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Zahnpflege

Perfekte Reinigung

16.12.2013  16:39 Uhr

Von Annette van Gessel / Wer seine Zähne bis ins hohe Alter behalten möchte, muss sie regelmäßig pflegen. Wie die richtige Zahnreinigung aussieht, erklärt Professor Dr. Michael J. Noack, Lehrstuhlinhaber und Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des Klinikums der Universität Köln, im Interview mit PTA-Forum.

PTA-Forum: Wie beurteilen Sie die Situation in Deutschland? Putzen die Deutschen ihre Zähne richtig?

Noack: Leider haben wir einerseits viele Patienten, die eine effektive Entfernung von Plaque und Biofilm mit einer Handzahnbürste nicht hinbekommen und andererseits Putzdefekte, die durch falsche Putztechnik entstehen. Wir beobachten in der Klinik immer wieder Schäden, die sich der Patient mit seiner Handzahnbürste zuführt. Oft ist in den Köpfen der Patienten die Vorstellung verankert »fest ist gleich sauber«. In einem solchen Fall rate ich denjenigen, die einen zu starken Putzdruck ausüben, zu einer elektrischen Zahnbürste.

PTA-Forum: Welche Vorteile sehen Sie darin?

Noack: Wer seine Zähne mit einer Schallzahnbürste putzt, kann nicht mehr viel Druck ausüben. Denn unter viel Druck kann die Schallzahnbürste nicht schwingen. Also werden im Endeffekt Nebenwirkungen wie Verletzungen der Gingiva, also des Zahnfleisches verhindert. Ich favorisiere eher die etwas größeren Bürstenköpfe, die sich auf mehreren Zähnen abstützen.

PTA-Forum: Die richtige Zahn­pflege beeinflusst nicht nur die Lebensdauer der Zähne, sondern wirkt sich auch auf den gesamten Organismus aus. Welche Zusammenhänge sind wissenschaftlich anerkannt?

Noack: Gute Zahnpflege und gute Mundgesundheit haben eine Bedeutung für den ganzen Körper. Unbestritten besteht ein Zusammenhang zwischen Parodontalerkrankungen, also Zahnfleischerkrankungen, und der koronaren Herzkrankheit, der sogenannten KHK. Für Diabetes mellitus gelten entzündliche Zahnfleischerkrankungen als Komplikation und bei Schwangeren mit dem Risiko für eine Frühgeburt kann sich schlechte Zahnpflege ebenfalls ungünstig auswirken.

PTA-Forum: Beeinflusst die Schallzahnbürste auch den Biofilm und damit die Plaquebildung?

Noack: Vor einigen Jahren wurde in einer Untersuchung zur Biofilmforschung mit Schallzahnbürsten gezeigt, dass die Flüssigkeit aus Speichel und Zahnpasta tief in die Zahnzwischenräume und am Zahnfleischrand entlang gespült wird. Somit wird gleichzeitig die Reinigungsleistung unterstützt. Schallzahnbürsten haben eine gewisse »Fernwirkung«, das heißt, die Mikroströmung erzeugt Scherkräfte, die nahezu berührungsfrei Plaque-Biofilm gut entfernen und zwar von der Oberfläche der Zähne ebenso wie am Zahnfleischrand.

PTA-Forum: Sicher schauen viele Menschen beim Kauf ihrer Zahnbürste auch auf die Kosten.

Noack: Bei der Frage Handzahnbürste oder Schallzahnbürste spielt natürlich auch Geld eine Rolle. Aber gute Schallzahnpflege muss nicht unbedingt sehr teuer sein. Stiftung Warentest hat kürzlich elektrische Zahnbürsten getestet. Das Ergebnis ist eine gute Entscheidungshilfe, damit jeder für sich das richtige Gerät findet. Dabei wird in unserem Labor-Versuch das Potenzial der Schalltechnologie gar nicht ausgeschöpft. Es fehlt die dynamische Flüssigkeitsströmung, die am Zahnfleischrand und tief in den Zahnzwischenräumen die Reinigungsleistung beim Zähneputzen noch deutlich unterstützt. /