PTA-Forum online
Ausstellungen

Zu Besuch bei Tigerente und Co.

16.12.2010  20:00 Uhr

Von Annette Behr / Seit über 50 Jahren faszinieren die Bilder und ­Geschichten rund um die Tiere des Herrn Janosch junge wie ältere Leser. Der kleine Tiger, der Bär und die Tigerente haben inzwischen sogar in Apotheken Einzug gehalten. In Troisdorf bei Bonn zeigt ein Museum viele Originalzeichnungen des Künstlers.

Auf Fieberthermometern, Pflastern und Wärmflaschen spenden die Janosch-Figuren kleinen Patienten Trost, wenn sie sich verletzt haben oder krank im Bett liegen müssen. Die bunten Motive erfreuen sich bei Kindern großer Beliebtheit. Dass das Leben kein Wunschkonzert ist, erfahren in Janoschs Geschichten neben dem Freundespaar Tiger und Bär auch Günther Kastenfrosch und Emil Grünbär, Löwenzahn und Seidenpfote, Kasper Mütze und Schnuddelbuddel. Die Paare meistern gemeinsam das Leben mit Sensibilität und Humor. Ganz wie ihr Erfinder, der Erzähler und Zeichner Janosch. Der deutsche Schriftsteller hat bisher über 150 Kinderbücher geschrieben und illustriert.

Übersetzt wurden seine Bücher in mehr als 30 Sprachen. Seinen größten Erfolg hatte Janosch mit dem Buch »Oh, wie schön ist Panama«. Mit der Reise ins Traumland erblickte hier die Tigerente das Licht der Janosch-Welt. Sie ist aus Holz, hat die Form einer Ente und ein tigerartiges Streifenmuster. Sie rollt auf Rädern und muss an einer Schnur gezogen werden. Die Ente eroberte sich schnell einen festen Platz im Herzen der Leser und in den Kinderzimmern. In den Geschichten spielt sie eine sehr passive Rolle. In dem Buch »Die Tigerente und der Frosch« schreibt Janosch: »Wenn es bergauf ging, trug der Frosch die Tigerente auf seinen Händen. Nach Art der alten Kavaliere, denn sie war eine Dame.« Er habe sich bei der Erfindung der Tigerente nicht viel gedacht, sagte er einmal. Angeblich stand im Münchner Zoo neben einem Elefanten eine Ente. Und da habe er sie einfach mit gezeichnet. Janosch beschreibt ihren Charakter kurz und knapp: »Sie redet nicht, sie bewegt sich nicht, ist handlungsunfähig, unbeteiligt, und denken tut sie sowieso nicht.«

Tiger tröstet kranke Kinder

Zwei besonders starke Tiere hat Janosch als zwei andere Hauptfiguren ausgewählt: den Tiger und den Bären. Er zeigt sie in ihren Stärken und ihren Schwächen. Manchmal sind sie traurig, doch meist froh und glücklich. Das Freundespaar wohnt in einem kleinen Häuschen. Dort machen sie es sich am Liebsten auf der Couch bequem. Anarchisch setzen sie sich über Gesetze und Konventionen hinweg. Beispielsweise organisiert der Bär liebevoll eine »Party für den Tiger«. Alle Gäste haben einen Heidenspaß, denn da wird mal eben die »Bude« unter Wasser gesetzt.

Kleinen Patienten und auch ihren Eltern geht es gleich besser, wenn sie die Geschichte vom kranken Tiger lesen. Im Buch »Ich mach Dich gesund, sagte der Bär« fällt der kleine Tiger einfach um. Sein Freund der Bär therapiert ihn auf seine Weise: Er kocht ihm seine Lieblingsspeise und verbindet ihn vom Kopf bis zu den Füßen, denn dem Tiger tut es überall weh. Als es dem kranken kleinen Tiger trotz aller Pflege wieder etwas schlechter geht, wünscht er sich Besuch. Nachdem der Maulwurf alle Tiere informiert hat, bringt Tante Gans Gänsewein.

Doch bald steht fest: Der kleine Tiger muss ins Krankenhaus. Die beiden starken Tiere, der Wolf und der Ziegenbock tragen ihn dorthin. Der »riesengraue Elefant«, die gelbe Ente, Maus, Fuchs, Igel, Hund und Wanderesel begleiten den kleinen Tiger auf seinem Weg. Dort macht ihn Doktor Brausefrosch »hastdunichtgesehen« gesund und verordnet ihm: »Dreimal pro Tag allerbeste Leibspeise mit Lieblingskompott«. Das Buch ist ein wunderbares Geschenk für kranke Kinder.

Zauberhafte Bilder

Janosch fabuliert oft über familiäre und freundschaftliche Bindungen. Janoschs Tiere leben ein respektvolles Miteinander vor und haben Spaß am Leben. Seine kurze und phantasievolle Sprache bewegt Leser jeden Alters. Die Zeichnungen sind einfach, die Gesichter der Tiere mit wenigen Strichen charakterisiert. Doch seine Geschichten regen auch zum Nachdenken an. Er beschreibt keine Idylle, alle Charaktere haben einen realen Bezug. Schöne und schreckliche Erlebnisse liegen, wie im wirklichen Leben, mitunter sehr nahe beisammen. Die Liebe zum Leben siegt schließlich über alle Missstände.

Manchmal stimmen die Geschichten auch traurig. Meist setzen die Tiere dann aber die starren Regeln der Erwachsenenwelt spielerisch außer Kraft. So weckt der Autor das versteckte Kind im erwachsenen Leser. Janoschs Figuren sind Helden des Lebens. Sie zaubern ein Schmunzeln in Gesichter, machen glücklich und so manchen bestimmt süchtig. /

Museum und Ausstellungen

In Europas Spezialmuseum für künstlerische Bilderbuchillustrationen ­können Interessierte den weltweit größten Bestand an Janosch-Originalzeichnungen besichtigen. In regelmäßigem Wechsel zeigt das Museum Janosch-Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensperioden.

Adresse: Burg Wissem, Burgallee 1, 53840 Troisdorf, Tel. 02241 8841-421 oder -427, E-Mail: museum(at)Troisdorf.de, Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr

Zwei andere Museen haben noch bis zum 9. Januar 2011 Werke von Janosch ausgestellt:

2011 wird Janosch 80

Der Autor und Zeichner Horst Eckert, bekannt unter seinem Künstlernamen Janosch, wurde am 31. März 1931 im oberschlesischen Hindenburg geboren. Heute heißt seine Heimatstadt Zabrze und liegt in Polen. Janosch wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Mit 13 Jahren begann er eine Lehre zum Schmied und arbeitete in einer Schlosserei. Vermutlich stammt aus jener Zeit seine Überlebensstrategie »Es gibt nichts, was nicht geht!«

Nach dem zweiten Weltkrieg flüchtete er mit seinen Eltern nach Westdeutschland. In Krefeld besuchte er eine Textilfachschule und nahm an einem Lehrgang für Musterzeichnen teil. Im Jahr 1953 zog Janosch nach München und schrieb sich an der Akademie der Bildenden Künste ein. Dort musste er sein Kunststudium wegen »mangelnder Begabung« nach einigen Semestern abbrechen.

Seine schriftstellerische Tätigkeit begann er 1956 für das Feuilleton einer Zeitung. Seine Zeichnungen gefielen einem Freund so gut, dass er ihm riet, ein Buch zu ­schreiben, und sein Verleger empfahl ihm, sich »Janosch« zu nennen. 1960 erschien sein erstes Kinderbuch »Die Geschichte von Valek dem Pferd«. Mit seinem Buch »Oh, wie schön ist ­Panama« erlangt Janosch 1978 internationale Anerkennung. Seine Kinderbücher wurden in zahlreiche ­Sprachen übersetzt und für »Janoschs Traumstunde« verfilmt.

1980 zog Janosch nach Teneriffa in die Berge. Er mag keinen Rummel und wirkt häufig ein wenig kauzig, denn am Liebsten, so sagt er, »wäre ich unsichtbar!« Sein weißer Walrossbart lässt ihn aber dennoch stets freundlich erscheinen. Heute schreibt Janosch keine Kinderbücher mehr. Vielleicht, weil er an seinen Büchern rund um die Tigerente kaum etwas verdient. Er sei mehrfach von Verlagen betrogen worden. Doch Familie, Freundschaft und der Sinn des Lebens beschäftigen ihn, neben Anarchie und Selbstbestimmung, noch immer.

E-Mail-Adresse der Verfasserin

blaubehr(at)gmx.net