Entzündung irreversibel fortschreitet. Die Atemwege reagieren dann überempfindlich auch auf andere Schadstoffe. Im Unterschied zum Bronchialasthma bleibt der Atemstrom sogar unter der Medikation beeinträchtigt. Hinzu kommen nach und nach extrapulmonale Begleiterscheinungen. Da der Verursacher Nummer 1 das Zigarettenrauchen sei, ließe sich die Erkrankung dadurch verhindern, dass der Raucher auf sein Suchtmittel verzichtet.

Jeder 5. Raucher müsse damit rechnen, dass er irgendwann eine chronisch-­obstruktive Lungenerkrankung entwickelt. Mitentscheidend sei eine genetische Disposition. Nicht nur, dass sich die Bronchienwände chronisch entzündeten, hinzu kämen noch die bekannten anderen Schäden durch Teer und Nikotin. Experten schätzen, dass COPD im Jahr 2020 weltweit zur dritthäufigsten Todesursache wird.

Die Erkrankung verläuft in Phasen: Zunächst gehen mehr und mehr elastische Fasern verloren, später verschwinden die Membranen zwischen den Alveolen. Mohr zeigte den Teilnehmern eindrucksvolle Bilder von diesem Emphysem-Stadium. Im weiteren Verlauf werden die Alveolen abgebaut, und es verengen sich die kleinsten Blutgefäße. Dadurch steigt der Druck im Lungenkreislauf. In der Folge verdickt sich die rechte Herzkammer.

Einige Patienten sterben an dieser Rechtsherzinsuffizienz beziehungsweise dem Cor pulmonale. Schließlich gelangen immer mehr Entzündungsmediatoren in den Blutkreislauf und führen zum Abbau von Skelettmuskelmasse und Knochensub­stanz. Sogar seelische Veränderungen wie Depressionen sind die Folge. Einige Betroffene entwickeln eine Blählunge, weil der Gasaustausch an der immer kleiner werdenden Fläche nicht mehr ausreicht.

»Der Normalzustand ist jetzt durch Arzneimittel nicht mehr zu erreichen«, informierte der Referent. Am Ende des gesamten Prozesses stünde bei vielen Patienten die respiratorische Insuffizienz, also der Lungentod. »Überzeugen Sie Ihre Kunden, dass kein Arzneimittel den Rauchstopp auch nur annähernd ersetzen kann«, appellierte Mohr an die Zuhörer.

Therapie in Stufen

In diesem Zusammenhang stellte er das Stufenschema der Medikation vor, mit ß2-Agonisten, Parasympatholytika, Glucocorticoiden und Theophyllin. Der Arzneistoff Roflumilast, die neue Alternative zu den inhalativen Glucocorticoiden, könne noch nicht ausreichend beurteilt werden, vor allem bezüglich schwerer Nebenwirkungen. Die chirurgischen Maßnahmen reichen vom Entfernen kleiner Lungenteile bis zur Transplantation des gesamten Organs. Diese Aussichten sollten Raucher abschrecken, es nicht so weit kommen zu lassen.

Für Patienten mit COPD und chronischer Bronchitis sei die Grippe-Schutzimpfung ein absolutes Muss. Der Referent warb zum Abschluss noch um Verständnis: Jede Zigarette bewirke einen Dopamin-Kick, den Nichtraucher nicht nachempfinden können. Daher falle es Rauchern auch so schwer, nicht zur Zigarette zu greifen. »Sie als Heilberufler sind aufgefordert, ­besonders einfühlsam zur Abstinenz beizutragen.« /

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