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Depressionen bei Männern

16.12.2013  16:39 Uhr

Von Annette Immel-Sehr / Mehr als 10 Prozent der Bevölkerung leiden im Laufe ihres Lebens an einer behandlungsbedürftigen Depression. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, hieß es bislang. Doch das scheint ein Irrtum zu sein. Offenbar gibt es typisch männliche Symptome einer Depression, die Ärzte bisher nicht richtig interpretierten.

In einer US-amerikanischen Studie zur seelischen Gesundheit war Forschern der Universität von Michigan/USA aufgefallen, dass Männer häufiger über Reizbarkeit, Aggressivität, Suchtmittelgebrauch und gesteigerte Risikobereitschaft berichteten als Frauen. Aus früheren Untersuchungen gab es Hinweise, dass solche Symptome mit einer Depression in Verbindung stehen könnten.

So gingen die Forscher der Frage nach, ob sich die Zahl der Erkrankten ändert, wenn sie neben den typischen Depressionssymp­tomen wie Freudlosigkeit, Interessensverlust und Antriebsarmut auch die Symptome berücksichtigten, die sie bei Männern so oft gefunden hatten. Unter diesem Aspekt werteten die Wissenschaftler die Krankenakten von insgesamt mehr als 5700 Männern und Frauen aus. Bezogen die Forscher die typisch männlichen Symptome in ihre Auswertung ein, erfüllten sogar mehr Männer (26 Prozent) als Frauen (22 Prozent) die Kriterien für eine Depression.

Schon seit geraumer Zeit vermuten Experten, dass Männer nicht seltener an Depressionen leiden als Frauen. Da in der Suizid-Statistik die Männer sogar überwiegen, wurde vermutet, dass Männer sich schämen, eine depressive Stimmungslage gegenüber dem Arzt zuzugeben. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im amerikanischen Fachblatt JAMA, dem Journal of the American Medical Association. Diese Studie legt nahe, dass Ärzte eine Depression bei Männern wahrscheinlich deswegen seltener diagnostizieren, weil die üblichen Diagnosekriterien nicht ausreichen. /

Quelle: JAMA Psychiatry